Zwischenfazit Halle: Konstanz der Schlüssel zum großen Erfolg

Ein Drittel der Saison 2013/2014 ist bereits absolviert. Grund genug, die 20 Drittligisten in einem Zwischenfazit unter die Lupe zu nehmen. Heute: der Hallesche FC. Die Mannschaft von Trainer Sven Köhler startete von allen 20 Teams am schlechtesten in die Saison und platzierte sich nach den ersten vier verlorenen Spieltagen auf dem letzten Tabellenplatz. Während die recht zahlreichen Kritiker an der Saale sofort den Rauswurf von Trainer Köhler forderten, gab der Verein sprichwörtlich sein letztes Hemd für den Transfer von Stürmerstar Timo Furuholm und lotste den Goalgetter der vergangenen Rückrunde fest zurück nach Sachsen-Anhalt. Prompt folgte eine klare Leistungssteigerung und aus den folgenden acht Spielen holte man starke 16 Punkte und kletterte zwischenzeitlich sogar auf Platz 9 in der Tabelle. Zuletzt fiel man aber nach der herben 0:4-Klatsche gegen Borussia Dortmund II auf Platz 13 zurück. Trotzdem zeigte die Formkurve der Hallenser zuletzt klar nach oben und das Zusammenspiel wurde flüssiger und effektiver. Im Folgenden schaut sich liga3-online.de die bisherige Saison des Halleschen FC einmal genauer an.

Das lief bisher gut

Die Heimauftritte

Zwar hat die Mannschaft von Sven Köhler mit drei Siegen und drei Niederlagen eine ausgeglichene Heimstatistik, allerdings gab die Mannschaft bei jedem ihrer Auftritte im heimischen ERDGAS-Sportpark klar den Ton an. Angefangen beim 0:1-Auftakt gegen RB Leipzig, über das 1:2 gegen Wehen-Wiesbaden, bis hin zum 0:1 gegen den 1. FC Heidenheim zeigte die Mannschaft jeweils eine sehr couragierte und ansprechende Leistung, hatte es allerdings mit den clever konternden Gegnern schwer und vermisste am Ende oft das letzte Quäntchen Glück im Abschluss, um den jeweiligen Kontrahenten die Punkte streitig zu machen. Besser machte man es in den Spielen gegen Elversberg, Osnabrück und Chemnitz, welche auch in ihrer Chronologie mehr und mehr aufzeigten, zu was die Mannschaft in der Lage ist, wenn sie zu 100 Prozent eingespielt ist.

Das Mannschaftsgefüge

Wenn es um die Bindung von neuen Spielern in ein mannschaftliches System geht, geht der Punkt seit nun mehr sechs Jahren an Trainer Sven Köhler. Der sympathische Sachse, der vor seiner Ära beim HFC für die SG Dynamo Dresden tätig war, ist ein kompletter Trainer, um den sich die Hallenser von anderen Drittligisten durchaus beneiden lassen dürfen. Er schaffte es ein weiteres Mal, ganze 14 Neuzugänge mit den verbliebenen neun Spielern aus der Vorsaison zu einer Mannschaft zu formen und ihnen ein modernes und kombinationsstarkes Spielsystem zu erläutern, welches Woche für Woche neu modifiziert und von den Spielern stetig besser umgesetzt wird. So fördert die von Köhler angetriebene Rotation die Arbeitsbereitschaft, aber auch die Zufriedenheit in der Mannschaft, was für eine gute Stimmung sorgt und das Mannschaftsgefüge weiter verfestigt.

Das lief bisher nicht gut

Die Konstanz

Trotz der starken Punkteausbeute gelingt es den Hallensern bisher noch nicht, ihr Pensum im regelmäßigen Wochenrhythmus abzurufen. Dieses Problem, was mit Ausnahme von Heidenheim in dieser Saison nahezu jeden Drittligisten betrifft, ist vor allem in der Vielzahl der Neuzugänge begründet, die der HFC vor der Saison begrüßte. Zudem hatte man mit einer Vielzahl Verletzungen und Sperren zu kämpfen.

Der Abschluss

13 Tore sind, bei ordentlichen 16 Gegentoren, bisher kein schlechter Schnitt, wenn man allerdings die Vielzahl verschenkter Chancen in der Mehrzahl der bisher absolvierten Spiele sieht, ist der Abschluss definitiv ein Problem der Hallenser. Allein in den Partien gegen Heidenheim oder RB Leipzig hätte der HFC zumindest das Tor treffen müssen, scheiterte allerdings an dieser Aufgabe. Bisher trifft nur Timo Furuholm konstant, mit Abstrichen auch Akaki Gogia und Sören Bertram, alle drei haben allerdings auch immer wieder beste Chancen verschenkt und müssen, wie die gesamte Elf, weiter am Abschluss arbeiten.

