Trotz Uneinigkeit bei RL-Reform: Alte Struktur "krachend gescheitert"

Bei einer bundesweiten Abstimmung zur Regionalliga-Reform konnten sich die Vereine der fünf Regionalliga-Träger aus der 3. Liga sowie der Regional- und Oberliga nicht auf ein gemeinsames Modell für die künftige Aufstiegsregelung zur 3. Liga verständigen. Die Reform ist vorerst gescheitert. Aber Sprecher Tommy Haeder vom Klub-Bündnis "Aufstiegsreform" und Sportwissenschaftler Prof. Harald Lange gehen in der "Bild" in die Offensive, denn das alte Regionalliga-Modell wurde trotz aller Meinungsverschiedenheiten praktisch abgewählt.

"Keine Berechtigung mehr zum Fortbestand"

Im Westen, Norden und Osten setzte sich das Kompassmodell mit 20 Teams durch, im Südwesten das Regionenmodell. In der Bayern-Staffel wurde mehrheitlich dafür gestimmt, dass ein neuer Lösungsansatz für eine Regionalliga-Reform verfolgt werden soll. Damit ist klar, dass kein gemeinsames Modell für die künftige Aufstiegsregelung zur 3. Liga gefunden wurde. Aber gleichzeitig zeigt das Abstimmungsverhalten auch eindeutig, dass die bisherige Regionalliga-Struktur am Ende ist: Bundesweit stimmten die Vereine zu 95,6 Prozent grundsätzlich FÜR eine Veränderung. Das bedeutet, dass gerade einmal 4,4 Prozent aller Vereine alles beim Alten belassen möchte.

Jetzt stellt sich die Frage, wer für eine neue Struktur zurückstecken muss. Denn aufgrund von Uneinigkeiten wird es Verlierer geben. "Das alte Regionalliga-System ist krachend abgewählt und hat keine Berechtigung mehr zum Fortbestand", legt sich Tommy Haeder vom Klub-Bündnis "Aufstiegsreform" in der "Bild"-Zeitung fest. Und der Sprecher wird deutlich: "Wir wollen das Kompassmodell zeitnah in ein Entscheidungsgremium bekommen, das ist doch klar. Wir haben drei Regionen plus die DFL hinter uns. Dementsprechend sind das vier von sechs stimmberechtigten Parteien. Wenn der DFB bei diesen Verhältnissen nicht handelt, weiß ich auch nicht mehr."

"War vor allem ein übles Machtspiel"

Die Versuche, das Abstimmungsverhalten durch kurzfristige Veränderungen durch die Verbände zu beeinflussen, beschreibt Haeder als "dubios und hinterlistig". Auch der Umstand, dass der Prozess der DFB-Arbeitsgruppe durch die Regionalliga-Träger für beendet erklärt wurde, sah der Reformer als Farce. "Erstens wurde die Arbeitsgruppe durch die Präsidentenkonferenz im DFB eingesetzt und nicht durch die Regionalliga-Träger. Dadurch dürfen sie das aus meiner Sicht gar nicht", zählt Header auf. "Zweitens steht jedem Verband und der DFL das Antragsrecht für die Entscheidungsorgane ohne Absprachen untereinander zu. Die Regionalverbandspräsidenten sollten sich langsam mal an die Regeln halten und die Interessen der Vereine in den Vordergrund rücken."

Sportwissenschaftler und Fanforscher Prof. Harald Lange legte ebenfalls den Finger in die Wunde. Dem Abstimmungsergebnis von Montag steht der 57-Jährige gelassen gegenüber. "Die Abstimmung war erstens der Versuch eines einigermaßen demokratischen Prozesses, um die Solidarität der Regionen untereinander zu testen. Zweitens war er aber vor allem ein übles Machtspiel, das die Regionalverbandsbosse mit der DFB- und DFL-Spitze austragen. Aus diesem Grund liefen hier wieder Hinterzimmer-Spiele ab", verdeutlichte Lange seine Meinung. Und trotzdem stünde nun fest: "Es besteht erstmals ein ausgeprägter Veränderungswille und eine ausgeprägte Basis für das Kompassmodell."

"Wollen wir einen fairen Fußball für alle?"

Wie geht es jetzt weiter? Ein Verband, beispielsweise der NOFV, könnte einen Antrag beim DFB-Vorstand einreichen und auf die Zustimmung von DFL sowie dem Westen und Norden hoffen. Der Südwesten und Bayern hätten das Nachsehen. "Man kann auch mal denen auf die Füße treten, die bisher immer vom System profitiert haben, während andere wie der Nordosten besonders litten", legt sich Lange fest. "Die Frage ist: Wollen wir einen fairen Fußball für alle?" Der Sportwissenschaftler fordert namhafte DFB- oder DFL-Funktionäre zur klaren Ansage auf, ihren Standpunkt deutlich zu machen. Auch, wenn das nicht angenehm wird. "Sie werden öffentlichen Rückhalt haben, aber Angriffe aus den eigenen Reihen aushalten müssen. Daran führt aber eigentlich kein Weg mehr vorbei, weil der Fan das sonst nicht mehr versteht", so Lange. Die Regionalliga-Reform, sie bleibt ein Thema.

   

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