Zivojin Juskic: "Darmstadt 98 verdient größten Respekt"

Zivojin Juskic ist dem geneigten „Lilien“-Fan noch immer ein Begriff: Absolvierte er doch insgesamt 150 Partien für Darmstadt 98 (Zwischen 2000 und 2007), den Großteil davon als Kapitän. Aufgrund seines Spielstils und seines stets hohen Einsatzes avancierte er zur absoluten Identifikationsfigur. Außerdem kann er auf acht gespielte Derbys zurückblicken und ist somit ein idealer Gesprächspartner für liga3-online.de bezüglich des anstehenden Traditionsduells Kickers Offenbach gegen den SV Darmstadt 98 am kommenden Samstag. Im Interview berichtet er über seine Derby-Erfahrung, Annekdoten zu diesem Spiel und über seine Einschätzung zur aktuellen Saisonleistung der Darmstädter.

Herr Juskic, welche Erinnerungen haben Sie als langjähriger Spieler und Mannschaftskapitän des SV Darmstadt 98 an die Derbys gegen die Offenbacher Kickers?

Da ich ja in meiner Karriere bei Darmstadt 98 nicht viele Tore geschossen habe, kommt mir zunächst mein Treffer zum 2:1 auf dem Bieberer Berg in meiner ersten Saison 2000/01 in den Sinn. Das war schon toll, gleich in solch einem Spiel das Siegtor zu schießen. Auch an die Freude der Fans nach dem Spiel kann ich mich gut erinnern, aber ich habe noch etwas gebraucht, um zu begreifen, was dieses Tor für die Leute bedeutet hat.

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Wie hat sich der besondere Stellenwert des Derbys gegen Offenbach geäußert?

Es war immer richtig viel los: Oftmals waren da jeweils 10.000 – 12.000 Leute im Stadion, während wir sonst 4.000 – 5.000 Zuschauer hatten. Das war keine normale Regionalliga-Atmosphäre, das hatte schon etwas von Profi-Fußball. Außerdem konnte man sozusagen jedes Spiel verlieren, solange man gegen Offenbach gewann. Da konnten die Fans dann schon einiges verzeihen. (lacht) Doch so richtig habe ich das erst nach einiger Zeit verstanden, nachdem ich mit den Anhängern in Kontakt gekommen bin. Die Gespräche haben mir verdeutlicht, dass diese Spiele etwas ganz besonderes sind.

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Ist man als Spieler bei solch einer Atmosphäre wirklich motivierter als bei „normalen“ Spielen?

Für mich persönlich war das etwas anders, da ich aus dem Profibereich nach Darmstadt kam und zudem mit 30 Jahren schon ein erfahrener Spieler war. Da ich in meiner Karriere schon vor 60.000 Zuschauern gespielt hatte, waren diese Spiele nicht der absolute Ausnahmezustand für mich. Doch für andere waren Sie bestimmt ein Höhepunkt der Karriere.

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Gibt es eine oder mehrere interessante Anekdoten?

Nach dem Siegtor in Offenbach haben mir die Fans große Zuneigung entgegengebracht, z.B. hat ein Anhänger vorgeschlagen die Statue vom langen Ludwig am Luisenplatz abzumontieren und eine von mir darauf zu stellen. Allerdings habe ich auch ein paar andere Szenen im Kopf, z. B. als einige Darmstädter Fans nach einer Niederlage in Offenbach 2002 die Zufahrt zum Böllenfalltorstadion versperrten und uns die Polizei empfahl, einen anderen Weg zu den Kabinen zu nehmen. Aus meiner Sicht haben wir eigentlich nicht schlecht gespielt, aber die Fans waren wohl sehr verärgert.

Letztendlich sind wir von hinten durch den Wald und über das Trainingsgelände in die Kabine gelangt. (lacht) Und auch Stefan Raab hat sich mit seiner Sendung „TV Total“ 2004 für ein Duell zwischen OFC und SVD interessiert: Es wurde eine Szene von einem Zweikampf an der Mittellinie gezeigt, in der ich auf dem Boden lag und einem Gegenspieler von unten in die Weichteile greife. (lacht) Aber das sind genau diese Momente – So etwas macht man nicht in einem normalen Spiel. Da passieren manchmal solche Dinge, die man sich hinterher nicht wirklich erklären kann.

