Uphoff: "Warum sollte uns die Serie nicht auch ohne Naderi gelingen?"
Ein eher introvertierter Torwart-Typ sammelt "Weiße Westen", wie andere Bernstein an der Ostsee: Benjamin Uphoff vom F.C. Hansa Rostock spricht im Interview mit liga3-online.de über mögliche Vorteile im Restprogramm, ein gemeinsames Happy End mit seinem Torwarttrainer und legt in der Torwart-Debatte rund um die WM 2026 auf ein klares Trio fest.
"Daher sehe ich es durchaus als Vorteil"
liga3-online.de: Platz sechs in der regulären Tabelle, Zweiter bei den "Weißen Westen": In welcher Tabelle ist eine Aufholjagd realistischer, Benjamin Uphoff?
Benjamin Uphoff: Ich hoffe doch in der regulären Tabelle. Wenn das nur über eine Serie mit diversen 4:3- oder 5:4-Siegen klappt, nehme ich die Gegentorflut gerne in Kauf und räume meinen Top-Platz im Ranking. Irgendwo hängen Siege und ein starker Defensivverbund zwar auch zusammen, aber wenn ich den SC Verl mit Philipp Schulze (sieben Spiele zu null; d. Red.) nehme, reichen da auch weniger Zu-null-Spiele, um unter den Top 3 in der regulären Tabelle zu stehen.
Typisch für die 3. Liga liegt die Top 6 auch acht Spieltage vor dem Saisonende recht eng beieinander. Haben Sie auch noch Teams hinter Rostock als direkte Konkurrenten auf dem Zettel?
Eine abgezockte Truppe wie 1860 München darfst du nie ganz abschreiben, aber ich denke schon, dass es darauf hinausläuft, dass die beiden Aufsteiger sowie der Relegations-Teilnehmer aus der aktuellen Top 6 kommen.
Gibt es eine Art Faustpfand, den die Hansa-Kogge den anderen besagten Mannschaften in der Spitzengruppe voraus hat?
Osnabrück mag aktuell das wohl konstanteste Team der Liga sein. Über eine ganze Halbserie hinweg rennst du aber immer mal wieder in ein kleines Tief – womit wir wieder beim Thema Leistungsdichte in der 3. Liga wären. Daher sehe ich es durchaus als Vorteil, dass wir ein solches Tief bereits im Februar hatten und anschließend gestärkt daraus hervorgehen konnten. Das verdanken wir wiederum auch dem Charakter unserer Mannschaft und der Stimmung in der Kabine, wo jeder, der vermeintlich hinten dran hängt, die Spieler in der Stammelf bedingungslos supportet.
Womöglich aber auch das Restprogramm, bei dem sich viele Aufstiegsanwärter untereinander die Punkte wegnehmen und Rostock mit dem SC Verl während der Englischen Woche nur noch einen weiteren Top-6-Gegner vor der Brust hat!
Du gehst mit der Gewissheit in den Endspurt, dass – wenn du selbst durchziehst – wohl irgendein anderes Team da oben auf der Strecke bleibt. Also eher ein Vor- als ein Nachteil. Als Rostocker sind wir aber auch gewarnt vor Konstellationen gegen feststehende Absteiger – Stichwort Hannover 96 II.
Wissen Sie noch, wie viele Punkte gegen die acht ausstehenden Gegner in der Hinrunde eingefahren wurden?
Die genaue Punktzahl habe ich jetzt nicht mehr im Kopf. Ich würde aber von einem Reset-Moment in unserer Saison sprechen. Eine Woche, bevor diese Serie angefangen hat, mussten wir noch eine bittere 1:3-Heimpleite gegen Energie Cottbus einstecken. Ich saß später in der Kabine und habe – angesichts eines xGoals-Werts im Viererbereich – die Welt nicht mehr verstanden.
"Baumann und Nübel wären bei mir gesetzt"
Diese Wut konnten Sie wiederum in stolze 18 Zähler ummünzen. Muss das der Maßstab für den Endspurt sein?
Rückblickend wissen wir auch, dass ein Ryan Naderi (jetzt Glasgow Rangers; d. Red.) das Team mit seiner Form und Klasse sehr getragen hat. Nach dessen Abgang haben wir uns jedoch weiterentwickelt. Warum sollte uns also eine derartige Serie nicht noch einmal gelingen?
Einen Aufstieg haben Sie bereits durch Ihre Zeit beim Karlsruher SC auf dem Kerbholz, wo in der Saison 2018/19 seinerzeit 71 Punkte für den direkten Aufstieg als Zweiter gereicht hatten. Erkennen Sie Parallelen zur Situation in Rostock?
Eher wenig, damals wehte fußballerisch noch ein ganz anderer Wind in der 3. Liga: Woche für Woche diese sehr wilden Spiele. Wenn es Parallelen gibt, dann charakterlicher Natur. Damals in Karlsruhe und jetzt in Rostock haben wir schon echte Typen, die sich verstehen und aufeinander Acht geben.
Kurios: Seinerzeit verdrängten Sie mit Dirk Orlishausen denjenigen als Nummer 1, der heute in Rostock Ihr Torwarttrainer ist. Wäre ein gemeinsamer Aufstieg das Happy End?
Definitiv, weil wir in der Saison 2017/18 zunächst in der Relegation an Erzgebirge Aue gescheitert waren, ehe Dirk Orlishausen dann weitergezogen ist. Den Aufstieg im zweiten Anlauf hat er also nicht mehr aktiv miterlebt. Unser Zweikampf um die Nummer 1 lief damals aber enorm sauber und vorbildlich ab. Ich werde nie den Tag vergessen, an dem die Entscheidung zu meinen Gunsten gefallen ist und er, auf der Bank sitzend, zu mir sagte: "Glückwunsch. Wenn du jetzt auch nur ein Prozent nachlässt, reiße ich dir den Allerwertesten auf.“
Zum Abschluss können Sie einmal selbst in die Trainerrolle schlüpfen. Wäre Benjamin Uphoff der Bundestorwarttrainer – welche drei Keeper fahren mit zur WM 2026?
Oliver Baumann und Alexander Nübel wären bei mir gesetzt, Oli auch klar als Nummer 1. Ich denke, dass er in Hoffenheim nicht die Aufmerksamkeit und Wertschätzung bekommt, die andere mit knapp 500 Bundesliga-Spielen erhalten würden. Die Zeit eines Noah Atubolu, den ich noch aus meiner Zeit beim SC Freiburg kenne, schlägt dann wohl eher nach der WM. Als Nummer 3 hätte ich eher Finn Dahmen auf dem Zettel.