Ex-Drittliga-Spieler #3: Was macht eigentlich Manfred Starke?

Seit der Einführung der 3. Liga im Jahr 2008 haben schätzungsweise mehr als 5.000 verschiedene Spieler mindestens eine Partie in Deutschlands dritthöchster Spielklasse bestritten. Einige blieben dabei besonders in Erinnerung. Auf diese Spieler schaut liga3-online.de in der Serie "Was macht eigentlich …?". Heute: Manfred Starke, der sich in Zukunft um die finanzielle Beratung von Fußballern kümmern möchte. Im Gespräch mit liga3-online.de erzählt der frühere Angreifer über seine Erfahrungen in Namibia, seine soziale Ader und seine Zukunftspläne.

"Wir hatten damals noch keine 'Hydration Break'"

Sieben Partien absolvierte Manfred Starke für die Nationalmannschaft von Namibia, ein Mal traf er dabei zum 1:0-Sieg in einem Freundschaftsspiel gegen Ghana. Unter anderem mit seinen Leistungen in der 3. Liga konnte sich der Offensivspieler seinerzeit für die Auswahl empfehlen. "So viele Spiele waren es am Ende trotzdem nicht, weil es auch einfach organisatorisch sehr schwierig war", blickt der 35-Jährige heute noch gerne auf seine Berufungen zurück. Häufig wird Starke allerdings nicht mehr darauf angesprochen. "Das haben nicht mehr alle auf dem Schirm, weil man mir das ja jetzt ehrlicherweise auch nicht direkt ansieht", erzählt der frühere Drittliga-Angreifer mit einem Lachen.

Und das, obwohl er sogar beim Afrika-Cup 2019 auflief. "Das war natürlich etwas Besonderes. Krass war ja, dass das mitten im Sommer stattgefunden hat, statt wie üblich im Winter. Da waren 40 Grad in Ägypten, was für Touristen vielleicht schön war", erinnert sich Starke – und zieht spaßeshalber einen Vergleich zur letzten Fußball-WM: "Also wir hatten damals auch noch keine 'Hydration Break'." Die berüchtigte Trinkpause, an der sich die Geister bei der Weltmeisterschaft 2026 schieden, war logischerweise nicht die einzige Entwicklung, die Starke im Bezug auf die Nationalmannschaften wahrnimmt. "Der Fußball und die Infrastruktur der afrikanischen Teams hat sich brutal weiterentwickelt. In der Liga in Namibia vielleicht noch nicht so stark, aber als ich in der Nationalelf dabei war, hatten wir modernste Busse. Einzig in den U-Mannschaften sind wir vielleicht mal im Bummelbus gefahren. Und einmal sogar mit einem Propellerflugzeug geflogen."

"Früher schon Schuhe nach Namibia mitgenommen"

Weshalb Starke überhaupt für Namibia spielberechtigt war? Der 35-Jährige wurde in Windhoek geboren, seine Eltern leben heute noch in Afrika. "Ich habe meine Eltern jedes Jahr besucht. Heute habe ich selbst zwei Kinder, weshalb das nicht mehr ganz so oft geht", erzählt Starke. Dass er dabei schon immer über den Tellerrand hinausblickte, berichtet er gerne: "Ich bin schon mit 13 Jahren nach Deutschland gekommen und habe schon in jungen Jahren damit angefangen, dass ich Fußballschuhe und sowas aus meinen Mannschaften eingesammelt und mit nach Namibia genommen habe. Immer, wenn ich zu Weihnachten oder Silvester dahingeflogen bin, hatte ich ein Paket dabei."

Die soziale Ader, sie war und ist immer noch groß bei Starke. Im Mai 2018 fiel der 35-Jährige auch als Stammzellenspender auf. "Die Geschichte war auch schön, weil es ja nicht selbstverständlich ist, dass du die Möglichkeit bekommst. Ich habe auch im Nachgang gehört, dass derjenige, der meine Spende bekommen hat, auch überlebt hat. Das ist wirklich etwas Schönes", so Starke. Doch bei aller Fürsorge und Hilfsbereitschaft stellt sich immer auch die Frage, ob sich der Fußballprofi auch mal alleine gefühlt hat. "Irgendwann gewöhnst du dich daran, weil man im Internat auch mit vielen Gleichgesinnten zusammen war. Es war für mich deshalb auch nie schwierig, zu neuen Vereinen zu kommen."

"Habe Gott sei Dank wirklich viel sehen dürfen"

Und das genoss der 35-Jährige auch – schließlich spielte er deutschlandweit für Rostock, Jena, Lautern, Zwickau, Oldenburg und 1860 München. "Ich hatte so viele schöne Stationen, dass ich gar kein einzelnes Highlight herauspicken kann. Ich habe Gott sei Dank wirklich viel sehen dürfen", schwärmt Starke von seiner Karriere. Und ganz alleine war der 35-Jährige letztendlich auch nicht, denn Schwester Sandra Starke kam ebenfalls aus Namibia nach Deutschland – und spielt heute für RB Leipzig in der Bundesliga der Frauen sowie sechs Mal für die deutsche Nationalmannschaft.

"Mit ihr konnte ich schon immer über vieles reden, aber natürlich auch über Fußball. Mein großer Sohn ist auch absoluter Fan, und im Thema Frauenfußball bin ich absolut an ihrer Seite, weil da auch eine richtige Entwicklung stattfindet", findet der große Bruder. Nur über eine einzige Kleinigkeit muss er schmunzeln: "Wenn der Große dann mal im RB-Trikot seiner Tante in Jena rumlaufen möchte, dann hört man auch mal einen dummen Spruch auf der Straße. Aber das ist schon in Ordnung." Rivalitäten im Fußball seien etwas ganz normales, weshalb das keine vereinsspezifische Sache wäre.

"Möchte Fußballern bei ihrem finanziellen Weg helfen"

In Jena ist Starke heute beheimatet. Dort spielt er noch für Einheit Rudolstadt in der Oberliga – an der Seite von ehemaligen Weggefährten wie Maximilian Schlegel, Tom Krahnert, Tim Rühling oder Marco Riemer, die er noch aus Zeiten bei Carl Zeiss Jena kennt oder sogar mit ihnen zusammen dort gespielt hat. "Das mache ich, weil ich noch mit meinen Freunden zusammenspielen möchte. Der Fußball ist heute nicht mehr direkt mein Standbein", verrät Starke dabei. "Ich mache zurzeit eine Umschulung und werde für 'Sports Finance' tätig sein. Das ist mir auch eine Herzensangelegenheit, weil ich Sportlern und auch Fußballern bei ihrem finanziellen Weg über das Karriereende hinaus helfen möchte."

Er selbst habe von solchen Möglichkeiten erst spät in seiner Karriere erfahren, aber in Zukunft möchte Starke schon den jungen Leuten unter die Arme greifen. "Ich möchte Spielern zeigen, wie man sein Geld vernünftig anlegt, damit man nicht da steht und nichts mehr hat. Ich wusste auch nicht immer, wie man das am besten macht und wem man da vertraut", berichtet der Ex-Profi. Und das aus gutem Grund: "Es gibt da echt eine große Dunkelziffer, was die Pleite nach der Karriere angeht. Manchmal ist das schon fünf Jahre später der Fall, und das möchte ich ein bisschen verändern. Ich kann damit mein tägliches Brot verdienen und Leuten helfen." Eine Tatsache, die Starke als Person seit jeher wohl bestens umschreibt.

   

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