12. Januar 2016 um 12:28 Uhr

Hinrundenfazit Sonnenhof Großaspach: Ein Dorf träumt

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© imago/Eibner

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Nach 21 Spieltagen steht mit der SG Sonnenhof Großaspach der wohl kleinste Verein der Liga auf einem für seine Verhältnisse sensationellen zweiten Tabellenplatz. Doch ist der Erfolg von Rüdiger Rehm und Co. wirklich so überraschend? Und wohin wird der Weg der Baden-Württemberger führen? liga3-online.de wirft einen Blick auf die Hinrunde im Fautenhau.

Das lief gut

Nahezu alles! Dass die SG schon zum Jahreswechsel 35 Punkte aufweist und damit den Klassenerhalt nahezu sicher eingetütet hat, ist eine Wahnsinnsleistung von Spielern und dem Trainerteam. Daher dürfte sich allenfalls Großaspach selbst noch zaghaft mit der unteren Tabellenhälfte beschäftigen – für sämtliche Kontrahenten ist die Heimat von Schlagersängerin Andrea Berg zu einem mehr als ernstzunehmenden Aufstiegsrivalen gereift. Ein Punktgewinn gegen Dynamo Dresden, Siege über die Konkurrenten aus Magdeburg und Münster sowie echte Sahnetage wie in Rostock, Bremen oder Stuttgart: Es läuft vieles richtig in Baden-Württemberg – und besonders die Offensive verdiente sich immer wieder Bestnote. 38 erzielte Treffer sind nach Ligaprimus Dynamo Dresden Bestwert – gleich vier Spieler haben mindestens fünf Tore erzielt. Dementsprechend schwer ist die Mannschaft auszurechnen. Zudem überzeugte Großaspach immer wieder mit einer über 90 Minuten überragenden Laufleistung, die zahlreiche Gegner regelrecht zermürbte – wer nicht fit ist, kann die SG nicht schlagen.

Das lief nicht gut

Heimschwäche? Auswärtsschwäche? Die gibt es in Großaspach nicht – sämtliche relevanten Werte müssen sich keinesfalls verstecken. Ein kleiner Makel bleibt an den 25 kassierten Gegentreffern festzumachen, denn das stellt in der Spitzengruppe den Höchstwert dar. Doch: Dass das Offensivspiel der SG Sonnenhof einen kleinen Tribut in der Defensive fordert, war zu erwarten. Unter dem Strich bleibt mit dem zweiten Platz ein riesiger Gewinn – zumal die Großaspacher auch bei vielen Gegentoren nicht zwangsläufig als Verlierer vom Platz gingen: So etwa beim 3:3 gegen den VfL Osnabrück, dem spektakulären 4:2-Sieg über den Chemnitzer FC oder bereits drei 2:2-Unentschieden. Die SG Sonnenhof Großaspach, sie steht derzeit für Tore, Spielfreude und einen richtig attraktiven Drittliga-Fußball. Das hätte noch deutlich mehr Zuschauer verdient als die rund 2000 Heimzuschauer, die zu „normalen“ Ligaspielen die mechatronik-Arena säumen.

Die Bewertung der Neuzugänge

Besonders in der Offensive hatten die Verantwortlichen im Fautenhau nach einer insgesamt zufriedenstellenden Drittliga-Premierensaison 2014/2015 noch Verbesserungspotenzial gesehen: 39 Tore erzielten die Rot-Schwarzen. Nun sind es bereits derer 38 nach etwas mehr als der Hälfte der Spielzeit 2015/2016 – und das ist zu großen Teilen Pascal Breier, Max Dittgen und Timo Röttger zu verdanken. Breier, zuvor beim VfB Stuttgart II, steuerte neun Tore und drei Vorlagen bei, während der vom 1. FC Nürnberg nach Schwaben gewechselte Dittgen auf vier Treffer und fünf Vorbereitungen kommt. Routinier Röttger wagte von Viktoria Köln aus nochmals den Schritt ins Profigeschäft – und zahlte das Vertrauen in ihn mit insgesamt neun Scorerpunkten zurück.

In der Defensive wurden derweil nur wenige Neuverpflichtungen getätigt: Tobias Schröck etablierte sich als Stammspieler, während Kevin Broll zuletzt wieder Christopher Gäng den Vorzug lassen musste. Enttäuschen tat bisher Stürmer Roussel Ngankam, der sein Talent im Saisonverlauf noch nicht auf den Platz bringen konnte.

Der beste Spieler

Wertvollster Spieler ist für die SG Sonnenhof Großaspach bisher Michele Rizzi – da kann auch (noch) kein Neuzugang mithalten. Der Wert des Deutsch-Italieners, der vor seinem Engagement bei der SG nie drittklassig spielte, ist immens: Zwölf Scorerpunkte sammelte der Mittelfeld-Allrounder – schon im letzten Jahr hatte er mit derer 17 maßgeblich zum Klassenerhalt beigetragen. Als Kapitän ist er zudem für die Leitung des jungen, wilden Haufens um sich herum zuständig. Bisher erfüllt er diese Aufgabe mit höchster Souveränität.

Der schwächste Spieler

Die SG Sonnenhof Großaspach kommt über die Stärke im Verbund und nicht über Einzelkönner – daher fiel auch niemand so sehr ab, als dass ihm die Rolle des schwächsten Spielers zugeordnet werden könnte. Spieler wie Ngankam, Außenverteidiger David Kienast oder Flügelspieler Josip Landeka erhoffen sich sicherlich noch mehr Einsatzzeiten – der mannschaftliche Erfolg sollte jedoch auch bei den unzufriedenen Spielern für relativ gute Laune sorgen.

Fazit

Die Hinrunde wird noch lange in Erinnerung sämtlicher Fans der SG Sonnenhof bleiben – Platz 2 schürt sogar Träume in Richtung zweiter Bundesliga. Zu verdanken haben die Baden-Württemberger dies einer geschlossenen Mannschaftsleistung und mit Rüdiger Rehm einem Trainer, der in seiner Amtszeit eine feste Philosophie verfolgte, die nun ihre Früchte trägt. Noch vor der Spielzeit prognostizierten zahlreiche Experten ein schweres zweites Jahr im Fautenhau – sie sollten sich allesamt irren. „46 Punkte“ wird Rehm dennoch weiterhin stets von seinen Mannen verlangen – die Bescheidenheit ist gegeben und es wird von Spiel zu Spiel gedacht. Eine sympathische und erfolgsversprechende Art und Weise, den Fußball zu denken – und die Dritte Liga ein ums andere Mal ins Staunen zu versetzen.

Prognose

So verwegen ein möglicher Aufstieg von Großaspach klingen mag, so realistische Formen könnten diese Gedanken in zwei oder drei Monaten annehmen. Die SG ist mittendrin statt nur dabei – und besitzt die Chance, das Rennen um die oberen Plätze bis zum Ende hin offen zu halten. Ein Favorit sind die Rot-Schwarzen mit Sicherheit nicht, aber wer kann sich schon als solcher bezeichnen? Der Aufsteiger aus Magdeburg, talentierte, aber noch unerfahrene Auer Veilchen? Oder die Wundertüten Preußen Münster und VfL Osnabrück? Irgendjemand wird am Ende den zweiten sowie dritten Tabellenrang belegen und an das Tor zur zweiten Bundesliga klopfen. Eine Platzierung in der oberen Tabellenhälfte ist in jedem Fall schon jetzt mehr als realistisch – und die Saison damit, ungeachtet von einer möglicherweise schwächeren Rückrunde, als Erfolg zu werten.

 

 

 

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