Zwischenfazit Hallescher FC: Im Niemandsland der Tabelle

13 Spieltage, und damit rund ein Drittel der Saison 2014/2015 sind bereits absolviert. Die nun anstehende Länderspielpause nutzt liga3-online.de, um ein erstes Zwischenfazit zu der bisherigen Saison der 20 Drittligisten zu ziehen. In der heutigen Ausgabe werfen wir einen Blick auf den Halleschen FC. Der HFC grüßt zurzeit mit 15 Punkten und Platz 13 aus dem Niemandsland der Tabelle. Zu gut für die Abstiegszone, zu schwach für den Aufstiegskampf – das alte Leid der Saalestädter setzt sich damit auch in der dritten Drittliga-Saison fort.

Das lief bisher gut

Bis zum bisher letzten Auswärtsspiel gegen Preußen Münster war der HFC ungeschlagen die beste Auswärtsmannschaft der Liga. Auf überragende Art und Weise gelang es der Mannschaft von Sven Köhler im Zwei-Wochen-Rhythmus sämtliche Heimspielblockaden zu vergessen und Gegner, egal welchen Niveaus, in ihrem jeweiligen Stadion vorzuführen. Absteiger Bielefeld wurde so mit 5:1 deklassiert. Unterhaching, welches damals noch zum oberen Tabellendrittel gehörte, mit 4:0. Selbst gegen Hansa Rostock wurde der Bann von Trainer Köhler gebrochen, noch nie in Rostock  gewonnen zu haben. Anders als in den letzten Jahren liegt das auch an der guten Stimmung in der Mannschaft. Die Neuzugänge haben sich gut integriert, zudem kamen durch diverse Verletzungen, bis auf die U23-Spieler Max Barnofsky und Alexander Schmitt, sowie Ersatzkeeper Lukas Königshofer, alle Spieler auf mindestens drei Einsätze. Auch mit regelmäßiger Rotation konnten gravierende Abwehrschwächen aus der letzten Saison mittlerweile ausgebügelt werden. Die vier Innenverteidiger Marcel Franke, Florian Krebs, Dominic Rau und Patrick Mouaya harmonieren allesamt, Rau gelang es zudem, vom zwischenzeitlichen Abstellgleis wieder in die Mannschaft zu finden. Die Arbeitsmoral stimmt also ebenfalls.

Das lief bisher nicht gut

Wie angedeutet waren die Auswärtsauftritte des HFC der klare Kontrast zu den Spielen im heimischen ERDGAS-Sportpark. Bis zum 13. Spieltag gelang es dem HFC kein einziges Heimspiel zu gewinnen, zudem stehen lediglich zwei Unentschieden zu Buche. Dabei wurde die Köhler-Elf vor allem gegen Chemnitz, Köln, die Stuttgarter Kickers und Erfurt phasenweise vorgeführt, allein im letzten Spiel gegen Erfurt scheiterte der HFC auch noch nach einer sattelfesten ersten Halbzeit und einer 1:0-Führung. Erklären kann man sich diese Serie an der Saale schon lange nicht mehr. Nach der ersten Auswärtsniederlage zittert man nun aber etwas mehr vor den kommenden Spielen. Problematisch wird es dort vor allem im Angriff, denn nominell gibt es nur zwei Stürmer: Timo Furuholm und Osayamen Osawe. Während Osawe zuletzt richtigerweise vermehrt auf dem Flügel eingewechselt wurde, allerdings immer noch große technische und kämpferische Defizite aufweist, ist Furuholm die Enttäuschung der Saison. Lediglich in Unterhaching wusste der Finne zu überzeugen, ansonsten zeichnete er sich mit jedem weiteren Fehlschuss mehr durch Lustlosigkeit aus. Während in der vergangen Saison die Abwehr wackelte, ist nun der Sturm das Sorgenkind in Halle.