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Das heißt, dass in solch einem Derby doch auch mit einem erfahrenen Spieler wie Ihnen die Emotionen durchgehen konnten?

Ja, vor allem später, als ich mich dann in das Umfeld integriert und verstanden habe, wie wichtig dieses Derby für die Leute ist. Die Emotionen wachsen mit der Identifikation. Da willst du dann einfach den Leuten etwas zurückgeben, die dich die ganze Zeit unterstützen und dann gehst du dann vielleicht mal über die Grenze. Nicht nur über die physische, sondern auch über die mentale: Dann ist man manchmal eben nicht so ruhig und konzentriert, wie man sein sollte.

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Sowohl Darmstadt als auch Offenbach hatten einen glatzköpfigen Kämpfer in ihren Reihen – bei den Lilien waren das Sie, beim OFC Matthias Dworschak. Welche Erinnerungen haben Sie an ihn?

Der Matthias war ein Spieler, dem ich den allergrößten Respekt zolle. Denn so habe ich immer einen Sportler gesehen. Er hat weder sich noch den Gegner geschont, aber nach dem Spiel konnte man sich die Hand geben. Für mich war er ein Mustersportler und –Spielführer.

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Mit dem aktuellen Kapitän Da Costa, zentrale Figur im Spiel des OFC, haben Sie noch selbst zusammen gespielt. Er ist ein Kapitän der mehr über das spielerische kommt, braucht es aber nicht jemanden wie Sie oder Matthias Dworschak, der kämpferisch voran geht?

Das hängt von der Einstellung des Trainers zu diesem Thema ab. Dem einen ist es wichtig, dass der Kapitän die Mannschaft mit seiner Einstellung, seinem Engagement mitreißen kann. Der andere sagt, es ist für einen Spielführer wichtiger, dass er mit seinen besonderen Momenten bzw. spielerischen Aktionen aufwecken kann. Elton da Costa ist genau so ein Spieler, der mit seiner Technik oder seinem linken Fuß den Unterschied ausmachen und beispielsweise mit einem guten Schuss oder Freistoß einen zusätzlichen Schub bewirken kann.

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Wie sind Sie mit der laufenden Saison des SVD zufrieden?

Die momentane Situation war zu erwarten. Denn nach dem überraschenden Aufstieg kann es nur um den Klassenerhalt gehen. Der kleine Umbruch vor der Saison war nötig, denn der Schritt von der Regional- in die dritte Liga ist doch recht groß. Wie ich es bisher verfolgt habe, hat oftmals nur das Quäntchen Glück bzw. die Erfahrung gefehlt, sonst hätte die Mannschaft noch mehr Punkte auf dem Konto. Doch ich glaube schon, dass die Mannschaft in der Winterpause, auch dank der Verpflichtung von Marko Kopilas noch stabiler geworden ist. Generell, das kann ich aus eigener Erfahrung beurteilen, ist in Darmstadt ganz schnell die Euphorie da, aber noch schneller die Kritik, wenn es mal nicht so gut läuft. Doch die Mannschaft und der Trainer verdienen große Unterstützung, denn sie sind auf einem guten Weg. Auch mit Blick auf die finanziellen Möglichkeiten, kann man zufrieden sein, dass Darmstadt 98 in der dritten Liga spielt. Da verdienen alle, die daran mitgearbeitet haben riesengroßen Respekt.

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Letzte Frage: Wie lautet Ihr Tipp für das Ligaspiel am 24.03.12?

Das Pokalspiel im Februar hat gezeigt, dass sich beide Mannschaften auf Augenhöhe bewegen. Doch solche Derbys sind immer abhängig von der Tagesform, da spielt die Tabellenplatzierung keine große Rolle. Das Spiel wird, egal wer spielen wird, eine ganz enge Kiste. Ich würde mich freuen, wenn Darmstadt gewinnt, vielleicht mit einem dreckigen 1:0 Sieg, aber ich glaube eher an ein Unentschieden mit wenigen Toren.

Vielen Dank für das Interview!

FOTO: o-m-d.org

 

   
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