3. Liga als Risiko: Können die Vereine hier wirtschaftlich überleben?

Es klingt paradox: Die 3. Liga boomt und gleichzeitig kämpfen viele Drittligisten stetig ums Überleben. Immer wieder wurden zuletzt Zuschauerrekorde geknackt und auch der sportliche Wettbewerb bietet alles, was das Fußballherz begehrt. Trotzdem bewegt sich die wirtschaftliche Realität vieler Klubs der Dritten Liga gefährlich nah am Rand der Zahlungsunfähigkeit. 

Es ist ein Widerspruch, der in der dritthöchsten Spielklasse im deutschen Profi-Fußball bedauerlicherweise schon seit Langem zum Alltag gehört. Eine nachhaltige Lösung ist bisher nicht in Sicht. Dementsprechend stellen sich Vereine, Fans und Experten die Frage: Ist ein wirtschaftliches Überleben in der 3. Liga überhaupt möglich?

Zwischen Boom und Risiko: Die wirtschaftliche Realität in Liga 3 

Die Zahlen der letzten Jahre lesen sich auf den ersten Blick wie ein Erfolgsbericht. So konnte die Liga zum Beispiel in der Saison 2023/24 mit einem Umsatz von knapp 292 Millionen Euro ein sattes Plus von über 24 Prozent gegenüber der Vorsaison erzielen. So viel Geld wurde in der Dritten Liga noch nie erwirtschaftet. Und auch die Zuschauerzahlen sprechen eine deutliche Sprache: Knapp vier Millionen Fans besuchten die Stadien der Drittligavereine innerhalb einer Saison. Damit ist auch das Interesse der Fans auf einem Rekordhoch. 

Hinter den Kulissen zeigt jedoch ein anderes Bild. So konnte nicht einmal die Hälfte der Klubs die Rekordsaison 23/24 mit einem Gewinn abschließen. Viele Vereine schreiben seit Jahren rote Zahlen. Trotz des positiven Trends mit Blick auf die Einnahmen scheint das wirtschaftliche Fundament der Liga also extrem brüchig zu sein. 

Das liegt natürlich an vielerlei Faktoren. So öffneten sich einige Drittligisten für Investoren. Oft mit wenig Erfolg. Dazu kommt die insgesamt instabile Wirtschaftslage der vergangenen Jahre und nicht zuletzt wurde das Thema Sponsoring zwar immer größer, jedoch auch immer komplexer. 

Viele Vereine im Profi-Fußball profitieren heute von Sponsoren aus der boomenden Glücksspielbranche. Auch in der Dritten Liga konnten einige Vereine lukrative Partnerschaften mit Unternehmen aus diesem solventen Wirtschaftszweig eingehen. Doch mittlerweile ist auch diese Art des Sponsorings limitiert worden. 

So dürfen Glücksspielanbieter etwa nur noch mit dem eigenen Logo werben und nicht mit speziellen Angeboten à la Bonus ohne Einzahlung. Auch solche Regularien machen es den Vereinen schwer, die ohnehin prekäre eigene Wirtschaftslage hinter sich zu lassen.

Sponsoring, TV-Gelder & Co: Einnahmequellen der Drittligisten

Wie wichtig Sponsoring für die Vereine mittlerweile ist, zeigt ein Blick auf die Einnahmequellen der Drittligisten. Dort steht Sponsoring auf dem Spitzenplatz. Natürlich hängt der wirtschaftliche Erfolg dabei enorm vom jeweiligen Standort und der Vereinsgeschichte ab. Ein Traditionsklub, z.B. Dynamo Dresden, 1860 München oder auch Arminia Bielefeld, zieht eben eher einen großen, zahlungskräftigen Partner an Land als ein Liga-Neuling aus dem geografischen Niemandsland. 

Mittlerweile gibt es auch TV-Gelder in der 3. Liga, jedoch gilt es diesbezüglich zu betonen, dass die Ausmaße sich noch in fast homöopathischen Dosen bewegen. Der neue Medienrechtevertrag des DFB bringt jedem Verein im Schnitt unter zwei Millionen Euro ein. 

