Knock-Out in Minute 120! Waldhof verliert Derby gegen den FCK
Nach etwas mehr als vier Jahren kam es wieder zum Derby zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern. Eine intensive und spannende Partie wurde nach Ende der regulären Spielzeit von schweren Ausschreitungen überschattet. In der Verlängerung mussten sich die Buwe durch einen Gegentreffer in der 120. Minute dann geschlagen geben.
Ritter und Tazemeta verpassen Führung
Am 23. November 1996 gewann der SV Waldhof Mannheim letztmals ein Derby gegen den 1. FC Kaiserslautern. Im Pokal wollte der SVW diese lange Durststrecke nun beenden. Mannheim, mit vier Punkten aus den ersten beiden Ligaspielen gestartet, nahm im Vergleich zum 3:3 gegen Hansa Rostock drei Änderungen vor: Nijhuis kehrte ins Tor zurück, während Oseke und Thill aus der Startelf rotierten. Oseke fehlte angeschlagen. Müller und Kammerknecht begannen dafür. Nach dem zweiten 0:0 in Folge nahm Kaiserslautern zwei Wechsel vor. Für die verletzten Asta und Skyttä starteten Joly und Tazemeta, der sein Startelfdebüt feiert.
Nachdem die Partie nach wenigen Augenblicken wegen zu starken Rauchnebels aus dem Gästeblock kurz unterbrochen werden musste, versuchte Kaiserslautern, die Initiative zu übernehmen. Die erste Chance hatte allerdings der Waldhof: Ulbricht steckte auf Asallari in den Strafraum durch, der sofort abzog. Krahl wehrte den Schuss jedoch zur Ecke ab (13.). Kurz darauf wurde Kaiserslautern erstmals richtig gefährlich: Joly legte einen Diagonalpass direkt in den Strafraum quer, wo Ritter frei zum Abschluss kam, den Ball aber neben das Tor setzte (18.).
Nachdem Lautern durch zwei Standardsituationen zumindest halbwegs gefährlich vor das Tor kam, hatte nach rund einer halben Stunde Mannheim die nächste Chance. Thalhammer legte in den Rückraum, wo sich Rieckmann den Ball zunächst auf den rechten Fuß legen wollte. Dadurch fehlte dem Schuss etwas Wucht. Krahl konnte den noch abgefälschten Ball ohne Probleme halten. Kurz vor der Pause war Lautern der Führung dann ganz nah: Berisha erlief einen langen Ball und legte ihn in die Mitte. Tazemeta versuchte es aus rund elf Metern, sein Flachschuss lenkte Nijhuis mit den Fingerspitzen an den Pfosten (39.). Kurz darauf wehrte der Waldhof-Keeper auch einen Kopfball von Berisha über die Latte ab (41.).
Disziplinierte Defensive – hitzige Schlussphase
Nach der Pause verzögerte sich der Wiederanpfiff zunächst, nachdem dieses Mal im Mannheimer Block eine große Pyroshow abgebrannt wurde. Auf dem Platz wurde es erst nach knapp einer Stunde wieder hitzig: Rieckmann brachte nach einer zunächst geklärten Ecke den Ball zurück in den Strafraum, wo Krahl gegen Thalhammer zu zögerlich herauskam. Der Mannheimer spitzelte den Ball unter dem heranspringenden Torhüter hindurch, Rasmussen konnte den Rückstand mit seiner Grätsche jedoch noch verhindern (61.). Das Spiel lebte weitestgehend von der Spannung und der disziplinierten Verteidigung. Jeder Treffer hätte die Entscheidung bringen können – so beispielsweise beinahe Gregorio für den SV Waldhof. Von der Strafraumkante zog er ab, sein leicht abgefälschter Schuss klatschte an den Pfosten (74.).
Kurz vor Ende stieg die Schlagzahl noch einmal: Zuerst prüfte Thill aus der Distanz Krahl. Der Schuss des Luxemburgers wurde noch leicht abgefälscht, Krahl konnte den Ball jedoch mit dem Fuß parieren (86.). Im direkten Gegenzug hatten Murphy und Kanaté eine Zwei-gegen-eins-Situation im Konter. Kanaté schlug im Strafraum noch einen Haken gegen Müller, schoss anschließend aber am Tor vorbei (86.). Die Lautrer versuchten immer wieder, über Kanaté schnell nach vorne zu spielen, doch Mannheim hielt dagegen. Kanaté nahm im Konter Tempo auf und wurde von Ritter mustergültig bedient, doch Michel grätschte rund 30 Meter vor dem Tor als letzter Mann resolut und fair dazwischen (90.+3).
Die letzte Aktion vor der Verlängerung gehörte Ritter: Der Mittelfeldspieler zog von rechts ins Halbfeld und schlenzte den Ball aufs Tor. Nijhuis wehrte zur Ecke ab (90.+6). Nach dem Ende der regulären Spielzeit schickte Schiedsrichter Robert Schröder beide Mannschaften zunächst in die Kabinen, da aus beiden Fanlagern Feuerwerkskörper auf den Platz flogen – aus dem Lautrer Block auch in Richtung Haupttribüne. Auf Mannheimer Seite eskalierte die Situation zudem mit den eingesetzten Beamten. Neben dem Einsatz von Pfefferspray kam es zu Auseinandersetzungen.
Später Nackenschlag für die Buwe
Die Partie wurde wieder angepfiffen, die Botschaft war jedoch deutlich: Sollten noch einmal Pyrotechnik, Raketen oder sonstige Gegenstände auf das Spielfeld fliegen, wird die Partie abgebrochen. Nach der knapp halbstündigen Pause kam Lautern etwas schwungvoller aus der Kabine, die erste gefährliche Torchance hatte aber der Waldhof. Mickels schlenzte den Ball aus 17 Metern halblinker Position auf das lange Eck – die Kugel strich knapp am Pfosten vorbei (100.).
Im zweiten Durchgang der Verlängerung war es dann der 1. FC Kaiserslautern, der gefährlich wurde. Kunze köpfte nach einer Ecke von Ritter aufs Tor, Keumo klärte auf der Linie (109.). Kurz darauf kam Kanaté nach einem langen Ball aus elf Metern zum Abschluss, doch der herausstürmende Nijhuis parierte überragend. Der FCK blieb dran und kam immer wieder über Konter nach vorn. Kanaté bediente Yardimci per Hacke, dessen Abschluss Müller in höchster Not zur Ecke klärte. Für seine starke Phase belohnte sich Kaiserslautern schließlich durch Kanaté: Der 19-Jährige schlenzte den Ball aus 18 Metern halblinker Position ins Tor (120.).
Doch beinahe hätte Lautern den Sieg noch hergeschenkt. Nach Ablauf der fünf Sekunden bekam der SV Waldhof einen Einwurf. Ausgerechnet Terrence Boyd kam im Fünfmeterraum vor dem leeren Tor zum Abschluss, aber traf den Ball nicht. Für den SV Waldhof Mannheim geht es am Sonntag, den 30. August beim TSV Havelse weiter (16:30 Uhr).