Fragen und Antworten zum Zwangsabstieg des TSV 1860
Viele hatten es nicht für möglich gehalten, doch es ist tatsächlich passiert: Der TSV 1860 München muss zum zweiten Mal nach 2017 den Zwangsabstieg in die Regionalliga hinnehmen. Woran ist die Rettung gescheitert? Droht den Löwen jetzt die Insolvenz? Wie geht es sportlich weiter? Und wer bleibt anstelle des TSV in der 3. Liga? liga3-online.de beantwortet die wichtigsten Fragen.
Warum die Rettung gescheitert ist
Woran ist die Rettung gescheitert?
Der Verein sieht die Hauptverantwortung für das Scheitern der Rettung bei Investor Hasan Ismaik und den mit ihm verbundenen Unternehmen. Dabei geht es um eine nicht eingehaltene Finanzierungszusage des Jordaniers. Nach Angaben des Klubs seien bestehende Darlehen am 21. Mai – und damit nur 13 Tage vor Ablauf der Frist zur Erbringung des Liquiditätsnachweises für die Drittliga-Lizenz – überraschend gekündigt und gleichzeitig mit einem umfangreichen Forderungskatalog verknüpft worden. Diese verstießen jedoch gegen die 50+1-Regelung.
Die Vereinsseite hält die Kündigungen für unwirksam und beruft sich dabei auf die Einschätzung von drei unabhängigen Anwaltskanzleien. Entsprechende rechtliche Schritte seien bereits in Vorbereitung. Zudem verweist der Klub darauf, dass Vertreter Ismaiks noch im Februar schriftlich zugesichert hätten, die finanziellen Verpflichtungen erfüllen zu wollen. Gleichzeitig betont der Verein, in den vergangenen Monaten gemeinsam mit beiden Gesellschaftern ein umfassendes Spar- und Reformprogramm auf den Weg gebracht zu haben. Durch zahlreiche Einsparungen sowie eine Verbesserung der Erlössituation sei das ursprünglich erwartete Defizit für die Saison 2026/27 deutlich reduziert worden.
Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" scheiterte die Rettung des Klubs letztlich an den Bedingungen der Investorenseite um Hasan Ismaik. Demnach hatte der e.V. einer Vertragsversion bereits zugestimmt und dabei Ismaiks Forderungen akzeptiert, soweit diese verbandsrechtlich im Hinblick auf die 50+1-Regelung zulässig seien. Diesen Vorbehalt wollte die Investorenseite jedoch nicht akzeptieren und forderte stattdessen eine uneingeschränkte Zustimmung aller Beteiligten.
Die KGaA soll anschließend darauf verwiesen haben, dass die Vereinbarung bereits von den Vereinsgremien und dem Aufsichtsrat gebilligt worden sei und forderte die Gegenzeichnung sowie die rechtzeitige Bereitstellung der Gelder. Nach Angaben der Zeitung machte die KGaA zudem die von Ismaiks Firmen ausgesprochene Kündigung von Darlehensverträgen für die finanzielle Schieflage verantwortlich. Wenige Stunden später teilte die Investorenseite schließlich mit, dass kein Deal zustande kommen werde. Zudem soll die Investorenseite zwischenzeitlich vorgeschlagen haben, die Ticket- und Dauerkarteneinnahmen der kommenden zwei Jahre an einen Dritten zu verpfänden. Nach Einschätzung der Vereinsseite wäre dies jedoch keine nachhaltige Lösung gewesen.
Wie äußern sich die Verantwortlichen des Vereins?
Geschäftsführer Manfred Paula zeigte sich enttäuscht über die Entwicklung. "Ich bedauere die Nichteinhaltung der Finanzierungszusage durch den Gesellschafter HAM International. Bis zuletzt habe er darauf vertraut, dass noch eine Lösung für die Profifußball-Gesellschaft gefunden werde. "Dieser Wunsch hat sich leider nicht erfüllt." Präsident Gernot Mang sprach von einer "besonders enttäuschenden Entwicklung, da sowohl die Geschäftsführung als auch die Vertreter des Muttervereins auf die Einhaltung der getroffenen Zusage vertraut haben." Die Vereinsvertreter hätten sich Mang zufolge "immer kompromissbereit gezeigt", sich aber nicht über "satzungs- und verbandsrechtliche Vorgaben hinwegsetzen" können.
Gab es alternative Finanzierungsmöglichkeiten?
Nach Angaben des Vereins wurden zudem verschiedene alternative Finanzierungsmöglichkeiten geprüft. Eine grundsätzlich realisierbare Lösung sei jedoch an fehlenden Sicherheiten gescheitert. Da für die Umsetzung die Zustimmung aller Gesellschafter erforderlich gewesen wäre und eine entsprechende Einigung mit der Investorenseite nicht erzielt werden konnte, habe diese Finanzierungsoption letztlich nicht umgesetzt werden können.
