16. August 2017 um 11:01 Uhr

DFB will Kollektivstrafen "bis auf Weiteres" abschaffen

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© Ulrich

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Überraschende Wende im Streit zwischen den aktiven Fangruppen und dem Deutschen Fußball-Bund. Wie DFB-Präsident Reinhard Grindel am Mittwoch in einer Stellungnahme bekanntgab, sollen Kollektivstrafen wie Blocksperren und Teilausschlüsse "bis auf Weiteres" abgeschafft werden. Damit will der Verband ein Zeichen setzen.

Grindel wirbt für Dialog mit den Fans

In einer Mitteilung des DFB wirbt Grindel für einen gemeinsamen Dialog mit Fanvertretern: "Wir müssen im Dialog Vertrauen aufbauen, Missverständnisse ausräumen und gemeinsam klare Linien und Grenzen festlegen." Hierzu gehöre der Verzicht auf Gewalt, macht der DFB-Präsident klar. Es müsse, so Grindel, Schluss sein mit martialischen Aufmärschen, "Kriegserklärungen" und menschenverachtenden Aktionen. Gemeinsam soll nach Wegen gesucht werden, "um zu transparenten und gerechten Maßnahmen zur Wahrung eines positiven Stadionerlebnisses zu kommen", heißt es weiter. Gleichzeitig soll erörtert werden, "was wir zum Erhalt und zur Verbesserung der Fankultur in unseren Stadien tun können."

Kollektivstrafen sollen ausgesetzt werden

Mit dem Angebot zum Dialog geht der DFB nun einen zuletzt vermissten Schritt auf die Fans zu und will seinem Kontrollausschuss daher empfehlen, "bis auf Weiteres darauf zu verzichten, Strafen zu beantragen, die unmittelbare Wirkung auf Fans haben, deren Beteiligung an Verstößen gegen die Stadionordnung nicht nachgewiesen ist." Konkret heißt das: Kollektivstrafen wie Blocksperren, Teilausschlüsse oder Geisterspiele soll es in Zukunft nicht mehr geben – zumindest vorerst. Ob bereits ausgesprochene Urteile – etwa das Gästefan-Verbot gegen Hansa Rostock – wieder aufgehoben beziehungsweise rückgängig gemacht werden, ließ der DFB offen. Die Unabhängigkeit der DFB-Sportgerichtsbarkeit "bleibt unberührt", teilte der Verband stattdessen mit und betonte, dass es sich nicht um keine kurzfristige Reaktion auf aktuelle Ereignisse, sondern um eine "seit einiger Zeit auf Basis zahlreicher Gespräche vorbereitete Erklärung" handele. Nun liegt der Ball und auch die Verantwortung bei den Fans.

 

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  • Uwe Biermann

    sehe ich genau wie Sie. Quasi die Kapitulation vor Kriminellen. Ich brauche keine Ultras im Stadion. Für nichts.

    • Norm An

      Viel Spaß mit der Kulisse wie bei einem Nationalmannschaftspiel.
      Null Stimmung, null Spaß.
      Was man an den Ultras hat merkt man erst wenn sie nicht mehr da sind.

  • Philipp Schramm

    Also im Umkehrschluss, diese "Idioten" haben gewonnen und können ab sofort im Stadion tuen und lassen was sie wollen. Haben ja quasi nichts mehr zu befürchten, außer das wohl dann die Geldstrafen immer weiter steigen werden und dadurch der ein oder andere Verein erst recht in finanzielle Schwierigkeiten kommen wird.
    Aber auch das wird diese "Idioten" nicht interessieren.

    • Sterneneisen

      Blocksperren sind viel größere finanzielle Verluste als reine Geldstrafen

      • Philipp Schramm

        Denkst du, der DFB gibt sich dann mit 10.000 oder 15.000 Euro zufrieden? Daraus werden dann schnell mal 50.000 oder 60.000 Euro. Und nun nenne mir einen Verein, der sowas auf Dauer zahlen kann.

      • Sterneneisen

        Hätte, hätte und vielleichts.
        Die Glaskugel sollten wir erst einmal zur Seite legen. Von erhöhten Strafen war nie die Rede. Nichts all Spekulation, vor allen die "welcher Verein kann…".
        Zum Thema ist ein aktueller Artikel der Zeit zu empfehlen, da wird die Problematik sehr differenziert betrachtet, im Gegensatz zu den Diskussionen in einschlägigen Foren.

    • Fat Tony

      Genau, die "Idioten" haben gewonnen und dem DFB endlich zu Gesprächen gezwungen. Auf anderem Wege scheint es nicht funktioniert zu haben. Aber die Gründe liegen doch ganz woanders. Wenn Hannover schon auswärts (in der kommerziellsten Liga der Welt) bei einem Testspiel Ausschreitungen hervorruft, ist dem DFB klar woher der Wind demnächst weht. Deshalb ja auch die Aussage von Grindel für 50+1 zu sein. Dem DFB geht es um viel Geld, dir um Popcorn-Fußball und den Kleinkriminellen um das Ausleben ihrer unterdrückten Männlichkeit :-) (Aber das glaubt mir jetzt wieder keiner, weil ich kein Professor für Fankultur bin, die ja sogern zitiert werden)

      • Philipp Schramm

        Ich will überhaupt keinen "Popkorn-Fußball" sehen, aber ich will ins Stadion gehen, um ein packendes Fußballspiel zu sehen, ohne Angst haben zu müssen, jeden Moment irgend einen Böller oder ’ne Rakete an den Schädel geworfen zu bekommen.

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