0:9 in drei Testspielen: Unruhe beim VfL Osnabrück

Wohl bei keinem anderen Drittligisten verläuft die aktuelle Vorbereitung ernüchternder als beim VfL Osnabrück. Der Grund: Die letzten drei Testspiele gingen allesamt mit 0:3 verloren, zwei davon sogar gegen unterklassige Gegner. Wie groß ist die Aussagekraft dieser Ergebnisse und was für eine Wirkung kann das auf den Saisonstart haben?

Noch hat sich der VfL nicht gefunden

Zum Glück befindet sich der Auftakt noch knapp zwei Wochen entfernt, mag sich Osnabrück nach der neuerlichen Test-Schmach bei Borussia Dortmund II gedacht haben. 0:3 hieß es in der Lüner Kampfbahn Schwansbell gegen den ehemaligen Kontrahenten aus der 3. Liga, der aktuell aber "nur" in der Regionalliga West kickt. Ein Ausrutscher? Nein – auch die vergangenen Partien hatten die Lila-Weißen bereits mit dem gleichen Ergebnis verloren. Das 0:3 gegen den FC St. Pauli, ambitionierter Zweitligist mit Perspektive auf den Bundesliga-Aufstieg in der kommenden Spielzeit, mochte dabei noch akzeptabel erscheinen. In Verbindung mit der 0:3-Schlappe beim SC Wiedenbrück, ein allenfalls mittelklassiger West-Regionalligist, wirft das aktuelle Gesamtbild der Niedersachsen jedoch Fragen auf und zeigt in der Regelmäßigkeit der Ergebnisse überdies eine deutliche Tendenz: Noch hat sich der VfL nicht gefunden. Noch kommt der Saisonstart nicht recht.

Das Team müsste sich kennen – kein Aderlass im Sommer

Die Ursachenforschung dafür ist nicht leicht, denn der klassische Grund der fehlenden Eingespieltheit zieht nicht. Die personelle Fluktuation im Kader hielt sich bisher nämlich arg in Grenzen: Sieben Abgänge stehen erst vier externen Neuverpflichtungen gegenüber, bei keinem anderen Verein tat sich in der Sommerpause bisher so wenig wie in Osnabrück. Ein Blick auf die Abgänge zeigt: Nur Anthony Syhre, den es zum Rivalen Würzburger Kickers zog, war in der abgelaufenen Saison als Stammspieler unumstritten gesetzt. Mit Tobias Willers und Michael Hohnstedt gingen verdiente Spieler, die jedoch nicht fehlerlos blieben – und daher nicht grundlos aussortiert wurden, von Willers‘ menschlichem Versagen beim Manipulationsverdacht im Mai ganz zu schweigen. Addy-Waku Menga, Frank Lehmann, Mohamed El-Bouazzati und Kemal Rüzgar erhielten kaum Einsatzzeiten, hier war die Trennung frühzeitig abzusehen.

Sparkurs bei den Neuzugängen

Klar ist aber auch: Auf Seiten der Neuverpflichtungen übte sich der VfL Osnabrück – aus welchen Gründen auch immer – bisher in enormer Bescheidenheit. Als "Königstransfer" dürfte Tim Danneberg gelten, der vom Chemnitzer FC an die Bremer Brücke gewechselt war. Die Leihe von Christian Bickel, der zuletzt beim sportlich abgestiegenen SC Paderborn aus verschiedenen Gründen keine wirkliche Rolle spielte, muss ihre Wirkung, muss ihre Sinnhaftigkeit für die Klubs erst noch nachweisen. Tim Paterok und Furkan Zorba kommen als Perspektivspieler und werden sich vorerst gedulden müssen.

Lässt sich Enochs nicht in die Karten schauen?

Im Normalfall müsste der VfL trotz stetiger finanzieller Engpässe und Verpflichtungen noch das Potenzial besitzen, ein bis zwei gestandene Spieler zu verpflichten. Die enttäuschenden bis erschreckenden Ergebnisse der Vorbereitung, die trotz schwankender Aussagekraft schlichtweg nicht ignoriert werden können, tun ihr Übriges dazu. Auch wenn klar gesagt werden muss: Trainer Enochs rotierte viel, schickte selten eine glaubhafte künftige Stammelf auf den Rasen. Er lässt sich nicht in die Karten schauen und dürfte, nein darf sich auch von der allgemeinen Stimmung nicht beeinflussen lassen.

Neuer Nährstoff für die Kritiker

Doch dem Übungsleiter kann diese Unruhe vor dem Auftakt nicht gelegen kommen. Seine Kritiker erhalten neuen Nährstoff, zudem erhält die zarte Euphorie zum Start in eine jede Spielzeit aktuell starke Dämpfer. Die Generalprobe gegen Werder Bremen, das Pokalspiel gegen den Hamburger SV und der attraktive Auftakt beim Karlsruher SC – das alles hatte die Stimmung in den letzten Wochen merklich angehoben, nun aber überwiegt der norddeutsche Pessimismus. Ob das Auswirkungen haben wird? In den vergangenen Jahren profitierte der VfL von einer starken Hinrunde, spielte so lange Zeit um den Aufstieg mit. Lange muss man sich jedoch auch nicht zurückerinnern, um den letzten missglückten Auftakt zu markieren: Vier Spieltage ohne Sieg dauerte es nur, da trennte sich der VfL Osnabrück im Jahr 2015 von seinem damaligen Trainer Maik Walpurgis. Blickt man auf die aktuelle Grundstimmung, so dürfte sich wohl auch Enochs keine derartige Phase erlauben. Zum Glück kann die Vorbereitung alles, aber auch nichts aussagen.

   
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