Welche Lehren der MSV aus dem 1:6-Debakel ziehen muss
Duisburg hui, Duisburg pfui: Auf das siegreiche Topspiel gegen Verl (4:2) folgte eine 1:6-Klatsche in Wiesbaden. Kein Beinbruch für den MSV, aber ein Warnsignal allemal. Welche Lehren können die Zebras aus den abwechslungsreichen Ergebnissen der letzten Wochen ziehen?
Deutlichste Niederlage der Hirsch-Ära
Schon vor einer Woche dominierte der SC Verl den MSV Duisburg im eigenen Stadion. Allerdings zeigten sich die Zebras von einer wahnsinnig effizienten Seite, sodass sich die Ostwestfalen am Ende etwas verwundert fragten, wie sie die Partie verlieren konnten. Und andersherum war der Jubel groß, denn der MSV hatte die spielstarken Verler nicht nur einmal, sondern gleich zweimal in dieser Saison bezwungen. Allein das zeigt, zu was die Meidericher in der Lage sind. Aber das Defensivverhalten wirft Fragen auf. Denn eigentlich zählt Duisburg zu den stärksten Abwehrreihen der Liga.
In den letzten beiden Partien war das nicht zu spüren. Schon die Verler erspielten sich Chance um Chance, aber den Ostwestfalen fehlte ein Vollstrecker wie Fatih Kaya. Den hatte Wiesbaden. Ohne Torhüter Max Braune wäre der berühmte Drops bei den Hessen schon früh gelutscht gewesen, aber auch so war die 1:6-Klatsche die deutlichste Niederlage der Hirsch-Ära. Und das konnte nicht alleine daran liegen, dass Joshua Bitter in Wiesbaden verletzt ausgewechselt werden musste oder Alexander Hahn gegen Verl gesperrt fehlte. Es ist das Abwehrverhalten, nicht die Personallage, die für Stirnrunzeln sorgt.
Umgang mit der Doppelsechs
Gegen Verl räumte Hirsch noch ein, dass der Plan mit dem Pressing in den Anfangsminuten nicht funktionierte und dann schnell über den Haufen geworfen werden musste. Es war eine Idee, die aus dem Team heraus kam, weil das Gefühl dafür im Heimspiel da war – und das zeigt zumindest, dass die Zusammenarbeit zwischen Mannschaft und Cheftrainer auf Augenhöhe passiert. Aber es klappte nicht, wie auch die Schachzüge gegen Wiesbaden im Allgemeinen nicht klappten. Kann passieren, aber die richtigen Schlüsse daraus werden wichtig für den MSV sein.
Eine Sache, die zumindest im Detail auffiel, war der Umgang mit der Doppelsechs. Sowohl gegen Verl als auch gegen Wiesbaden nutzte Hirsch seine Wechsel, um Rasim Bulic und Aljaz Casar beide vom Feld zu nehmen. Im Falle von Bulic noch hinsichtlich einer Verletzung. Aber, dass gerade beide Stabilisatoren vor der Abwehrreihe komplett ausgetauscht werden, ist nicht alltäglich. Jetzt kann man sagen, sie haben sich aufgerieben und waren müde, sodass man frische Kräfte brauchte. Gegen Verl war beispielsweise Bulic noch dazu gelb-rot-gefährdet. Oder man merkte einfach, dass der Zugriff fehlte. Das funktionierte zu Saisonbeginn definitiv besser.
Nicht nur Offensive muss feurig sein
Hinzu kommt noch eine gewisse Auswärtsschwäche beim MSV: Zuhause sind die Duisburger ungeschlagen, holten acht Siege aus elf Partien. Auswärts? Vier Siege – und nur ein (!) einziger seit September. Das 1:6 klingt erst einmal schlimmer, als es vielleicht ist. Es zeigt den Zebras auf, dass wieder mehr Biss nötig ist. Kratzen, beißen, kämpfen – nicht nur die Offensivaktionen von Lex Tyger Lobinger, die in der Rückrunde bislang überstrahlten, müssen Feuer bringen. Die Abwehr wird sich am Riemen reißen müssen, denn "Hacke, Spitze, eins, zwei, drei" war nicht das, was den MSV in dieser Saison ausgezeichnet hat. Maloche ist angesagt, verfeinert mit fußballerischer Qualität. In drei von fünf Partien der Rückrunde funktionierte das ja schließlich hervorragend.