Ziffert: "Charakter der neuen Mannschaft ist uns sehr wichtig"

Als Steffen Ziffert am 4. Juni als Sportdirektor des FC Erzgebirge Aue vorgestellt wurde, stand der FCE quasi ohne Spieler da. Nach dem bitteren Abstieg aus der 2. Bundesliga muss sie Aue in der kommenden Drittliga-Saison komplett neu aufstellen. Nachdem mit Pavel Dotchev ein neuer Trainer gefunden wurde, nahmen die Personalplanungen allmählich Fahrt auf. Auch wenn mit Steve Breitkreuz (Hertha BSC II) und Calogero Rizzuto (1. FC Kaiserslautern II) erst zwei Neuzugänge feststehen, laufen die Personalplanungen auf Hochtouren. liga3-online.de sprach mit Sportdirektor Steffen Ziffert über die Abgänge von Fabian Müller, René Klingbeil und Thomas Paulus, über weitere Neuverpflichtungen und das Ziel für die kommende Saison.

liga3-online.de: Herr Ziffert, seit einer Woche sind Sie nun offiziell Sportdirektor des FC Erzgebirge Aue. Wieviel Freizeit haben Sie seitdem genießen dürfen?

Steffen Ziffert: Meine Freizeit ist zurzeit sehr gering. Im Moment zählt nur die Kaderplanung für die neue Saison. Da müssen andere Dinge erst einmal warten.

War der Posten des Sportdirektor Ihr erklärtes Ziel oder wie kam es zu diesem Schritt?

Nein, der Sportdirektor war nicht mein Ziel, als ich hier beim FC Erzgebirge Aue anfing. Ich bin ja als NLZ-Leiter geholt worden, dann kurzfristig nach der Entlassung von Falko Götz als Trainer der ersten Mannschaft eingesprungen, dann Co-Trainer und jetzt wurde mir diese Aufgabe angeboten. Ein Zeichen von großem Vertrauen seitens der Vereinsführung.

Zuletzt konnten die Veilchen hauptsächlich Abgänge vermelden. Besonders der Abgang von Fabian Müller überraschte wohl einige Fans. Wieso müssen Sie Müller und andere Leistungsträger ziehen lassen?

Es ist doch klar: Wenn eine Mannschaft absteigt, orientieren sich die Spieler erst einmal neu. Wenn man in der 2. Liga weiterspielen kann, ist das aus sportlicher Sicht auch zu verstehen. Dass viele unserer Spieler von anderen Vereinen der 2. und 1. Liga Angebote erhalten, zeigt doch auch die gute Arbeit von uns. Wenn ein Spieler wie Fabian Müller, den wir auch gerne gehalten hätten, dann zu einem Verein in die 3. Liga wechselt, verstehe ich das genauso wenig wie unsere Fans.

Mit René Klingbeil und Thomas Paulus mussten auch zwei Auer Urgesteine gehen. Warum hat es für beide nicht für einen neuen Vertrag gereicht?

Man muss da grundsätzlich zwei Dinge trennen: das Menschliche und das Sportliche. Der neue Trainer Pavel Dotchev hat einen sportlichen Plan und den möchte er auch umsetzen. Wir möchten eine Mannschaft zusammenstellen, die auch die nächsten zwei bis drei Jahre zusammenspielt und sich entwickelt. Persönlich bedauere ich das sehr, da ich beide Spieler als vorbildliche Sportler schätze.

Wie weit sind Sie bei der Verpflichtung möglicher Neuzugänge und der Planung des künftigen Kaders?

Wir sind intern schon sehr weit – wir haben klare Vorstellungen. Wir möchten jeden Spieler auch im persönlichen Gespräch kennen lernen. Denn die Spieler sollen nicht nur sportlich, sondern auch menschlich zu uns passen. Der Charakter der neuen Mannschaft ist uns sehr wichtig.

Sie waren in der Vergangenheit in verschiedenen Positionen im Nachwuchsbereich tätig. Wird der eigene Nachwuchs auch in der Zukunft von Erzgebirge Aue eine größere Rolle spielen als zuletzt?

Ich habe nach der Beendigung meiner eigenen Laufbahn sehr viel im Nachwuchsbereich gearbeitet. Ich weiß, dass dieser Bereich nicht immer so behandelt und beachtet wird, wie er es verdient. Auch hier werde ich versuchen, zusammen mit den verantwortlichen Trainern, eine enge Verbindung zu halten. Wir müssen auch dort jetzt mit weniger Mitteln auskommen und trotzdem versuchen die Qualität anzuheben. Das ist mir sehr wichtig. Meine Botschaft lautet: “Wir waren alle mal Nachwuchs“.

Verspüren Sie den Druck, direkt wieder aufsteigen zu müssen? Oder geht es für Aue zunächst darum sich in der Dritten Liga einzufinden und den Neuaufbau abzuschließen?

Es ist doch klar, dass wir nach dem Abstieg und dem großen Aderlass erst einmal eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammenstellen müssen. Natürlich haben wir uns auch hohe Ziele gestellt und wenn die Möglichkeit besteht, sofort wieder aufzusteigen, werden wir das wahrnehmen. Und Druck hast Du immer, egal ob Du oben oder unten stehst.

In der Dritten Liga spielen eine ganze Reihe Vereine aus der ehemaligen DDR. Ihnen stehen somit eine ganze Reihe Derbys bevor. Freuen Sie sich auf diese Duelle oder befürchten Sie durch die Vielzahl sogenannter Risikospiele auch eine Reihe Sanktionen für den Verein?

Die vielen Traditionsvereine aus der ehemaligen DDR machen diese 3. Liga extrem lukrativ. Ich kenne ja die Duelle aus meiner eigenen Zeit. Hochinteressant für alle Fans, die sich trotz aller Rivalität doch auf den Fußball konzentrieren sollen. Sie schaden bei Sanktionen ihrem eigenen Verein. Und jeder Euro, der als Strafe gezahlt werden muss, tut den Vereinen gerade im Osten sehr weh. Mit unseren Fans wird es da aber wenige Probleme geben.

 

Mitarbeit: Tommy Könnel

 

 

   
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