Kommentar: Hirsch hat mit Hahn eine unnötige Baustelle geschaffen

Dass MSV-Kapitän Alexander Hahn mit seiner sportlichen Situation unzufrieden ist und die Zebras deshalb verlassen will, lässt sich nachvollziehen. Dass Trainer Dietmar Hirsch auf das Leistungsprinzip setzt, ebenfalls. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass sich der MSV-Coach diese Diskussion selbst eingebrockt hat. Ein Kommentar.

Eine widersprüchliche Entwicklung

Niemand wird Hirsch vorwerfen, dass er den 33-Jährigen nicht aufstellt. Wenn andere Innenverteidiger aktuell stärker sind, müssen sie spielen. Genau das hat der Trainer vor Saisonbeginn und nach dem Auftakt gegen Meppen deutlich gemacht. Da dürfen auch die Verdienste Hahns in der Vergangenheit keine Rolle mehr spielen. Zudem vertrat Hirsch die durchaus nachvollziehbare Auffassung, dass ein Kapitän nicht zwingend Stammspieler sein muss. Hahn sei weiterhin sein "Sprachrohr" und wichtigster Ansprechpartner innerhalb der Mannschaft, betonte er noch vor wenigen Wochen. Doch genau deshalb wirkt die aktuelle Entwicklung so widersprüchlich.

Wer einen Spieler zum Kapitän macht und öffentlich als zentrale Führungsfigur hervorhebt, sendet ein klares Signal. Wer denselben Spieler anschließend in keinem einzigen Pflichtspiel in den Kader beruft, sendet ein anderes. Dass daraus Unzufriedenheit entsteht, überrascht nicht. Viel interessanter als Hahns Wechselwunsch ist deshalb die Frage, warum Hirsch ihn überhaupt erneut zum Kapitän ernannt hat, wenn offenbar längst klar war, dass seine sportliche Rolle deutlich kleiner werden würde. Schon in der Rückrunde der vergangenen Saison war Hahn kein unumstrittener Stammspieler mehr. Die Entwicklung kam also keineswegs aus heiterem Himmel.

Gelingt ein würdiger Abschied?

Der MSV ist sportlich hervorragend in die Saison gestartet. Doch statt über die Leistungen auf dem Platz zu sprechen, dreht sich nun vieles um die Zukunft des Kapitäns. Hirsch wollte offenbar ein Zeichen setzen, dass Führung nicht an Einsatzzeiten gebunden ist. Dieser Ansatz war nachvollziehbar, hat in der Praxis aber nicht funktioniert – gerade auch im Hinblick auf die Kommunikation nach außen. Nun sollte es darum gehen, Hahn einen würdigen Abschied zu bereiten. Nach zwei Jahren als Leistungsträger hat er diesen zweifelsfrei verdient – unabhängig davon, wie die sportliche Bewertung zuletzt ausgefallen ist.

   

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