Bewertung der Neuzugänge: Robert Schick

Als nomineller Linksverteidigerbackup in die Mannschaft gekommen, spielte sich der 20-Jährige mit einer beeindruckenden Willenskraft in die erste Mannschaft, allerdings als Linksaußen, wo er seine Rolle weniger offensiv interpretiert als beispielsweise Akaki Gogia, und mehr für die Flankenarbeit zuständig ist. Trainer Sven Köhler zeigte sich mehrfach beeindruckt von Schicks Trainingsleistungen. Ist nun allerdings nach seinem infantilen Foul aus dem Chemnitz-Spiel noch rotgesperrt.

Pierre Kleinheider & Dominik Kisiel

Die 23-jährigen Torhüter kamen vor der Saison vom FSV Frankfurt bzw. vom Berliner AK und bilden nun das vielleicht stärkste Torwartduo der Liga. Kisiel war nach der Saisonvorbereitung als vorläufige Nummer 1 in die Saison gestartet und war keinesfalls Schuld an den Niederlagen in seinen ersten drei Saisonspielen. Dann verletzte sich der Pole, Kleinheider trat seinen Dienst an und enttäuschte weder Trainer, noch Mannschaft, noch Fans. Mit zum Teil unglaublichen Reflexen hielt er den HFC ein ums andere Mal im Spiel und ist schon jetzt ein würdiger Nachfolger von Torwartlegende Darko Horvat, der seine Karriere in Kroatien ausklingen lässt. Sollte Kleinheider ausfallen, wartet mit Kisiel ein nahezu gleichwertiger Mann auf der Bank, der seinem Kollegen gleichsam im Nacken sitzt und ihn zu Höchstleistungen anspornt.

Pierre Merkel

Er trat als Nachfolger von Timo Furuholm an und steht nun im Schatten seines zurückgekehrten Vorgängers. Auch wenn die Niederlagenserie zu Beginn der Saison nicht in ihm begründet lag, so stellte es ihn oberflächlich gesehen in kein gutes Licht, dass mit seiner Degradierung und seinem Sturmkollegen Furuholm der Erfolg an die Saale zurückkehrte. Fakt ist aber, dass Merkel bisher keine Verstärkung darstellt.

Bester bisheriger Spieler: Akaki Gogia

Furuholm oder Gogia, das war hier die Frage. Der Deutsch-Georgier entschied sie mit einer beispiellosen Serie von guten Spielen und ist ein fester Bestandteil der durch Rotation oft veränderten Startelf. Zwar fehlt auch „Andi“ bisweilen die Konstanz, an guten Tagen ist er aber in der Lage, ein Spiel nahezu allein zu entscheiden, was im Alter von 21 Jahren ein ordentliches Pfund ist. Seine Pässe und Dribblings sind aus der Mannschaft des HFC nicht mehr wegzudenken.

Eher enttäuschend: Adli Lachheb

Als gefeierter Abwehrchef vor drei Jahren aus Halle nach Aue gewechselt, ist der zurückgekehrte Lachheb von heute nach Stationen im Erzgebirge und in Duisburg nicht mehr der Lachheb von damals. Die Fans des HFC flehen beinahe nach einem Grund für den extremen Leistungseinbruch des Tunesiers. Ist er durch eine alte Verletzung belastet, hat er private Probleme? Niemand kann sich so recht vorstellen, was mit dem einstigen Brecher in der Innenverteidigung passiert ist. Selbst bei seinen mehr oder weniger auferlegten Einsätzen in Halles U23 in der NOFV-Oberliga Süd (5. Liga) wirkt der 26-Jährige unsicher und hölzern. Vor einigen Wochen wurde er im kleinen Derby gegen den VfL Halle 96 nach zahlreichen Unsicherheiten immer wieder von seinem Nebenmann Patrick Mouaya beruhigt. Bisher äußerte sich Lachheb nicht zu seinen Leistungen, wurde aber mehrfach vom Trainer und den Medien kritisiert.

Fazit

Beim HFC läuft es nach 12 Spieltagen bis auf kleinere Schwierigkeiten ziemlich rund. Die Mannschaft wächst von Spiel zu Spiel und Trainer Sven Köhler mahnt mehr denn je zur Konzentration und Leistung. Auch ihm ist bewusst, dass er einen der stärksten Kader trainiert, die der HFC seit der Wende besaß und dass dieser ambitioniert genug sein sollte, die Erfolgsgeschichte des ostdeutschen Traditionsvereins in naher Zukunft weiterzuverfolgen.

Ausblick

Wie schon vor einigen Wochen geschrieben, stehen dem HFC bei konstanter Formkurve nahezu alle Türen offen. Das Saisonziel Klassenerhalt darf mit dem Kader keine Frage sein, ein Mittelfeldplatz ist realistisch. Das Konstanz den Verein auch schnell ins obere Tabellendrittel führen kann, zeigt momentan der SV Darmstadt 98. Potenzial für einen ähnlichen Lauf hat die Mannschaft des HFC, bis zur Winterpause dürfte sich die Mannschaft aber erst einmal zwischen Platz 6 und Platz 10 einpegeln.

FOTO: Marcus Bölke

   
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