Vorschau: Das erwartet uns am 6. Spieltag

Die Euphorie beim 1. FC Magdeburg kennt ebenso wie bei Dynamo Dresden und Erzgebirge Aue momentan keine Grenzen – einem mehr als zufriedenstellenden Saisonstart sei Dank. In Auswärtsspielen ermitteln die drei Vereine nun höchstwahrscheinlich den Spitzenreiter nach Spieltag 6 – doch auch die Mainzer Reserve darf nach den letzten Spielen nicht unterschätzt werden. Für andere Mannschaften läuft es derweil nicht nach Plan: In Erfurt steigt beispielsweise ein echter Krisengipfel, auch Energie Cottbus hat zuletzt gleich drei teils bittere Niederlagen einstecken müssen. In Halle kämpft zudem mit dem HFC der Drittletzte, der bereits viermal ohne Punkte vom Platz gehen musste, gegen den SC Preußen Münster, der zuletzt ebenfalls spielerisch äußerst dürftig agierte. Spannung ist auf allen Plätzen in jedem Fall garantiert. liga3-online.de schaut in einer ausführlichen Vorschau auf den 6. Spieltag.

Welch eine Überraschung – Magdeburg eröffnet den Spieltag! Die Landeshauptstädter scheinen ein Abonnement auf die in Liga 3 seltenen Freitagabend-Spiele gebucht zu haben. Blöd nur, dass speziell die weit entfernen Auswärtskicks in Mainz, Bremen oder nun in Köln auf den letzten Arbeitstag der Woche fallen und so vielen Anhängern des FCM ein Besuch des Südstadions in der Domstadt nicht möglich sein wird. Die Frage lautet: Kann der FCM seine Serie bei den Fortunen fortsetzen und weiter ungeschlagen bleiben? Zuletzt scheiterte Energie Cottbus bei Uwe Koschinat und Co. mit 0:3, auch diverse andere Teams wie Arminia Bielefeld und Co. unterschätzten die Rot-Weißen offenbar, die mit fünf Punkten durchschnittlich gestartet sind und jeden Zähler gegen den Abstieg ebenso gut gebrauchen können wie die Mannen von der Elbe.

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Wer in der Dritten Liga gerne torreiche Partien erleben möchte, sollte sich am Samstag möglicherweise auf den Weg gen Weser machen: Werder Bremen II trifft auf Dynamo Dresden – da sollten Tore fallen, besagt zumindest die Statistik. 14 Tore fielen bisher in den Partien der Werder-Reserve, gar 18 Stück in den fünf Dynamo-Auftritten. Diese grüßen somit von der Tabellenspitze, während Alexander Nouri und seine Bremer aufpassen müssen, in der Liga nicht ähnlich durchgereicht zu werden wie vor vier Jahren, als die Werder-Youngster sang- und klanglos als Letzter abgestiegen sind. Speziell Justin Eilers ist auf Dresdener Seite mittlerweile auf Betriebstemperatur angekommen und hat bereits fünf Mal genetzt. Krönt er seine Topform mit weiteren Treffern?

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Ganz heimlich, still und leise haben die Minimalisten aus dem Erzgebirge zuletzt gegen die Stuttgarter Kickers, den VfB Stuttgart II sowie den VfR Aalen drei Siege aus drei Partien eingefahren und sich damit an die Spitze herangepirscht. Ehrlicherweise muss jedoch gesagt werden: In allen drei Partien lieferten Pavel Dotchevs Mannen noch keine wirklich herausragende Leistung ab – holten jedoch die Punkte! Die Würzburger Kickers sind nach dem jüngsten Sieg beim VfB Stuttgart II endgültig in der Liga angekommen, haben zudem erst zwei Gegentore kassiert. Auch hier wird die Zuschauer ein enges Match erwarten, das zu großer Wahrscheinlichkeit durch das erste Tor vorentschieden wird.

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Auf zwei Siege folgen drei Niederlagen plus das Pokal-Aus: Die Starteuphorie in der Lausitz ist nach den letzten Wochen doch deutlich gedämpft worden. Insbesondere die jüngste Niederlage gegen den VfL Osnabrück schmerzt sehr, zumal mit Sven Michel ein wichtiger Spieler des Systems von Stefan Krämer mit Gelb-Roter Karte ausfällt. Wo wir gerade von Ausfällen sprechen: Die Stuttgarter Kickers müssen mit Carl Klaus nach nur fünf Spieltagen bereits zum zweiten Mal auf ihren Stammkeeper verzichten – der 21-Jährige zog gegen Hansa Rostock erneut die Notbremse und muss abermals zuschauen. Auch Fabio Leutenecker wurde beim knappen 1:0-Erfolg an der Ostsee des Feldes verwiesen und fehlt damit gegen Energie.