Das ist zwar deutlich mehr als in der Vergangenheit, doch gerade im Vergleich zu den beiden Bundesligen nicht viel mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Verteilung der TV-Gelder ist im Gegensatz zur Regelung in der Bundesliga nicht leistungsabhängig

Anders als beim TV-Geld sieht es bei den Einnahmen durch Ticketverkäufe aus. Hier gibt es ein derartiges Solidarprinzip nicht. Somit sind die zuletzt steigenden Zuschauerzahlen zwar in jeder Hinsicht erfreulich, doch mit Blick auf die Profiteure dieses Trends gibt es große Diskrepanzen. Ungeachtet dieser Unterschiede zwischen den Drittligisten spülen all die genannten Einnahmequellen – neben Transfererlösen – den Klubs immer mehr Geld in die Kassen. Trotzdem haben es bisher nur wenige Klubs in der 3. Liga geschafft, sich nachhaltig wirtschaftlich gesund aufzustellen.

Trotz Einnahmenzuwächse: Drittligisten wirtschaftlich oft instabil

Ist mit Blick auf die jüngsten Einnahmenzuwächse die Lösung der wirtschaftlichen Probleme vieler Drittligisten also nur noch eine Frage der Zeit? Wohl leider nicht, denn zum einen sind die Einnahmenzuwächse nicht gleichmäßig auf die Drittligisten verteilt und zum anderen steigen die Kosten, die mit dem Betrieb eines Drittliga-Klubs einhergehen, vielerorts schneller als die Einnahmen. 

Den dicksten Brocken stellen dabei die Personalkosten dar. Mehr als fünf Millionen Euro gibt ein Drittligist im Schnitt für den eigenen Kader aus. Tendenz steigend. Mittlerweile sind auch die Vereine in der Dritten Liga extrem professionell. Das liegt auch am DFB, der diesbezüglich jede Menge Nachweise für die Lizenzerteilung verlangt. Ob Sicherheitsstandards, Stadionbeleuchtung oder Medienarbeitsplätze – all das verlangt zusätzliches Personal und verursacht auf Dauer enorme Kosten.

Nicht zuletzt gehört zur ganzen Wahrheit auch der wachsende sportliche Druck. Klubs investieren große Beträge in den eigenen Kader, um wettbewerbsfähig zu bleiben. So gehen viele Vereine mit der Hoffnung auf sportlichen Erfolg ins finanzielle Risiko. Genau das kann dann zum Nährboden für wirtschaftliche Schieflagen der Zukunft werden. Problematisch wird es dann, wenn der sportliche Erfolg ausbleibt. So kämpfen nicht wenige Vereine der Liga mit finanziellen Verpflichtungen und Altlasten, die auf Dauer nur schwer tragbar sind.

Wie gelingt die wirtschaftliche Gesundung in der Dritten Liga?

Trotz der vielen Herausforderungen ist ein wirtschaftliches Überleben in der 3. Liga möglich. Vonnöten ist ein klares Konzept, bei dem solides Haushalten und das Vermeiden hoher wirtschaftlicher Risiken die Grundlage bilden. So sollten eigene Erfolge im DFB-Pokal oder Aufstiege nie fest in die eigene Kalkulation eingepreist werden – zu groß ist die Leistungsdichte und damit auch das Risiko des sportlichen wie wirtschaftlichen Scheiterns.

Natürlich ist es auch hilfreich, wenn Klubs ihre Einnahmen diversifizieren können. Statt sich auf einen einzigen Sponsor oder Investor zu verlassen, geht es darum, sich als Verein wirtschaftlich möglichst breit aufzustellen. Zur erfolgreichen Umsetzung des Plans braucht es dann auch eine gewisse Kontinuität. Klubs, die ihre Strategie nicht alle zwei Jahre wechseln, schaffen Vertrauen – auch bei potenziellen Sponsoren. Auf diese Weise kann selbst in der finanziell durchaus herausfordernden Dritten Liga die wirtschaftliche Gesundung gelingen.

Fazit: Die Dritte Liga ist auf einem guten Weg – trotz bleibender Herausforderungen!

Die 3. Liga wird immer mehr zum festen Bestandteil des deutschen Profi-Fußballs – mit allem, was dazugehört: Zuschauermassen, immenser sportlicher Druck und natürlich viel Geld. Doch der wirtschaftliche Spielraum vieler Vereine bleibt eng, und die Fallhöhe groß. 

So wird der Balanceakt der Drittligisten, zwischen wirtschaftlicher Vernunft und sportlicher Wettbewerbsfähigkeit, wohl auch in Zukunft noch spannend zu beobachten sein – trotz Zuschauerrekorden und wachsender Einnahmen.

   

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