"Manchmal zu viel Anspruch": Selimbegovic fordert einfache Mittel
Alemannia Aachen durchlebt schon alle Schwankungen einer Saison innerhalb der ersten Spieltage. Auf den fulminanten Sieg gegen Ingolstadt (3:0) folgte ein 2:2-Unentschieden gegen Regensburg, bei dem sich die Mannschaft von Mersad Selimbegovic größtenteils selbst zum den Lohn brachte. Vor dem Spiel gegen die Würzburger Kickers (Dienstag, 19 Uhr) wirbt der Cheftrainer jedoch für Demut.
"Wir laufen Gefahr"
Zeigt Alemannia Aachen auf die verspielte Führung gegen Regensburg eine Reaktion? Cheftrainer Mersad Selimbegovic lächelte angesichts der obligatorischen Phrase. "Wir laufen Gefahr, etwas zu entfalten oder zu entwickeln, dass alles schlecht ist, wenn wir den Gegner nicht schon zur Halbzeit aus dem Stadion geschossen haben", warnte der 44-Jährige bei der Spieltags-Pressekonferenz am Montag davor, dass sich die Aachener aus eigenen Stücken heraus in einen Negativstrudel begeben könnten. "Dann müssen wir nämlich wieder eine Reaktion zeigen und wieder und wieder. Also ich finde, dass die Mannschaft das nicht zeigen muss. Wir haben ein gutes Spiel gemacht, wir haben ein paar Fehler gemacht und der Gegner hat es ausgenutzt." Das sei es, woran die Alemannia zu arbeiten habe.
"Das Ganze wirkte schon sehr, sehr frustriert", blickte Selimbegovic weiter auf die vergangenen Partie gegen Regensburg zurück. "Ich habe schon in der Kabine gesagt, dass das manchmal einfach zu viel ist, was die Mannschaft auch als Anspruch an sich selbst hat", räumte der Cheftrainer dabei ein. "Wir gehen mit 2:1 in die Kabine. Also mit einem Tor mehr als der Gegner. Und wir waren alle irgendwie richtig, richtig sauer, weil uns einfach bewusst war, dass wir mit drei oder vier Toren führen konnten."
Womöglich ließ Aachen aus dieser Wut heraus zu viel zu, weil auch die Regensburger im zweiten Abschnitt stärker aufspielten – und die Alemannia hatte plötzlich etwas zu verlieren. Selimbegovic' Ärger lag tiefer, als das Ergebnis: "Wir haben immer wieder diese Momente, wo wir ein bisschen offline sind." Das mache letztendlich den Gegner stark.
"Übertrieben viele Optionen haben wir nicht"
Dass dem so ist, sei für den Cheftrainer wiederum völlig normal. "In der Champions League treffen sie auch nicht alle immer die richtige Entscheidung", führte Selimbegovic an. "Wir befinden uns auf einem Weg, und ich finde, dass das ein richtig guter Weg ist. Und das auch schon über die letzten Monate hinweg." Der 44-Jährige verwies abermals auf den großen Umbruch im Kader und die Vielzahl an jungen Spielern, die "schon ziemlich weit" seien, aber aufgrund der fehlenden Erfahrungen noch nicht "souverän über 90 Minuten". Doch das kann noch kommen, ist sich Selimbegovic sicher: "Wenn sie spielen, machen sie auch Fehler, und dann lernen sie aus diesem Fehler. Das gibt mir die Zuversicht, dass wir solche Spiele in Zukunft zu Ende bringen können." Auch gegen Regensburg sei es so gewesen, dass lediglich Kleinigkeiten zum Unentschieden geführt hatten.
Und so wird es auch gegen Würzburg wieder sein, wie Selimbegovic glaubt. "Sie können dich überspielen, sie können dich bespielen. Das hat Rot-Weiss Essen zu spüren bekommen. Da stand es auf einmal 3:2 und alles war wieder auf der Kippe, obwohl eine Spitzenmannschaft wie Essen im Spiel zur Halbzeit mit 3:0 führte", verwies der Aachener Coach auf die Qualitätsdichte, die in der Liga jeden Spieltag erwartet werden kann.
"Deswegen müssen wir hellwach sein", forderte der 44-Jährige von seiner Mannschaft, die zusätzlich zu den Langzeitverletzten auf Danilo Wiebe (Muskelverletzung) und Ken Izekor (Erkältung) verzichten muss. In die Startelf wird wohl auch ein Meiko Wäschenbach rücken, wie Selimbegovic in Aussicht stellte. "Es gibt noch die eine oder andere Option, aber wir trainieren heute noch einmal und morgen müssen wir schon alles wissen. Übertrieben viele Optionen haben wir nicht, so ehrlich muss man auch sein", so der Cheftrainer. Die Englische Woche, sie wird Körner abverlangen.