10 Fakten: Der Winter-Transfermarkt unter der Lupe

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Jetzt ist Schicht im Schacht: Seit dem Ende der vergangenen Woche dürfen keine Spieler mehr verpflichtet werden. Den Januar haben zahlreiche Drittligisten genutzt, um sich personell zu verstärken – aber auch von Bankdrückern zu trennen. Wir zeigen, wer die meisten Transfers tätigte, wer viel Geld investierte und welche Namen mit gewisser Prominenz neu in der 3. Liga sind.

Zugänge gesamt

Insgesamt stießen 52 neue Spieler zu den Drittligisten hinzu – nach Adam Ries macht das im Durchschnitt drei neue Vertragsverhältnisse pro Klub. Der Rekord liegt bei 69 Winter-Zugängen aus der Saison 2013/14, im Vorjahr hatten die Klubs "nur" 36 Mal zugeschlagen.

Abgänge gesamt

Dass sich die quantitativen Kaderstärken insgesamt nur geringfügig verändert haben, unterstreicht die Zahl von 66 Abgängen: Es wurden ähnlich viele Spieler abgegeben wie neu ins Boot geholt. Nicht wenige wechselten zudem innerhalb der Liga den Verein.

Wechsel innerhalb der Liga

Eine Rarität ist es längst nicht mehr, dass unzufriedene Spieler in der Winterpause bei einem direkten Kontrahenten unterkommen. Ein außergewöhnliches Beispiel lieferte Stürmer Marcel Bär, der vom Vorletzten aus Aalen für eine mittlere sechsstellige Ablösesumme zum Schlusslicht Eintracht Braunschweig wechselte. Auch der Transfer von Adriano Grimaldi, den es von 1860 München zum KFC Uerdingen zog, schlug hohe Wellen, ebenso der spontane Wechsel von Tanju Öztürk nach Rostock – er war zwei Tage zuvor in Uerdingen suspendiert worden. Weitere bemerkenswerte Transfers waren etwa die von Linksverteidiger Guillaume Cros (von Carl Zeiss Jena zu Hansa Rostock), Marcus Piossek (von den Sportfreunden Lotte zum SV Meppen), Robert Müller (vom KFC Uerdingen zu Energie Cottbus), Stephan Andrist (vom SV Wehen Wiesbaden zum VfR Aalen) und René Guder, der von Wiesbaden zum SV Meppen übersiedelte.

Wechsel aus und in höhere Spielklassen

Auch höhere Spielklassen waren bei den Deals der Drittligisten  munter eingespannt, wir präsentieren eine Auswahl. So holte allein Eintracht Braunschweig mit Julius Düker (SC Paderborn), Jasmin Fejzic (1. FC Magdeburg) und Bernd Nehrig (FC St. Pauli) gleich drei Akteure aus der 2. Bundesliga, auch Wiesbaden holte alle drei Leihspieler aus dieser Spielklasse (Gül, Hansch, Diawusie). Ein ähnliches Prinzip wandten die überhaupt sehr emsigen Sportfreunde aus Lotte an, die unter anderem drei Leihgeschäfte mit Zweitligisten eingingen (Drinkuth, Blomeyer, Härtel). Der VfR Aalen schlug dort ebenso dreimal zu, holte Timo Königsmann, Johannes Bühler und Clemens Schoppenhauer aus der zweiten Liga.

Viel Erfahrung angelte sich der Hallesche FC, der den Ex-Bundesligaspieler Christian Tiffert von Erzgebirge Aue an die Saale lockte. Der VfL Osnabrück scheint mit Benjamin Girth, geliehen von Holstein Kiel, einen Volltreffer gelandet zu haben. Und auch Uerdingen ließ es sich nicht nehmen, mit Osayamen Osawe aus Ingolstadt einen Akteur aus einer höheren deutschen Spielklasse zu holen.

Der Transferkönig bei Zu- und Abgängen

Der Titel des Transferkönigs geht in jedweder Hinsicht an Eintracht Braunschweig, die in vier Wochen eine Fluktuation erlebten, die selbst in so mancher Sommerpause nicht mal annähernd erreicht wird. Acht Spieler, also fast eine komplett neue Mannschaft, stießen an der Hamburger Straße neu hinzu. Und doch schaffte Braunschweig das Kunststück, die Kadergröße zu reduzieren – elf Profis verließen den Verein, darunter die Großverdiener Christoffer Nyman und Gustav Valsvik.

