Jones feiert ersten Sieg: "Manchmal ist Fußball einfach Leidenschaft"
Der 1.FC Schweinfurt 05 hat den SSV Ulm 1846 womöglich in den Abgrund gestoßen. Der Tabellenletzte schlug nach einem 0:2-Rückstand zurück und drehte die Partie in letzter Minute zu einem 3:2-Sieg. Cheftrainer Jermaine Jones feierte damit erstmals einen Erfolg.
"Bleibt positiv"
Im vierten Spiel durfte der Ex-Bundesliga-Star zum ersten Mal an der Seitenlinie der Schweinfurter richtig jubeln. Dabei sah es lange nicht danach aus. "Für uns war klar, dass es schwer werden wird. Weil wir den ein oder anderen Spieler aufgrund von Verletzungen ersetzen mussten, aber auch zwei Spieler krank waren", erklärte Jermaine Jones im Nachgang der Partie. Der Cheftrainer brachte junge Spieler, die "in gewissen Phasen des Spiels überfordert waren". So erzielte Ulm per Doppelpack von Lucas Röser (48./58.) die Führung, die den 1.FC Schweinfurt einmal mehr auf die Verliererstraße schickte.
So hatte es zunächst den Anschein. Aber die Schnüdel gaben sich nicht auf – und vollbrachten den kleinen Fußball-Coup. "In der Halbzeit haben wir uns eingeschworen", erzählte Jones, was zuvor schon in der Kabine passierte. Der 44-Jährige räumte ein, dass Ulm das Geschehen kontrollierte. Doch selbst der Doppelpack hinderte Schweinfurt nicht am Comeback. "Ich habe den Jungs gesagt, dass der Fußball manchmal seine eigenen Geschichten schreibt", erklärte der Cheftrainer. "Bleibt positiv, versucht nach vorne zu spielen. Wir haben nichts zu verlieren." Es folgte der Anschlusstreffer durch Nico Grimbs (73.) und kurz darauf ein Elfmeterpfiff, den Johannes Geis verwertete (80.). Und tief in der Nachspielzeit sorgte Michael Dellinger für den großen Jubel (90.+4).
"Solche Siege können verbinden"
"Wir mussten wirklich bis zum Ende beißen. Und manchmal ist Fußball dann einfach Leidenschaft", fasste Jones zusammen. "Wenn du weißt, dass du nichts mehr zu verlieren hast, dann kannst du immer noch das einbringen." Selbst die Fans, die sich zu weiten Teilen nach dem Rückstand von der Mannschaft abwendeten, holten die Schnüdel damit wieder ins Boot. Jones zeigte sich zufrieden: "Solche Siege können verbinden und zusammenbringen." Ein wichtiger Faktor für die Zukunft des Aufsteigers, der mit 14 Punkten weiter abgeschlagen am Tabellenende stehen bleibt.
Auch der Rückstand zum rettenden Ufer – er beträgt zurzeit 18 Punkte – ist selbstverständlich utopisch für eine Aufholjagd. Das wird in Schweinfurt jeder wissen, wie auch Jermaine Jones. Doch für den 44-Jährigen geht es auch um die grundsätzliche Perspektive bei den Schnüdel. "Zum Glück haben wir jetzt mal ein bisschen Zeit nach der Englischen Woche, dass wir den ein oder anderen Spieler auch zurückbekommen. Ich bin stolz, dass die Jungs bis zum Ende Gas gegeben haben und wir drei Punkte zuhause behalten konnten", fand der Coach, der damit auch seinen ersten Sieg im deutschen Profifußball feierte. Am Sonntag (16:30 Uhr) geht es mit der Auswärtsfahrt nach Verl weiter.