Nur acht Spieler noch unter Vertrag
Droht der KGaA durch den Zwangsabstieg die Insolvenz?
Trotz der schwierigen Lage soll der Geschäftsbetrieb zunächst geordnet fortgeführt werden. Nach Angaben des Vereins arbeitet die Geschäftsführung dabei eng mit Experten aus dem Insolvenzrecht zusammen und prüft verschiedene Szenarien für die Zukunft. Ziel sei es, gemeinsam mit Sponsoren und Partnern eine tragfähige Perspektive für den Klub zu entwickeln, den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten und möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern. Laut der "Bild" benötigt die KGaA jedoch rund eine Million Euro, um zahlungsfähig zu bleiben. Eine Insolvenz erscheint jedoch unwahrscheinlich, da Ismaik die Zahlungsunfähigkeit jederzeit mit frischem Geld verhindern könnte. Denn andernfalls wären seine Anteile endgültig wertlos.
Was passiert mit den bereits gekauften Dauerkarten für die kommende Saison?
Der Verein kündigte an, an einer Lösung für die bereits verkauften Dauerkarten zu arbeiten. Ziel sei es, eine angemessene Kompensation für die betroffenen Fans zu finden. Konkrete Details sollen zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben werden.
Wie geht es sportlich bei den Löwen weiter?
Laut der "Bild" besitzen lediglich acht Spieler einen Vertrag für die Regionalliga. Es kündigt sich damit ein großer Umbruch an. Ob Markus Kauczinski den Weg in die Regionalliga begleiten wird, ist noch offen. Vermutlich werden viele Spieler aus der U21, die in der fünftklassigen Bayernliga Meister wurde, zu den Profis aufrücken.
Haben die Löwen überhaupt eine Lizenz für die Regionalliga beantragt?
Ja. Wie der BFV mitteilte, hat 1860 im April das reguläre Zulassungsverfahren für die Teilnahme an der Regionalliga Bayern in der Saison 2026/27 erfolgreich durchlaufen und einen positiven Bescheid erhalten. "Sollte dem TSV 1860 München vonseiten des DFB tatsächlich die Lizenz für die 3. Liga verweigert werden, könnte der Verein in der kommenden Spielzeit in der Regionalliga Bayern spielen", teilte der Verband mit. Entsprechend würde die Bayern-Staffeln in der kommenden Saison mit 19 statt 18 Vereinen an den Start gehen. Großartig umgeplant werden muss deshalb aber nicht weil, weil der BFV ohnehin einen Rahmenterminkalender für 19 Mannschaften ausgearbeitet hat. Schließlich stand bis Montagabend nicht fest, ob die Würzburger Kickers in die 3. Liga aufsteigen würden.
Wie haben die Fans reagiert?
Nachdem Präsident Gernot Mang den am Trainingsgelände wartenden Anhängern die traurige Nachricht überbracht hatten, stimmten diese das sogenannte "Scheich-Lied" an. Viele Fans hatten den Absturz in die Regionalliga bereits befürchtet und reagierten entsprechend gefasst. Von einer "Euphorie", wie es beim Zwangsabstieg 2017 der Fall war, als die Löwen die ungeliebte Allianz-Arena verließen und ins Grünwalder Stadion zurückkehrten, kann aber keine Rede sein. Das wäre nur dann der Fall gewesen, wenn Ismaik als Investor ausgestiegen wäre. Doch das deutet sich nicht an.
Wer verbleibt anstelle von 1860 München in der 3. Liga?
Anstelle der Löwen wird aller Voraussicht nach der TSV Havelse als erster Absteiger in der 3. Liga verbleiben. Zwar stand zuletzt im Raum, dass die Niedersachsen aufgrund von Stadionproblemen und zu hoher Kosten freiwillig auf den Klassenerhalt am Grünen Tisch verzichten, sodass Erzgebirge Aue in der 3. Liga verblieben werden. Doch nach Informationen von liga3-online.de denkt der TSV nicht über einen freiwilligen Verzicht nach.
Die bereits abgebauten Stahlrohrtribünen im Eilenriedestadion sollen wieder aufgebaut werden, sodass die Stadionfrage gelöst wäre. Auch die Kostenfrage für den Spielbetrieb ist kein Thema. Voraussetzung für den Ligaverbleib durch die Hintertür ist natürlich, dass die Niedersachsen ihrerseits die Zulassung erhalten. Der DFB hat sich bislang noch nicht geäußert. Die endgültige Entscheidung wird vermutlich erst in der kommenden Woche fallen.