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Unerwartet mussten die Himmelblauen aus Chemnitz in Magdeburg die erste Saisonpleite hinnehmen: Willensstärke siegte dort über technisches Potenzial, Karsten Heine und Co. wussten schlichtweg nicht, aus vielem Ballbesitz Chancen und dadurch Tore zu kreieren. Geht man nach diesem Spiel, wird auch der SV Wehen Wiesbaden sehr unangenehm zu bespielen sein: „Wir erzwingen den Sieg, agieren dafür auch unschön mit langen Bällen“, gab Trainer Sven Demandt nach dem 3:1-Sieg über Werder Bremen II preis. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der SVWW mit einem gewissen Respekt zum spielstarken CFC reist und auch dort zunächst auf defensive Stabilität setzt. Spannendes Spiel? Wohl ja. Viele Tore? Eher nein.

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Wenn beim VfL Osnabrück alle Stricke reißen, steht Joe Enochs seinen Mann – und wie! Zum Einstand feierte die zum Cheftrainer emporgestiegene VfL-Legende einen 2:1-Erfolg in Cottbus, und das nach Rückstand: Von Krise will in Osnabrück nun niemand mehr reden. Holstein Kiel kommt indes noch nicht so recht auf Touren und spürt die gestiegenen Erwartungen des Publikums. Ein 2:2-Remis gegen Fortuna Köln ist in dieser Spielzeit plötzlich doch etwas dürftig, sieben Punkte aus fünf Spielen verbesserungswürdig. Es darf nun nicht der Fehler gemacht werden, die Mannschaft in Osnabrück unter Siegesdruck zu stellen: An der Bremer Brücke sind schon ganz andere Kaliber gestolpert.

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Ach herrje – was ist dem Halleschen FC in Dresden nur unterlaufen. Vor 27.000 euphorisierten Zuschauern dem Aufstiegsfavoriten eine 1:0-Führung stibitzen, selbst in Führung gehen und die drei Punkte nach Hause schaukeln, das wäre ein toller Plan gewesen. Leider wurden nur die ersten zwei Teile umgesetzt, zwei Stellungsfehler ermöglichten die späte Dresdener Wende. Kann dieser moralische Knick beim HFC schnell weggesteckt werden? Der SC Preußen dürfte in dieser Hinsicht momentan einen dankbaren Gegner darstellen: Gegen den FSV Mainz 05 II lieferten die Münsteraner eine äußerst dürftige Vorstellung ab, erspielten sich kaum eine Möglichkeit und verärgerten die Anhänger durch mangelnde Lauf- und Zweikampfbereitschaft. Gut möglich, dass der HFC mit einer ähnlichen Leistungen wie gegen den SV Wehen Wiesbaden die drei Punkte im Erdgas-Sportpark behalten darf.

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Letzter gegen Vorletzter, da darf auch nach fünf Spieltagen durchaus von einem vorläufigen Krisengipfel gesprochen werden. Die Rote Laterne trägt momentan der VfB Stuttgart II, der gegen die Würzburger Kickers erneut enttäuschte und aus dem Heimspiel-Doppelpack gegen Erzgebirge Aue und den FWK keinen einzigen Zähler erspielte. Rot-Weiß holte im gleichen Zeitraum zwei Punkte, doch schon das Unentschieden gegen Preußen Münster wirkte spielerisch mager. Die Krönung bot der Auftritt bei der SGS Großaspach, der statt des 2:2-Punktgewinns auch mit einer 2:5-Klatsche hätte enden können. Defensiv unsortiert, offensiv unspektakulär – neutrale Besucher dürfen sich auf die beiden Mannschaften freuen, die Anhänger derzeit wohl eher weniger.

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Am Sonntag begegnen sich mit dem VfR Aalen und Hansa Rostock weit mehr als nur zwei Vereine: Allein für VfR-Coach Peter Vollmann steht ein Wiedersehen mit vielen altbekannten Gesichtern an, trainierte er doch die Hanseaten gleich zweimal, unter anderem in der Vorsaison. Dort musste er jedoch nach einer Niederlagenserie im Dezember 2014 den Hut nehmen. Nun kehrt er mit einer 0:1-Niederlage aus Aue zurück auf die Ostalb – und auch die Hansa-Kogge wusste erst gegen elf, dann zehn, dann neun Akteure der Stuttgarter Kickers nicht, den 0:1-Rückstand noch umzubiegen. Somit gilt für beide Vereine: Nur wer als Sieger hervorgeht, darf die kommende Woche in unmittelbarer Nähe der oberen Plätze genießen.

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Das Überraschungsteam schlechthin stellt bisher die Reserve des FSV Mainz um Sandro Schwarz dar. Mit der peniblen Anwendung der simplen Fußballertugenden Laufbereitschaft, taktische Flexibilität sowie Ballsicherheit kauften die Nullfünfer jüngst erst dem SC Preußen Münster den Schneid ab – und zeigten dabei sogar noch Schwächen in der Vollendung von Kontersituationen. Sonnenhof Großaspach erwischte ebenfalls einen guten Saisonstart und überzeugt zuweilen auch spielerisch. Warum die wohl beste Leistung seit Drittliga-Zugehörigkeit gegen Erfurt am vergangenen Mittwoch nicht zu einem Sieg reichte, weiß im Fautenhau noch immer niemand so wirklich. Chancen über Chancen, aber „nur“ zwei Tore – das soll am Bruchweg nun nachgeholt werden.

 

   

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