Was aus früheren Drittligisten geworden ist #31: Lübeck

Insgesamt 70 Mannschaften spielten seit der Saison 2008/2009 in der 3. Liga. Während einige Klubs den Sprung in die Bundesliga geschafft haben, sind andere Vereine vom Radar der breiten Öffentlichkeit verschwunden. liga3-online.de holt diese Klubs nun wieder hervor. Heute: Der VfB Lübeck, der zwei Jahre der 3. Liga angehörte und auf Rang 57 der Ewigen Tabelle liegt.

Zwei namhaften Ex-Profis an der Spitze

Beim Trainingsauftakt der Lübecker vor wenigen Wochen schworen auch die beiden neuen Sportvorstände – Hanno Behrens und Romain Brégerie – das Team für die Saison 2026/2027 ein. Behrens und Brégerie bringen gemeinsam die Erfahrung aus 500 Spielen in den ersten drei deutschen Profiligen mit nach Lübeck, in der 3. Liga lief Behrens 67 Mal für den SV Darmstadt 98 auf.

Mit der im Februar 2026 initiierten Kampagne "Anstoß Zukunft – Vision 2030" wurde die neue Ausrichtung des Klubs präsentiert. Das Ziel ist die "Rückkehr in die und die nachhaltige Etablierung im oberen Bereich der 3. Liga" – hierbei setzt der VfB Lübeck auf das prominente Duo. "Mit dieser hauptamtlichen Aufstellung an der Spitze gibt der VfB der Vision 2030 ein sportliches Gesicht", gab der VfB bekannt.

Durch den Drittliga-Abstieg im Jahr 2024 musste man in Lübeck den Gürtel enger schnallen und den Etat von vier auf 1,1 Millionen Euro reduzieren. Zwischenzeitlich drohte gar die Insolvenz, die durch Spenden der Fans gerade noch abgewendet werden konnte. Übrigens: In der 3. Liga waren die Lübecker zuvor im Februar 2024 beim 2:7 bei Dynamo Dresden an einem der torreichsten Spiele der Geschichte der 3. Liga beteiligt.

Ohne Rekordmann Boland in die Regionalliga

Lübecks Drittliga-Rekordspieler Mirko Boland (66 Einsätze) gilt an der Lohmühle immer noch als Fan-Liebling. Doch nach dem bitteren Abstieg ging es für den Profi, den der VfB 2020 aus Adelaide in Australien nach Deutschland zurückgeholt hatte, in Lübeck nicht mehr weiter. Mit jetzt 39 Jahren spielt Boland aber immer noch – für den Ligakonkurrenten SV Todesfelde. Der für den VfB in der 3. Liga am dritthäufigsten eingesetzte Spieler – Marvin Thiel mit 50 Drittliga-Partien – führt das Team nun als Kapitän.

Keine leichte Aufgabe. Im Sommer 2026 steht der nächste Umbruch an, elf Spieler verließen den Verein. Neuzugänge wie Tom Kankowski (Blau-Weiß Lohne/Oberliga Niedersachsen) und Jonas Dittrich (FSV Zwickau/Regionalliga Nordost) sollen für frischen Wind sorgen. Der gebürtige Norderstedter Kankowski bringt die Erfahrung von 89 Regionalliga-Einsätzen mit, Jonas Dittrich war in der Spielzeit 2025/26 25 Mal für den Ex-Drittligisten aus Zwickau im Einsatz. Ein weiterer neuer Spieler im VfB-Kader: Angreifer Selim Ajkic, der im Trikot des TSV Sasel in 34 Spielen in der Oberliga Hamburg 37 Mal einnetzte und damit in der zurückliegenden Saison zweitbester Schütze der Liga war.

Capretti muss nach zwei Jahren gehen

Nach dem Abstieg aus der 3. Liga hatte sich der VfB Lübeck in der Regionalliga Nord unter der Regie von Trainer Guerino Capretti zwar stabilisiert, sich aber im zweiten Jahr mit Platz elf nicht weiterentwickeln können. Die Folge: Der Vertrag mit dem langjährigen Drittliga-Trainer, der sowohl für den SC Verl als auch für Dynamo Dresden und den FC Ingolstadt tätig war, wurde aufgelöst. In der kommenden Spielzeit wird Capretti den 1. FC Bocholt in der Regionalliga West betreuen.

Das Kommando in Lübeck hat zum 1. Juli Kevin Rodewald übernommen, der zuvor unter anderem im Nachwuchsbereich von Hansa Rostock tätig war. Der 35 Jahre alte Schwabe steht als neuer Coach des VfB Lübeck in einer Reihe mit einigen berühmten Vorgängern. Seit 2001 waren unter anderem Stefan Böger, Uwe Erkenbrecher, Bernd Hollerbach und Dieter Hecking für den Klub aus der Hansestadt tätig.

Unvergessene Fights im DFB-Pokal

Unter Heckings Regie schaffte es der VfB Lübeck, der insgesamt vier Jahre in der 2. Bundesliga spielte, in der Saison 2003/2004 bis ins Halbfinale des DFB-Pokals. Denkbar knapp folgte mit einem 2:3 beim Nordrivalen Werder Bremen das Aus im Wettbewerb. Kurios: In der Lübecker Startelf stand damals auch der jetzige Bremen-Coach Daniel Thioune, neben weiteren namhaften Spielern wie Martin Groth, Reiner Plaßhenrich und Ferydoon Zandi.

Pokalspiele im stimmungsvollen Stadion an der Lohmühle – 2025/2026 bedeuteten 16.891 Fans den drittbesten Zuschauerschnitt in der Regionalliga Nord – haben bis heute ihre eigene Faszination. Borussia Dortmund gewann 2004/2005 nur knapp in Lübeck (1:0), der FC St. Pauli kam 2019 sogar erst im Elfmeterschießen weiter (7:6). Der VfB Stuttgart setzte sich 2009 nach Verlängerung durch (3:1). Und auch in der Saison 2025/26 hielt Lübeck das Erstrundenspiel lange offen. Gegen den Zweitligisten SV Darmstadt 98 musste  sich der VfB 1:2 geschlagen geben.

Für den DFB-Pokal 2026/27 konnte man sich nicht qualifizieren – dafür aber Stadtrivale 1. FC Phönix Lübeck, der in der ersten Hauptrunde Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn 07 empfängt. Und zwar in der Lohmühle des VfB. Aufgrund der infrastrukturellen Herausforderungen, die das Pokal-Highlight mit sich bringt, unterstützt der VfB den 1. FC Phönix Lübeck und stellt das Stadion für das Match zur Verfügung. Durchaus eine besondere Nachbarschaftshilfe, nachdem beide Klubs in der Vergangenheit nicht unbedingt das beste Verhältnis hatten.

   

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