"Unglaublich, was hier los ist": RWE stößt Tür zur 2. Liga auf
Mit dem Sieg im Hinspiel der Relegation ist Rot-Weiss Essen der 2. Bundesliga ein Stück nähergekommen, was für großen Jubel an der Hafenstraße sorgte. Gleichzeitig wussten die Beteiligten den Erfolg einzuordnen – auch mit Blick auf das Rückspiel.
Müsel mit dem Schuss ins Glück
Er musste erstmal kräftig durchatmen, Torben Müsel, als er unmittelbar nach Spielende zum "Sky"-Interview kam. "Ich habe immer noch einen Puls von 180, denn ich habe wirklich alles reingeworfen, bin kaputt und muss mal für 20 Minuten die Eistonne." Alles reingeworfen hatte Müsel vor allem in der 62. Minute, als er einen Freistoß traumhaft zum Siegtreffer in die Maschen jagte. "Ich habe mir die Kugel direkt geschnappt und gedacht: 'Komm, der Torwart ist jetzt nicht der Größte.' Wenn ich den Ball über die Mauer haue, muss er schon perfekt kommen, weil die schon große Spieler in der Mauer haben. So ist er mit ein bisschen mehr Gewalt ins rechte Eck eingeschlagen. Das sah, glaube ich, ganz gut aus", gab sich der 26-Jährige ganz bescheiden.
Es sei sein schönsten Tor in dieser Saison gewesen. "So viele direkte Freistoßtore habe ich in meiner Karriere noch nicht geschossen, das gehört auf jeden Fall ganz oben mit bei." Ins Schwärmen geriet der Mittelfeldspieler dann, als er auf die Atmosphäre im Stadion zu sprechen kam: "Unglaublich, was gerade hier los ist. Schon beim Aufwärmen haben wir eine Gänsehaut bekommen. Daher vielen Dank an jeden Einzelnen, der da war und uns gepusht hat. Das wollten wir den Fans einfach zurückgeben." Mit Erfolg.
"Gezeigt, dass wir wettbewerbsfähig sind"
Bei Trainer Uwe Koschinat war die Freude über den Sieg ebenfalls groß, zumal er die Partie als Bestätigung dafür sah, "dass wir in dieser Relegation wettbewerbsfähig sind". Zwar hatte RWE bei einem Lattentreffer der Fürther auch Glück, hätte seinerseits in der Schlussphase aber auf 2:0 erhöhen können, als Abiama frei vor dem Tor war. "Aber ich denke, wir müssen die Kirche im Dorf lassen und zufrieden sein mit dem Sieg", meinte der 60-Jährige. Mit der Leistung seiner Mannschaft war der RWE-Coach ebenfalls zufrieden, habe es diese doch geschafft, "die Fans hinter uns zu bringen". Das sei gerade in einem Heimspiel "wahnsinnig wichtig", so Koschinat. "Die Leute haben gemerkt, egal was passiert, Rot-Weiss Essen lässt heute das Herz auf dem Platz."
Mit derselben Leidenschaft soll am Dienstag das Rückspiel in Fürth bestritten werden. Nach dem Sieg im Hinspiel würde RWE bereits ein Unentschieden für den Aufstieg reichen, allerdings rechnet Koschinat mit Gastgebern, die deutlich offensiver zu Werke gehen werden. "Da müssen wir von der ersten Sekunde an sehr wehrhaft sein." Unterstützt wird RWE von über 2.000 Fans. "Wir brauchen jede Unterstützung, denn wir haben gesehen, dass mit Ball nicht alles Gold war, was glänzt", meinte Müsel. "Aber wir haben alles reingeworfen und gezeigt, dass wir Widerstand leisten können." Daran soll am Dienstag angeknüpft werden, um nach 19 Jahren in die 2. Liga zurückzukehren.