"Nicht drittligatauglich": In Aue gehen die Lichter endgültig aus

Das war es dann wohl endgültig für den FC Erzgebirge Aue. Nicht nur aufgrund der Tatsache, dass die Veilchen beim 3:5 gegen Hoffenheim II die siebte Niederlage in Folge kassierten, auch in Bezug auf die Art und Weise, wie diese angesichts von vier Gegentoren in den ersten 29 Minuten zustande kam. Die Reaktionen der Beteiligten waren in ihrer Deutlichkeit kaum zu übertreffen.

"Peinlicher" Auftritt

Marcel Bär hat in seiner Karriere schon einiges mitgemacht. Doch in nicht mal einer halben Stunde vier Gegentore hinnehmen zu müssen, "habe ich noch nie erlebt", sagte der Stürmer bei "MagentaSport" und bezeichnete den Auftritt seines Teams als "peinlich". Bereits nach acht Minuten stand es 0:2, nach einer Viertelstunde dann 0:3. Die Fans reagierten bei den Gegentoren zum 0:3 und 0:4 bereits mit hämischem Applaus, was auch die Mannschaft auf dem Platz vernommen hatte: "Das schmerzt extrem", gestand Bär ein, konnte den Frust der Zuschauer aber nachvollziehen: "Ich stehe gefühlt Woche für Woche hier und erzähle den gleichen Scheiß. Mir fehlen die Worte. Wir kriegen nur auf die Fresse, und das auch zu Recht."

Denn bei derartigen Patzern in der Defensive – beim 0:2 reichte ein langer Abschlag, um die komplette Hintermannschaft auszuhebeln – "hat man es einfach nicht verdient, zu gewinnen. Gerade in dieser Liga", fand Bär deutliche Worte. Dass Aue ab der 18 Minute zudem in Unterzahl war, nachdem Collins die rote Karte gesehen hatte, machte die Aufgabe zwar nicht leichter. Dennoch waren die Auflösungserscheinungen deutlich sichtbar, zeitweise war es ein Klassenunterschied.

Umso bemerkenswerter, dass die Veilchen dennoch über Bär (40. / 55.) und Bornschein (85.) noch zu drei Toren kamen. "Das hat gezeigt, dass Hoffenheim hinten nicht stabil ist. Doch wir konnten das leider nicht ausnutzen, weil wir hinten noch schlechter waren", so Bär, der von einer "fatalen Situation" sprach. Mit dem 0:4 zur Pause war Aue sogar noch gut bedient. "Wir haben es in den Wochen davor immer wieder angesprochen, dass wir auch mal versuchen müssen, hinten dicht zu halten. Aber wenn dann jeder Ball hinten brandgefährlich wird, dann kannst du auch kein Spiel gewinnen. Tut mir leid."

Dabrowski fehlen die Worte

Trainer Christoph Dabrowski fehlten angesichts des desolaten Auftritts seiner Mannschaft in den ersten 30 Minuten gegen das zweitschwächste Team der Rückrunde ebenfalls die Worte, wie er betonte. Gerade die Anfangsviertelstunde sei "nicht drittligatauglich" gewesen. "Das muss man in aller Deutlichkeit so sagen. Deswegen stehen wir auch da, wo wir stehen." Bei den Fans müsse man sich daher entschuldigen, meinte Aues Coach.

Diese stellten die Spieler nach Abpfiff zur Rede, nachdem sie vorher mit lautstarken Pfiffen ihren Frust zum Ausdruck gebracht hatten. Bereits in der Anfangsphase schallte es zudem "Wir haben die Schnauze voll" durch das Stadion. Doch wie konnte es zu der nicht drittligatauglichen Leistung zu Beginn kommen, nachdem Aue vor einer Woche mit einem 10:0-Erfolg im Landespokal Selbstvertrauen gesammelt hatte? "Ich habe keine Erklärung dafür", war Dabrowski ratlos. "Da müssen Sie vielleicht mal die Jungs fragen, was los war. Ich stehe immer hier und muss mich rechtfertigen."

Bär gibt Hoffnung auf

Durch die siebte Pleite in Folge hat Aue wohl auch die allerletzte Chance auf den Klassenerhalt verspielt. Bei nur noch sieben ausstehenden Spielen beträgt der Rückstand auf das rettende Ufer weiterhin neun Punkte, könnte aber am Sonntag bis auf zwölf Zähler anwachsen, sollte Saarbrücken gegen Ingolstadt gewinnen. Bär hat die Hoffnung auch bereits aufgegeben: "Wenn man sehr realistisch ist, muss man sagen, dass das gelaufen ist. Ich brauche hier keinen Blödsinn zu erzählen, wenn man solche Leistungen bringt, dann hat man es auch einfach nicht verdient, in der Liga zu bleiben."

Selbst Dabrowski, der trotz der prekären Lage in den letzten Wochen stets optimistisch war, betonte, dass es ihm "sehr schwer" falle, noch Zuversicht zu haben. "Wir müssen Spiele gewinnen. Aber wenn wir so auftreten wie heute, dann wird das nicht möglich sein." Und so wird beim Auswärtsspiel in Regensburg am Dienstagabend wohl die Abschiedstour aus der 3. Liga beginnen. Neben Collins wird dann auch Ehlers nach seiner fünften gelben Karte fehlen.

   

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