Wer überrascht, wer noch Anlauf braucht: Die Aufsteiger im Check
Vor dem 3. Spieltag stehen die vier Liga-Neulinge weniger unter Druck als zu befürchten war: Nur einer von ihnen wartet noch auf den Premierensieg nach der Rückkehr in die 3. Liga. Wer besonders überzeugt, wer strauchelt und auf welche Spieler besonders geachtet werden sollte.
Der Überblick
Drei Siege, zwei Unentschieden, drei Niederlagen: Die Bilanz der Würzburger Kickers, des SV Meppen, der SG Sonnenhof Großaspach und Fortuna Köln ist zusammenaddiert völlig ausgeglichen und damit guter Drittliga-Durchschnitt. Tabellenbester sind die Würzburger als Dritter mit vier Zählern, Meppen und Großaspach sortieren sich mit drei Punkten im hinteren Mittelfeld ein, das zu diesem frühen Zeitpunkt selbstverständlich noch wenig Aussagekraft besitzt. Das gilt auch für Fortuna Köln, derzeit auf Rang 16 mit erst einem Remis.
Auch mit Blick auf das Auftaktprogramm lässt sich derweil festhalten: Würzburg ist am überzeugendsten in die Saison gestartet, hat schließlich mit Ingolstadt (2:2) und Wiesbaden (4:0) gleich zwei Anwärter auf obere Tabellenregionen bespielt. Nicht nur die Duftmarke gegen den SVWW, sondern auch das knappe Pokal-Aus gegen Erstligist 1. FC Köln (1:2) hat die Zuversicht gesteigert, in der 3. Liga sofort konkurrenzfähig zu sein. Rückkehrer Ivan Franjic scheint das fehlende Puzzlestück auf der Spielmacherposition zu sein, während Fürth-Leihgabe David Abrangao auf der linken Schiene für Aufsehen sorgt.
Ähnlich ist es bei Sonnenhof Großaspach, auch wenn die SGS bis dato "nur" gegen zwei Mitaufsteiger spielte. Sowohl gegen Köln (1:0) als auch in Meppen (0:2) zeigte die Elf von Trainer Pascal Reinhardt aber ihren attraktiven Spielstil und haderte primär mit der Chancenverwertung – ein gutes Zeichen. Der Pokal-Coup über Zweitliga-Vertreter Arminia Bielefeld (5:2 nach Elfmeterschießen), immerhin Finalist der Saison 2024/25, wurde zum echten Ausrufezeichen. Ein Klassenunterschied, so die einhellige Meinung der Experten, war über 120 Minuten zuvor nicht erkennbar gewesen. Aus dem eingespielten Kollektiv heraus ragen derzeit Außenverteidiger Luca Molinari und Innenverteidiger Arbnor Nuraj. Beeindruckend ist, dass beide im Frühjahr 2025 noch in der Oberliga Baden-Württemberg kickten.
Meppen und Köln haben noch mehr zu tun
Etwas schwerer tat sich, die reine Leistung betrachtet, der SV Meppen – der allerdings zum Start beim MSV Duisburg auch die wohl undankbarste Aufgabe hatte. 0:3 hieß es vor rund 25.000 ekstatischen Fans an der Wedau, umso wichtiger geriet der umkämpfte Erfolg gegen Großaspach. In einem nominell wenig prominent besetzten Kader deutet sich schon jetzt die Schlüsselrolle von Torhüter-Eigengewächs Julius Pünt an, der mit sechs Paraden gegen Aspach zum Matchwinner avancierte.
Auch Fortuna Köln erlebte keinen euphorischen Auftakt. Bei der 0:1-Niederlage in Großaspach traten deutliche Offensivprobleme zu Tage, das 1:1-Remis gegen Alemannia Aachen ist aufgrund der frühen Gelb-Roten Karte für Aachens Loune (23. Minute) schwer zu bewerten: In Überzahl erspielten die Südstädter sich einige Chancen, im Elf gegen Elf sah alles nach einem dominanten Alemannia-Auftritt aus. Das kommende Auswärtsspiel beim schwach gestarteten, aber spielstarken SC Verl (Samstag, 14 Uhr) ist eine geeignete Reifeprüfung für die Fortunen, die ähnlich wie Meppen weitestgehend auf erfahrene Neuzugänge verzichteten. Köln musste zudem die schwere Verletzung von Jasper Löffelsend (Kreuzbandriss) hinnehmen.
Der Blick in die Vorjahre
Anders als in den vorherigen Spielzeiten ist kein nominelles Schwergewicht zur 3. Liga hinzugestoßen. Der MSV Duisburg startete in der Saison 2025/26 etwa mit zwei Siegen – völlig überraschend war das trotzdem nicht. Auch die TSG Hoffenheim II (vier Punkte) hatte schnell ihr Potenzial angedeutet, das sie zumindest in der Hinrunde regelmäßig abzurufen wusste. Während der TSV Havelse zumindest zwei Remis ergatterte, stand Schweinfurt 05 bereits punktlos am Tabellenende. Ein düsterer Vorbote für die Chancenlosigkeit der Schnüdel.
Ein Jahr zuvor (2024/25) standen sogar zwei Aufsteiger zunächst ohne Punkte da: Hannover 96 II stieg als Drittletzter vorzeitig ab, Energie Cottbus schaffte einen beeindruckenden Turnaround und verspielte damals die Teilnahme an der Relegation erst am allerletzten Spieltag.
Ein schlechter Auftakt kann also große, aber auch praktisch gar keine Aussagekraft haben. Letzteres bewies wiederum keine Spielzeit besser als die Saison 2023/24: Da standen Preußen Münster und der SSV Ulm als schwächste Neulinge da – und marschierten später auf den Plätzen 1 und 2 in die 2. Bundesliga durch. Wenig zu lachen hatte der etwas besser gestartete Aufsteiger VfB Lübeck, der als Vorletzter chancenlos absteigen musste.