Jahn Regensburg: Auf dem Weg in den nächsten Fehlstart?
Eigentlich fühlte sich die Vorbereitung des SSV Jahn Regensburg mindestens nach dem Vorboten eines soliden, unaufgeregten Jahres an. Doch die erste Niederlagenserie, darunter ein krachendes 1:5 und kürzlich ein fahrlässig vergebener Sieg trotz Überzahl, nagt am Gemüt. Was fehlt dem Jahn und was macht Mut?
"Eigentlich gutes Spiel" gegen Duisburg
Die Umstände des alljährlichen Besuchs auf der Herbstdult, der großen Regensburger Stadtkirmes, hatten sich die Profis des SSV Jahn am Montagabend wohl etwas anders ausgemalt. Drei Niederlagen in Folge, jüngst das 1:2 gegen Spitzenreiter und Aufstiegskandidat Duisburg. Das Ergebnis alleine wäre wohl noch zu verkraften gewesen, nicht aber in einer 65-minütigen Überzahl, in die der Jahn mit dem Spielstand von 0:0 ging, die Führung erzielte und trotzdem nach Abpfiff bedröppelt zu Boden sank. "Das nervt kolossal", gab Trainer Sascha Hildmann anschließend am TV-Mikrofon zu Protokoll. Er hatte "eigentlich ein gutes Spiel" seiner Mannschaft gesehen.
Hatte er damit recht? Die Fan-Meinungen drifteten nach Spielende auseinander. Ja: Optisch hatte der Jahn mit rund 70 Prozent Ballbesitz die deutlich höheren Anteile, insbesondere kurz nach dem Seitenwechsel auch die stärkste Phase, die Torjäger Lucas Hermes mit seinem bereits vierten Treffer belohnte. Doch unter dem Strich standen auf beiden Seiten ähnlich viele Schüsse, der MSV Duisburg hatte sogar das Plus an Abschlüssen im gegnerischen Strafraum.
Und ausgerechnet der gescholtene junge Schlussmann Hannes Hermann (21), der beim 1:5 in Hoffenheim eine Woche zuvor den vielleicht dunkelsten Tag seiner Karriere zu verarbeiten hatte, avancierte mit drei starken Paraden zum wohl stärksten Regensburger Akteur. Sicherlich hätte der akzeptable Auftritt in Überzahl dennoch für drei Punkte reichen müssen. Doch der Jahn war das Gegenteil von clever und abgezockt – mit der dürftigen Folge, einen Vorsprung in Überzahl noch zu verdaddeln.
Unterschiedliche Herangehensweisen
Und wie das eben mit Momentaufnahmen so ist: War der Jahn nach einem furiosen 5:2-Sieg bei Viktoria Köln nach den ersten 90 Saisonminuten noch geteilter Spitzenreiter, so belegt er vier Wochen später den drittletzten Platz. Auf Pfiffe verzichteten die Jahn-Fans unter den 8.400 zahlenden Besuchern, insgesamt hat der SSV den großen Vorteil, daheim ein stimmgewaltiges und zugleich geduldiges Publikum hinter sich zu wissen. Zumindest den einen oder anderen sarkastischen Kommentar musste die Hildmann-Elf aber schlucken. "Alles wie immer", kommentierte ein Nutzer. Der Vergleich mit dem Vorjahr ist tatsächlich wenig erbaulich: Vier Punkte holten die Donaustädter da aus den ersten sieben Partien – ein mächtiger Fehlstart, der so keinesfalls wiederholt werden soll.
Die spielerischen Problemfelder sind derweil diffus, denn in eine Schublade lässt sich der Spielansatz kaum stecken. Beispielhaft ist der Auftaktsieg: Am Kölner Höhenberg generierte der Jahn aus einer abwartenden Haltung mit nur rund einem Drittel Ballbesitz einen Kantersieg – bedingt durch große Effizienz und schnelle Gegenstöße. Eine Woche darauf zog der SSV in einem Spiel auf Augenhöhe den Kürzeren gegen Saarbrücken (0:1), ließ dort aber fast 3 "expected goals" zu, ein zu hoher Wert. Gleiches passierte bei der Klatsche in Hoffenheim, wo der Jahn sich über weite Strecken dominieren ließ und auch körperlich zu wenig Gegenwehr gegen die feinen TSG-Fußballer leistete. Die Reaktion gegen den MSV war erkennbar, der Ertrag aber blieb aus.
Lichtblick Hermes, Flaute auf den Flügeln
Grundsätzlich lässt sich Hildmann bei dessen erster Trainerstation nach der langen Amtszeit in Münster (2020-2025) nicht vorwerfen, im 4-2-3-1-System auf zu wenige spielerische Elemente zu setzen. Insbesondere die Dreierreihe hinter Überraschungs-Goalgetter Lucas Hermes überzeugt mit feinen Passstafetten: Jedoch sind weder David Philipp noch Adrian Fein noch Nassim Boujellab mit den Voraussetzungen eines Flügelstürmers gesegnet, weshalb das gesamte Offensivspiel genau dort lahmt. Hermes kann dies mit seinem dynamischen Antritt bislang kaschieren, ist auf den Flügeln aber verschenkt. Defensiv steht der Jahn mit seinem Toptalent Leopold Wurm (20) und Kapitän Felix Strauss (25) gerade im Abwehrzentrum auf einer sehr soliden Basis. Torhüter Hermann muss seinen Platz dagegen erst noch zementieren.
Für wilden Aktionismus ist es so oder so deutlich zu früh. Auch wenn keiner genau weiß, wo er steht, so ist zumindest zu erahnen, dass der Jahn mit dem Auftaktprogramm Viktoria Köln, FCS, Hoffenheim II und Duisburg eher nicht die angenehmsten Gegner erwischt hat, sondern mindestens zwei Spitzenteams. Noch ist völlig unklar, ob der SSV unter Hildmann gelernt hat, mit der Favoritenrolle besser umzugehen.
Doch geben die drei Partien bis zur langen Länderspielpause mehr Aufschluss? Wohl kaum: Am Samstag gastiert der Jahn bei Alemannia Aachen, drei Tage später kommt Fortuna Düsseldorf mit einem verkappten Zweitliga-Kader. Und schließlich geht es zum VfB Stuttgart II – an jenen Ort, wo Sascha Hildmann im Frühjahr debütierte und gleich eine 1:3-Niederlage einstecken musste. Der Jahn wird sich strecken müssen, um nach sieben Spieltagen nicht genau bei jener Ernüchterung zu landen, die ihn schon vor zwölf Monaten umgeben hat.