"Natürlich eine Baustelle": FCS vor Umbruch im Sommer
Seit sechs Jahren spielt der 1. FC Saarbrücken mit ambitionierten Zielen in der 3. Liga. Doch in dieser Saison gelang erst am 36. Spieltag der Klassenerhalt. Im Gespräch mit "saarnews" sprach Sportvorstand Markus Thiele über den kommenden Kaderumbruch im Sommer, die Entwicklungspotentiale im Verein und die mittel- und langfristigen Ziele des FCS. Der Aufstieg in die 2. Bundesliga bleibt ein Thema.
"Konnten noch keine Gespräche führen"
Im Februar übernahm Markus Thiele den 1. FC Saarbrücken als Sportvorstand und installierte Argirios Giannikis als Cheftrainer, mit dem die Saarländer am vergangenen Samstag den Klassenerhalt schafften. Im Sommer wird mit Manuel Zeitz zusätzlich noch eine echte Vereinsikone als Chefscout installiert. Die Weichen für eine erfolgreichere Zukunft werden gestellt – und die Zulassung für die 3. Liga ist schon einmal in trockenen Tüchern, wie Thiele bestätigte. Jetzt geht es an die Kaderplanung. "Das wird mit Sicherheit keine einfache Aufgabe, weil noch nicht klar war, in welcher Liga wir spielen. Deswegen konnten wir noch keine Gespräche führen, und natürlich ist es auch eine Baustelle, dass wir 20 auslaufende Verträge haben, die es nicht einfacher machen", so der Sportvorstand. Einer der Spieler ohne Arbeitspapier über die Saison hinaus ist Maurice Multhaup, der laut der "Bild" aber gehalten werden soll.
Im Hintergrund wurde bereits bei Spielern und Beratern vorgefühlt, mit Zeitz' Stimme bekommen die FCS-Verantwortlichen ein zusätzliches Feedback aus der Kabine. Ab sofort kann es in die Details gehen. Doch wofür möchte Saarbrücken künftig stehen? "Es soll eine Mischung daraus werden, dass wir Fußball spielen, aber auch eine gewisse Intensität und Aktivität zeigen. Sobald man hier auf den Rängen im Ludwigspark merkt, dass man kämpft, dass man bereit ist, dann kann man hier eine sehr tolle Atmosphäre erreichen", nahm sich Thiele vor. Ob es sich dabei um jüngere oder ältere Spieler handelt, ob Leihen oder feste Verpflichtungen, das kam beim 44-Jährigen ganz auf den Einzelfall an. Klar sei aber auch, so Thiele, dass der FCS wirtschaften muss – und zwar in Sachen Transfererlöse.
"Transfererlöse immer wichtiger"
"Es geht auch darum, Entwicklungspotentiale mit hinein zu bekommen", führte der Sportvorstand weiter aus. "Es geht darum, Spieler mit aufzubauen, die den nächsten Schritt gehen können, die gemeinsam mit dem Verein zusammen wachsen, und dann auch irgendwann mal Transfererlöse generieren." Wovon Thiele sprach, wusste er genau, schließlich hatte der 44-Jährige zuletzt in Ulm schon Millionentransfers getätigt. Die Einnahmesituation in Saarbrücken war in den letzten Jahren hingegen überschaubar – auf gerade einmal drei Spieler verteilte sich eine Summe von rund 870.000 Euro.
"Das muss für die Zukunft ein Baustein sein. Für einen Verein in unserer Größenordnung ist das eine Einnahmequelle, die immer wichtiger wird, wenn man sieht, wie die Transfererlöse in der 3. Liga mittlerweile nach oben gehen", fand Thiele. Um den 1. FC Saarbrücken in Zukunft wirtschaftlich stabil und gesund zu halten, sei das zwingend ein Entwicklungsschritt, den der Verein unter dem neuen Sportvorstand gehen soll. Was aber nicht heißen darf, dass die Identifikation der Spieler mit dem FCS sinken soll – das war auch Thiele bewusst: "Wir wollen Spieler haben, die sich mit dem Verein entwickeln, die den Weg mitbegleiten können. Und wenn sich dann ein Spieler mal schneller als der Verein entwickelt, dann muss es aus meiner Sicht auch legitim sein, dass man eine gemeinsame Lösung findet."
"Anspruch und Realität zusammenbringen"
Auf Zahlen und Daten wird der Sportvorstand gemeinsam mit seinen Kollegen zurückgreifen, doch letzten Endes versprach Thiele auch viel Bauchgefühl. Gerade im Scoutingbereich, der mit Zeitz angekurbelt werden soll. "Wir brauchen eine vernünftige Mischung aus Daten wie einem Video und Live-Eindrücken aus dem Stadion. Oder durch persönliche Gespräche, denn wir haben es hier mit Menschen zu tun und die müssen sich auch in der Kabine verstehen", so der 44-Jährige. Und wohin das mittel- bis langfristig führen soll, ist bekannt: Die 2. Bundesliga ist und bleibt das Ziel der Saarländer, wenngleich Thiele nach der abgelaufenen Saison das nötige Maß an Demut einbringen will.
"Wir sind jetzt dem Abstiegsgespenst ausgewichen", erinnerte der Sportvorstand. "Klar sehen wir auch, dass wir mit dem FCS in den nächsten Jahren hoch wollen. Aber jetzt den Schalter umzulegen und zu sagen, dass wir nächste Saison automatisch wieder vorne mitspielen, wird auch den anderen Vereinen in der Liga nicht gerecht, die auch gute Arbeit leisten." Ambitioniert, aber nicht überzogen – so wollen die Saarländer ihre Ziele angehen. "Man kann den Sprung in die 2. Bundesliga schaffen und sich etablieren, aber das Ganze muss sich entwickeln. Nicht nur der Kader, sondern auch die Infrastruktur muss auf ein Level gebracht werden. Da müssen wir noch einiges angehen, um Anspruch und Realität zusammen zu bringen." Und dafür, so Thiele, wird es zwangsläufig Zeit brauchen.