1.900 Kilometer für 30 Minuten Fußball: Kiel-Fans in Unterhaching

Vergangenen Freitag gegen 22:30 Uhr: Die Dunkelheit hat Kiel bereits fest im Griff, auf den Straßen ist zu dieser Zeit nicht mehr viel los. Im Fernsehen läuft gerade die spannende Schlussphase der Bundesliga-Partie zwischen Dortmund und Hoffenheim. Doch an die 1. Liga denkt Holstein-Fan Tim Jeschkeit in diesem Moment nicht. Schließlich steht am Samstag die Auswärtspartie bei der SpVgg Unterhaching an. Rund 950 Kilometer gilt es bis in die Münchener Vorstadt zurückzulegen. Damit ist die Fahrt die weiteste im gesamten deutschen Profifußball. Rund drei Wochen vorher hat er sich für diese außergewöhnliche, fast schon Weltreise angemeldet. Der Blick auf das Navi kurz nach der Abfahrt in Kiel zeigt: Rund zwölf Stunden soll die Hinfahrt dauern. Doch wie verbringt man eigentlich die fast endlos erscheinende Zeit, in der man mit dem Flugzeug auch ohne Probleme von Frankfurt nach Los Angeles fliegen könnte? "Ein bisschen schlafen, Film gucken, Bier trinken und natürlich viel reden", erklärt Jeschkeit, dem die Fahrt nach Stuttgart, immerhin noch 750 Kilometer, länger vorkam.

Verspätete Ankunft nach Bus-Panne

Nachdem die aktuelle Bilanz der Störche auf der Busfahrt ausführlich besprochen wurde, folgte auf einem Rastplatz vor Nürnberg und rund 200 Kilometer vor Unterhaching der Schock: Die hintere Bustür klemmte und ließ sich nicht mehr verschließen. Der Bus konnte so nicht weiterfahren, hieß es. Auch der zufällig vor Ort gewesene ADAC wusste keinen Rat – die Weiterfahrt war zu diesem Zeitpunkt sehr fraglich. Zwischenzeitlich sei sogar überlegt worden, so Jeschkeit, mit dem Taxi nach Nürnberg zu fahren, um dort im ICE wieder nach Kiel zu fahren. Auch die Option, mit einem anderen Bus nach Unterhaching zu fahren, stand im Raum. Wie man später zurückkommen sollte, war zu diesem Zeitpunkt egal. Erst mit einer Verzögerung von rund drei Stunden konnte die Fahrt mit dem Bus dann aber doch fortgesetzt werden, nachdem das Fehlersystem abgeschaltet worden war. Vom Spiel selbst sahen die Anhänger dann jedoch nur noch die letzten 30 Minuten. Da fährt man also durch die ganze Republik, um am Ende eine halbe Stunde Fußball zu sehen – das geht wohl nur, wenn man ein echter Fan ist. Immerhin habe der Ausgleich alles gerettet, so der Holstein-Fan. "Wir kamen ja sogar umsonst rein, somit hat dann doch alles gepasst". Rund 150 Fans haben die weiteste Anreise im deutschen Profifußball an diesem Tag auf sich genommen.

Nächstes Jahr vielleicht mit dem Flugzeug nach Unterhaching

Die Rückfahrt lief dann wesentlich entspannter ab, sodass sogar noch Zeit war, um "bei McDonalds bzw. Burger King Pause zu machen". Als der Bus am Sonntagmorgen um 4:45 Uhr wieder Kiel erreichte, waren alle müde aber auch glücklich, wieder zuhause zu sein. Ob er die Reise im nächsten Jahr wieder machen würde? "Ja klar", bringt es Jeschkeit auf den Punkt. Dann aber vielleicht mit dem Flugzeug, mit dem die Mannschaft sowie einige Fans auch bereits in diesem Jahr angereist sind. Für 78 Euro hin und zurück könne man das ja schließlich mal machen. Doch Busfahrten bleiben natürlich etwas Besonderes

   
Back to top button