Hirsch mit Plädoyer zu Hahn: "Nie gesagt, dass er gehen soll"
Der MSV Duisburg kam gut aus den Startlöchern und führt die Tabelle nach zwei Spieltagen an. Doch das vorherrschende Thema bei den Zebras ist derzeit der Wechselwunsch von Kapitän Alexander Hahn. Cheftrainer Dietmar Hirsch nahm die Spieltags-Pressekonferenz zum Anlass, um ein klares Statement abzusetzen – und zwar pro Hahn.
"Vielleicht muss man das klarstellen"
Am Dienstag fehlte der Name von Alexander Hahn überraschend auf dem Spielberichtsbogen. Nicht einmal im Landespokal bei einem unterklassigen Gegner war der Kapitän an Bord. Allen Spekulationen nahm Cheftrainer Dietmar Hirsch nach Spielschluss den Wind aus den Segeln – und bestätigte: "Die Sache ist relativ einfach. Der Spieler ist mit seiner sportlichen Situation unzufrieden und hat uns klipp und klar gesagt, dass er den Verein verlassen will. Deswegen hat er nicht gespielt." Eine Aussage, die im Umfeld sofort kontrovers diskutiert wurde. Die Befürworter kritisierten einen schlechten Umgang mit Hahn, die Fürsprecher verwiesen auf die sportliche Situation.
Gibt das jetzt richtig Unruhe beim MSV? Nein, so Hirsch. "Vielleicht muss man das klarstellen, weil die Kommunikation und die Moderation infrage gestellt wurde", führte der Cheftrainer der Zebras in der Spieltags-Pressekonferenz ganz sachlich aus. Die sportliche Situation war Hirsch genauso bewusst, wie die Situation rund um das Kapitänsamt. "Wir haben den Kapitän immer ganz offen in die Kaderplanung und Ideen einbezogen. Jeder weiß, dass wir in den letzten zwei Jahren sehr erfolgreich damit waren", so der 54-Jährige. "Im März, April haben wir mit Ali über die Situation gesprochen, dass wir uns natürlich verstärken wollen und einen vierten Innenverteidiger holen wollen, der uns möglichst in der Spitze und nicht nur in der Breite verstärkt." Diese Personalie wurde mit Martin Ens abgedeckt.
"Wir haben deshalb keine Unruhe"
Hirsch betonte, dass die Kommunikation immer offen und transparent war – und auch jetzt gar nicht gegen Hahn sprechen soll. "Wir haben vier wirklich gute Innenverteidiger. Ali stand bei uns nie im Fokus dass er den Verein verlassen soll", bekräftigte der MSV-Coach, dass das Gegenteil der Fall sei. In der Abwehrzentrale hätten die Duisburger ganz einfach einen Konkurrenzkampf mit vier Spielern auf Augenhöhe, in dem Hahn aktuell das Nachsehen hat. "Und das ist eine Situation, in welcher der Spieler gesagt hat, dass er den Verein verlassen möchte. Das muss man akzeptieren, wenn ein Spieler sich sportlich anders sieht", fasste Hirsch zusammen.
Dass der Cheftrainer nach dem Landespokalspiel dünnheutig auf wiederholte Nachfragen gewirkt habe, entschuldigte der 54-Jährige zugleich. "Wir sagen immer, dass jeder Kaderspieler seine Einsatzzeiten bekommen wird. Der manche mehr Minuten, der andere weniger Zeit. Aber wir haben keinen abgeschrieben, und da geht es aktuell rein um sportliche Dinge. Es sollte nicht anders rüberkommen, weil ich eine sehr hohe Meinung von Ali Hahn habe", betonte Hirsch. Und wiederholte selbst: "Wenn ein Spieler die Konkurrenzsituation nicht möchte, und man dann mit einem Wechselwunsch konfrontiert wird, muss man das akzeptieren. Wir haben deshalb aber keine Unruhe."
"Ali ist mein Kapitän. Punkt"
Und Hirsch ging in seinem Plädoyer für Hahn sogar noch einen Schritt weiter. Denn ein Abschied bis zum Transferschluss am kommenden Dienstag ist längst nicht gewiss. Zumal bislang noch kein Angebot für den 33-Jährige vorliege. "Wenn er nächsten Mittwoch noch Spieler des MSV ist, dann ist das so. Dann ist die ganze Sache auch nicht schlimm, weil wir dann weiter vier qualitativ hochwertige Innenverteidiger im Kader haben werden", so der MSV-Coach – mit Ausrufezeichen: "Ich habe nicht ein Mal gesagt, dass er gehen soll. Ali ist mein Kapitän. Punkt. Wenn er nächsten Mittwoch hier ist, dann werde ich ihn als Kapitän auch nicht absetzen."
Eigene Wünsche auf dem Transfermarkt hatte Hirsch nicht mehr, sofern niemand mehr den MSV verlassen wird. Sollte beispielsweise Hahn derjenige sein, dann würde der Coach der Zebras gerne einen vierten Innenverteidiger dazuholen – sofern er qualitativ passend wäre. Angesichts von nur 22 Feldspielern müsse Duisburg jedoch "vielleicht quantitativ gucken", aber der aktuelle Konkurrenzkampf war auch jetzt schon offensichtlich das große Thema, bei dem Hirsch ein gutes Händchen brauchen wird. "Das müssen die Spieler akzeptieren. Und unsere Trainingsqualität ist sehr hoch, weil sie es akzeptieren."
Nur Borkowski und Christensen fehlen
Weiter hieß es: "Wir haben ein großes Aufgebot an Spielern, bei dem wir jeden spielen lassen könnten", wehrte sich der MSV-Coach nicht dagegen, auch in den kommenden Wochen viele Gespräche und Moderationen zu führen. "Das kann ja auch Spaß machen, weil wir auf hohem Niveau diskutieren und sich die Spieler auch einbringen dürfen, aber gleichzeitig auch ein gewisses Verständnis für das Trainerteam zeigen. Die sehen auch, dass wir es mit der Auswahl nicht einfach haben." Wer gegen die Würzburger Kickers (Samstag, 14 Uhr) starten wird, verriet Hirsch derweil nicht. Nur Dennis Borkowski (Aufbautraining) und Frederik Christensen (individuelles Training) fallen weiter aus.