Bei den Zugängen rangieren die Sportfreunde Lotte, der KFC Uerdingen und der VfR Aalen auf dem gemeinsamen zweiten Rang: Sie verpflichteten jeweils sechs neue Spieler, Sonnenhof Großaspach und Energie Cottbus wollen im Abstiegskampf mit vier frischen Gesichtern Zeichen setzen. Lotte und Uerdingen finden sich bei den Abgängen ebenso weit vorne wieder: Die Sportfreunde haben sich von acht Spielern getrennt, Uerdingen schickte sieben Profis weg – der suspendierte Christopher Schorch ist dabei noch nicht eingerechnet.

Die Zurückhaltenden

Während Braunschweig, Lotte und Uerdingen aus dem Transfermarkt einen Basar machten, hielten es andere Klubs entweder nicht für notwendig, nachzurüsten – oder ihnen fehlten die Mittel. So tat sich beim 1. FC Kaiserslautern, der SpVgg Unterhaching und Preußen Münster überhaupt nichts: Kein Spieler kam, keiner ging. Gerade in Münster, aber auch in Lautern ist die Zurückhaltung in finanzieller Not begründet. Unterhaching setzt derweil auf seine zusammengewachsene Mannschaft – und fährt damit im Vergleich zu so manchem Kontrahenten ein absolutes Kontrastprogramm.

Die teuersten Spieler

Eintracht Braunschweig investierte eine gute halbe Million Euro in seine Profis, etwa 300.000 Euro davon dürften in den Transfer von Marcel Bär geflossen sein. Er ist damit noch etwas teurer als Adriano Grimaldi, dessen Dienste sich Uerdingen trotz der kurz zuvor erlittenen Verletzung etwa 200.000 Euro kosten ließ. Auch bei den Einnahmen ist der niedersächsische Tabellenletzte zur Abwechslung mal ganz vorn dabei: Der Schwede Christoffer Nyman, für den die Eintracht seit dem Zweitliga-Abstieg mehr oder weniger händeringend einen Abnehmer suchte, wechselte für geschätzte 450.000 Euro zum schwedischen Erstligisten Norrköping. Die restlichen Einnahmen, die Drittligisten für Transfers erhielten, teilen sich 1860 München und der VfR Aalen, die Grimaldi respektive Bär zu ihren oben genannten neuen Arbeitgebern transferierten.

Die Last-Minute-Transfers

Am Deadline Day war in diesem Jahr besonders viel los, denn am 31. Januar verkündeten die Klubs insgesamt 28 weitere Spielerwechsel. Allein der KFC Uerdingen holte mit Assani Lukimya und Adam Matuschyk zwei altgediente Ex-Bundesligaspieler, es waren die wohl namhaftesten Transfers dieses Tages. Die Würzburger Kickers und Energie Cottbus holten jeweils zwei weitere Profis in den Verein, ebenso Hansa Rostock. Die Sportfreunde Lotte hatten derweil noch so manchen Spieler von der Gehaltsliste zu streichen, was auch gelingen sollte: Gleich vier Spieler verließen die Westfalen auf den letzten Drücker, während Eintracht Braunschweig zwei Talente auf Leihbasis in die Regionalliga schickte.

Der Wandervogel

So manch bunten Hund schnappten sich die Drittligisten. Assani Lukimya etwa, der zuletzt für Liaoning FC in China auflief. Oder Anatole Ngamukol – die völlige Unbekannte aus der zweiten französischen Liga, die von Fortuna Köln aus dem Hut gezaubert wurde. Christian Tiffert hat mit seinen bald 37 Jahren naturgemäß so manchen Verein hinter sich; der Hallesche FC bedeutet für den charismatischen gebürtigen Hallenser die insgesamt neunte Station. Keiner aber verdient den Titel des Wandervogels so wie Marcus Piossek, nun beim SV Meppen. Er spielte bereits beim Karlsruher SC, VfL Osnabrück, Preußen Münster, dem 1. FC Kaiserslautern und den Sportfreunden Lotte – geht das so weiter, hat er bald die ganze 3. Liga kennengelernt.

Der Prominenteste

Im Verlauf dieses Textes wurde schon nahezu jeder Neuzugang mehr oder weniger ausgiebig gewürdigt, von dem so einiges erwartet werden darf. Hier eine Abstufung nach Prominenz vorzunehmen, wäre nicht seriös. Daher wollen wir diesen letzten Absatz einem Spieler widmen, der bislang nicht genannt worden ist, an dieser Stelle aber gewiss nicht falsch platziert ist: Justin Eilers. Er will nach drei verlorenen Jahren infolge schwerer Verletzungen bei den Sportfreunden Lotte wieder Fuß fassen, den Spaß am Sport zurückgewinnen. Seine Qualität hat er im Dress von Dynamo Dresden eindrucksvoll gezeigt, als er in zwei Spielzeiten sagenhafte 42 Tore erzielte. Findet er diese Form zurück und bleibt von Rückschlägen verschont, könnte Lotte den Jackpot gezogen haben.

 

   

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