Finanzlücke nicht geschlossen! 1860 steigt in die Regionalliga ab

Paukenschlag beim TSV 1860 München! Die Löwen haben die Finanzlücke von 2,7 Millionen Euro nicht fristgerecht bis zum heutigen Mittwoch um 17 Uhr geschlossen, werden somit keine Zulassung für die kommende Drittliga-Saison erhalten und steigen damit zwangsweise in die Regionalliga ab. Anstelle der TSV wird aller Voraussicht nach der TSV Havelse als erster Absteiger in der 3. Liga bleiben.

"Nicht erfüllte Finanzierungszusage" von Ismaik

Stundenlang hatten zahlreiche Fans am Mittwochnachmittag teilweise im strömenden Regen am Trainingsgelände an der Grünwalder Straße ausgeharrt, ehe Präsident Gernot Mang um 17:50 Uhr vor die Anhänger trat und die traurige Nachricht verkündete. "Wir haben die Lizenz nicht und werden nächstes Jahr in der Regionalliga spielen." Zeitgleich gaben die Löwen per Pressemitteilung bekannt: "Die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA wird aufgrund eines nicht fristgerecht erbrachten Liquiditätsnachweises die erforderliche Zulassung für die 3. Liga durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) nicht erhalten."

Als Grund nennt die KGaA eine aus ihrer Sicht nicht eingehaltene Finanzierungszusage von Investor Hasan Ismaik beziehungsweise dessen Unternehmen HAM. Entstanden war die Finanzlücke von 2,7 Millionen Euro durch den von Ismaik am 21. Mai überraschend gekündeten Darlehensvertrag. Das Defizit war bereits im vergangenen Jahr bekannt gewesen und damals sowohl von Ismaik als auch dem e.V. mitgetragen worden. In den vergangenen Spielzeiten hatte Ismaik finanzielle Fehlbeträge regelmäßig ausgeglichen.

"Ich bedauere die Nichteinhaltung der Finanzierungszusage durch den Gesellschafter HAM International", sagt Geschäftsführer Manfred Paula. Bis zuletzt habe er darauf vertraut, dass noch eine Lösung für die Profifußball-Gesellschaft gefunden werde. "Dieser Wunsch hat sich leider nicht erfüllt." Zum Schluss lagen offenbar zwei Verträge vor. Einer soll für den e.V., der andere für die Investorenseite akzeptabel gewesen sein. Die KGaA konnte sich dem Vernehmen nach mit beiden Verträgen anfreunden, dennoch kam es nicht zu einer Einigung. Nun soll der Blick nach vorne gerichtet werden: "Wir werden nun all unsere Energie darauf verwenden, einen schlagkräftigen Kader für die kommende Saison in der Regionalliga Bayern aufzustellen."

Zweiter Zwangsabstieg seit 2017

Präsident Gernot Mang spricht derweil von einer "besonders enttäuschenden Entwicklung, da sowohl die Geschäftsführung als auch die Vertreter des Muttervereins auf die Einhaltung der getroffenen Zusage vertraut haben." Die Vereinsvertreter hätten sich Mang zufolge "immer kompromissbereit gezeigt", sich aber nicht über "satzungs- und verbandsrechtliche Vorgaben hinwegsetzen" können. Wie zuletzt bekanntgeworden war, hatte Ismaik weitere finanzielle Unterstützung an Bedingungen geknüpft, die jedoch gegen die 50+1-Regelung verstießen.

Die Löwen wollen nun "eng mit erfahrenen Sachverständigen und Beratern aus den Bereichen Insolvenzrecht" zusammenarbeiten, wie es heißt. "Ziel ist es, den Geschäftsbetrieb unter Wahrung der Rechte und Interessen der Gesellschaft geordnet aufrechtzuerhalten und gemeinsam mit unseren Sponsoringpartnern eine tragfähige Perspektive für die Zukunft zu entwickeln."

Für den TSV 1860 ist es nach 2017 bereits der zweite Zwangsabstieg in die Regionalliga. Auch damals hatte Ismaik eine Zahlung – es ging um elf Millionen Euro – wegen nicht erfüllter Bedingungen verweigert, sodass es für 1860 von der 2. Liga direkt in die Viertklassigkeit ging. Danach gelang der direkte Wiederaufstieg, seitdem hingen die Löwen in der 3. Liga fest. Statt diese aber wie erhofft nach oben verlassen zu können, geht es nun wieder eine Etage nach unten.

Ismaik: "Es schmerzt mich sehr"

Ismaik zeigt sich in einer ersten Stellungnahme tief enttäuscht: "Es schmerzt mich sehr", erklärt der Investor und bezeichnete den Ausgang der Verhandlungen als Rückschlag. Zugleich zeigt er sich überzeugt, dass der TSV 1860 München "eines Tages an den Platz zurückkehren wird, den er verdient". Die Ursachen für die Entwicklung sieht Ismaik vor allem in den seit Jahren bestehenden finanziellen Problemen des Klubs. Es gebe "wiederkehrende finanzielle Defizite", weil die Ausgaben die tatsächlichen Möglichkeiten des Vereins überstiegen hätten. Neue finanzielle Mittel habe seine Seite daher an strukturelle Reformen wie mehr Transparenz, klarere Verantwortlichkeiten und eine stärkere Kontrolle geknüpft.

Nach Angaben des Jordaniers habe die Investorenseite in den vergangenen Wochen mehrere Lösungsvorschläge vorgelegt und sei dabei auch auf den Verein zugegangen. "Ich persönlich habe zusätzliche Zugeständnisse gemacht und weitere Sicherheiten angeboten", so Ismaik. Zeitweise habe es sogar so ausgesehen, als stehe eine Einigung kurz bevor: "Bis spät in die Nacht hinein schien es, als stünden wir kurz vor einer Einigung." Letztlich sei es jedoch nicht gelungen, "den notwendigen Konsens zwischen allen beteiligten Parteien zu erreichen". Ismaik appelliert an die Verantwortlichen des Vereins. Mehr denn je brauche der TSV nun "eine klare Vision, verantwortungsvolle Führung und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit", um wieder eine stabile Zukunft aufzubauen.

Havelse bleibt wohl in der 3. Liga

Anstelle der Löwen wird aller Voraussicht nach der TSV Havelse als erster Absteiger in der 3. Liga verbleiben. Zwar stand zuletzt im Raum, dass die Niedersachsen aufgrund von Stadionproblemen und zu hoher Kosten freiwillig auf den Klassenerhalt am Grünen Tisch verzichten, sodass Erzgebirge Aue in der 3. Liga verblieben werden. Doch nach Informationen von liga3-online.de denkt der TSV nicht über einen freiwilligen Verzicht nach.

Die bereits abgebauten Stahlrohrtribünen im Eilenriedestadion sollen wieder aufgebaut werden, sodass die Stadionfrage gelöst wäre. Auch die Kostenfrage für den Spielbetrieb ist kein Thema. Voraussetzung für den Ligaverbleib durch die Hintertür ist natürlich, dass die Niedersachsen ihrerseits die Zulassung erhalten. Der DFB hat sich bislang noch nicht geäußert. Die endgültige Entscheidung wird vermutlich erst in der kommenden Woche fallen.

 

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels wurde berichtet, dass noch offen sei, ob der TSV Havelse oder Erzgebirge Aue in der 3. Liga verbleibt. Aufgrund neuer Erkenntnisse wurde diese Passage inzwischen angepasst.

   

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