Der beste Spieler: Maximilian Jansen 

Als Maximilian Jansen im Sommer an die Saale wechselte, hatte er sich vor allem lehrreiche Kurzeinsätze hinter den Routiniers Ivica Banovic und Tim Kruse versprochen. Dann heilte Banovics Verletzung nicht und Jansen stand plötzlich in der Startelf und lässt sich nun nicht einmal von Ex-Nationalspieler Marco Engelhardt verdrängen. Der 21-Jährige ist eine Bank vor der Abwehr. Würde man sich nicht seit Wochen an seinem kompromisslos-pragmatischen Spiel erfreuen, würde er oftmals gar nicht auffallen, denn in einer Zeit, in der jeder Fußballspieler alles gleichzeitig können will, macht Jansen einfach seinen Job. Für sein Alter ist er erstaunlich bodenständig und ausgereift, vertraut trotz Rückschlägen auf sein Können und spielte so selbst noch auf hohem Niveau, als seinen routinierteren Kollegen sichtbar mit der hohen Belastung von englischen Wochen zu kämpfen hatten. Jansen ist mit Abstand der Gewinner der ersten Spieltage beim HFC.

Der schwächste Spieler: Timo Furuholm

Vermutlich gab es in den ersten Spielen schwächere Spieler als Timo Furuholm, aber bei keinem fällt es so gravierend auf, wie beim einstigen Heilsbringer. Der Finne ist der einzige nennenswerte Stürmer in einem Team, das sich zwar durchaus an einem System mit falscher Neun (Andy Gogia) versucht hat, aber dabei erschreckend harmlos war. So sind alle Augen auf den baumlangen Finnen gerichtet, der sich mit dem Abgang seines Landmannes Kristian Kojola laut Medien völlig von der Mannschaft isoliert hat. Dass er das Tor mittlerweile häufiger verfehlt als trifft, sei ihm vergönnt, wenn dafür die kämpferische Leistung stimmen würde. Doch zu oft trabt Furuholm lustlos über den Platz, legt sich mit Mitspielern, dem Trainer und, wie zuletzt, dem Schiedsrichter an, was die Mannschaft durch Sperren noch mehr schwächt. Momentan trainiert er zur Strafe mit der U23, zurückkehren wird er nach seiner Sperre vermutlich wieder – aus Mangel an Alternativen.

Fazit

Der HFC war vor der Saison der meistgenannte Geheimfavorit auf den Aufstieg, doch mit den ersten Auftritten wurde dieses Prädikat blitzschnell in der Schublade versteckt. Die Mannschaft hat immenses Potenzial, aber auch große psychische Schwächen, lässt sich zu oft verunsichern und reagiert gereizt, wenn es nicht läuft. Dazu kommt ein ziemliches Verletzungspech, allein Leistungsträger Sören Bertram fehlt seit Wochen, obwohl seine Blessur längst verheilt sein sollte. Momentan schaut man sogar vorsichtshalber eher ins untere Tabellendrittel, als nach oben. Positiv ist die Entwicklung vieler junger Spieler zu sehen: Gogia wird immer konstanter und übernimmt seiner Leistungsfähigkeit entsprechend Verantwortung, Jansen räumt kompromisslos vor der Abwehr auf, dahinter warten Talente wie Stanley Ratifo oder Max Barnofsky auf die große Chance. Parallel dazu laufen allerdings wichtige Spieler wie Pierre Kleinheider, Timo Furuholm oder auch Tim Kruse ihrer Form hinterher.

Prognose

Der HFC wird keinesfalls etwas mit dem Abstieg zu tun haben – mit dem Aufstieg allerdings auch nicht. Der große Traum, für eine Überraschung sorgen zu können, ist erst einmal ins Wasser gefallen, stattdessen das gleiche Bild, wie in den letzten Jahren auch: Ein Dasein im Niemandsland der 3. Liga. Der Anspruch des HFCs ist das nicht, darüber hinaus kommt man aber nicht. Kurioserweise nicht, weil man die Schlüsselspiele verliert, sondern weil man oftmals die vermeintlich leichten Partien nach den gewonnenen Schlüsselspielen verliert. Insbesondere im heimischen Stadion. Und so gibt es momentan keinerlei Anzeichen dafür, dass sich dieses Auf und Ab in der laufenden Saison signifikant ändern wird. Der HFC ist in der 3. Liga angekommen – leider.

FOTOS: Marcel Junghanns / Marcus Bölke

   
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