2:1 gegen 1860! Würzburg siegt und zieht vorbei

Am Montagabend empfingen die Kickers aus Würzburg den TSV 1860 München am heimischen Dallenberg. Die Franken setzten sich verdient mit 2:1 durch – wenngleich es für den Sieg einen Patzer in der Löwen-Hintermannschaft brauchte. 

Gnaase belohnt die Kickers

Im fränkisch-bayerischen Duell standen sich zum Abschluss des 11. Spieltages die Würzburger Kickers und der TSV 1860 München gegenüber. Trotz zuletzt unterschiedlicher Ergebnisse vertrauten beide Übungsleiter nahezu vollständig auf das Personal aus der Vorwoche. Lediglich Kickers-Trainer Michael Schiele nahm eine Änderung vor – diese war jedoch eine durchaus bemerkenswerte: So vertrat der erst 19-Jährige Schlussmann Vincent Müller den bisherigen Stammkeeper Eric Verstappen und feierte damit sein Drittligadebüt. Hinsichtlich der Form war bei beiden Mannschaften zuletzt eine Aufwärtstendenz erkennbar. Während der FWK zwei der letzten drei Ligaspiele für sich entschied, waren die Löwen in den letzten vier Partien dreimal erfolgreich.

In dem Aufeinandertreffen am Montagabend war indes noch eine weitere Statistik von Interesse: Beide Teams verband im bisherigen Saisonverlauf eine enorme Auswärtsschwäche. Entsprechend waren es die Gastgeber, die schon zu Beginn ihr Heil in der Offensive suchten. Nach kaum vier gespielten Minuten prüfte Herrmann 1860-Keeper Bonmann mit einem Freistoß aus spitzem Winkel. Würzburg blieb auch in der Folge am Drücker, ohne dabei jedoch ernstzunehmende Torgefahr zu entwickeln – Kaufmann verzog aus rund 15 Metern Torentfernung deutlich (13.). Fast im Gegenzug meldeten sich auch die Gäste erstmals an. Kindsvater zog von halbrechts kommend in den Sechzehner, ließ Herrmann aussteigen und zirkelte das Leder wuchtig an den linken Pfosten. Doch die Szene war noch nicht vorbei: Vom Aluminium sprang der Ball erneut vor die Füße von Kindsvater, welcher mit seinem zweiten Versuch am Außennetz scheiterte (15.).

Nach der Doppelchance der Sechziger brauchten die Kickers ein wenig, um zurück in die Partie zu finden. Das gelang dann in der 24. Spielminute umso eindrucksvoller. Herrmann zog eine Flanke scharf in den Strafraum, die 1860-Abwehr verpasste kollektiv – und Dave Gnaase köpfte zum Führungstreffer ein. Die Löwen waren im Anschluss um eine direkte Antwort bemüht, Würzburg hingegen versuchte jegliche Vorstöße früh zu unterbinden. Torschütze Gnaase griff dabei zu unlauteren Mitteln und verlängerte seine persönliche Länderspielpause durch die fünfte Gelbe Karte um eine weitere Woche (28.). Insgesamt zeigten die Hausherren im ersten Durchgang jedoch eine reife Leistung. Ausgehend von einem aggressiven Zweikampfverhalten führen die Würzburger immer wieder gefährliche Angriffe: Einen davon verwertete Sontheimer fast zum 2:0, doch Bonmann tauchte ab und parierte sehenswert (30.). Kurz vor dem Pausenpfiff war es dann erneut Sontheimer, der nach Kaufmann-Ablage aus elf Metern das Tor verfehlte (43.).

Abwehrfehler lässt Würzburg jubeln

Obwohl die Löwen in der ersten Halbzeit deutlich zu passiv agiert hatten, schickte Trainer Daniel Bierofka eine unveränderte Elf zurück auf den Rasen. Mit dieser Entscheidung lag der Münchner Übungsleiter augenscheinlich goldrichtig – denn keine zwei Minuten nach Wiederanpfiff egalisierte seine Mannschaft den Rückstand. Routinier Sascha Mölders verwertete eine Hereingabe des auf rechts durchgestarteten Willsch, Gebhart hatte zuvor verlängert (47.). Manch ein Kickers-Akteur dürfte sich nach dem Rückschlag an schmerzliche Erlebnisse der vergangenen Wochen erinnert gefühlt haben, in denen das Gehäuse der Würzburger gerade im zweiten Durchgang regelmäßig zur Schießbude mutierte. Möglicherweise lag darin auch der Grund für die im Vergleich zur ersten Hälfte deutlich geringere Zielstrebigkeit der Rot-Weißen.

Vielmehr entwickelte sich eine ausgeglichene Partie, in der eher überharte Zweikämpfe als Tormöglichkeiten dominierten. Erst hatten sich Gebhart und und Sontheimer in den Haaren (59.), dann kam Willsch zu spät und sah gelb (60.). So war der nur wenig später folgende zweite Treffer der Hausherren einer aus dem sprichwörtlichen Nichts. Rhein schlug einen eher unpräzisen Flugball nach vorne, Münchens Klassen versuchte sich an einer Kopfball-Rückgabe in Richtung Torhüter Bonmann. Es blieb beim Versuch: Kaufmann erlief den zu kurz geratenen Pass, zog an Bonmann vorbei und schob den Ball zum 2:1 in die Maschen (62.). 1860 war damit wieder gefordert – und fand eine bessere Antwort als noch nach dem erstmaligen Rückstand. Wein grätschte die Kugel einen Meter neben das Würzburger Tor (68.), Mölders fand nach einem Kopfball seinen Meister im stark parierenden Müller (70.).

Den Löwen lief nun zusehends die Zeit davon, Trainer Bierofka reagierte mit einem Doppelwechsel: Ziereis und Lex kamen für Gebhart und Wein in die Partie (71.). Ein wirklicher Hoffnungsschimmer erreichte die Gäste jedoch erst durch die gelb-rote Karte für Würzburgs Pfeiffer. Dieser foulte zunächst Rieder und griff seinem Gegenspieler im anschließenden Gerangel leicht in das Gesicht. Der Münchner ließ sich theatralisch fallen, Schiedsrichter Robert Kampka zeigte Rieder eine, Pfeiffer gleich zwei gelbe Karten (80.). Der TSV warf in den Schlussminuten zwar alles nach vorne, die entscheidende Idee blieb dabei allerdings aus. Lediglich Mölders kam noch einmal zum Abschluss, Torhüter Müller rundete sein gelungenes Debüt mit der nächsten Parade ab (90.). So blieb es beim 2:1-Heimsieg für die Würzburger Kickers, die dadurch in der Tabelle an den Löwen vorbeiziehen.

   
  • Ein sehr parteiischer Schiedsrichter, der den Spielverlauf bestimmen wollte. Der Platzverweis für Pfeiffer war nicht gerechtfertigt. Um so mehr ist der Sieg der Kickers verdient.

  • DM von 1907

    Kampka hat das ganze Spiel über gegen Würzburg strengere Maßstäbe angelegt als gegen 1860. Mit der – für mich falsch entschiedenen – Platzverweisszene hätte er das Spiel in die andere Richtung "entscheiden" können.

    Entweder er bleibt seiner relativ großzügigen Linie treu, zeigt Pfeiffer für das taktische Foul und Rieder für den ebenso bühnenreifen wie grob unsportlichen sterbenden Schwan gelb. Und ermahnt dann beide für leichten Stoß und leichten Griff ins Gesicht. Oder er wertet beim Gerangel beides als Unsportlichkeit und gibt beiden Spielern Gelb-rot.

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