Worauf Antwerpen aufbauen kann und wo er anpacken muss

Nicht gewonnen, nicht verloren: Das 2:2 gegen Preußen Münster war nicht der perfekte, aber ein ordentlicher Auftakt für Marco Antwerpen als Cheftrainer des SV Waldhof Mannheim. Gegen seinen Ex-Verein standen Formation, Spielidee und Neuzugänge auf dem Prüfstand. Nicht alles überzeugte auf Anhieb, doch eine Grundlage für den Kampf um den Drittliga-Verbleib scheint vorhanden. Eine Analyse.

Taktik und Spielidee: Viel Abstiegskrampf

Seinen schnörkellosen fußballerischen Ansatz binnen zweieinhalb Tagen zu integrieren – nein, zu Hexenwerk ist Antwerpen nicht fähig, und das hatte von ihm wohl auch kein Verantwortlicher des SV Waldhof erwartet. Weniger Ballbesitz als die Gäste, eine enorme Quote von langen Bällen und so gut wie keine flache Kombination durchs Zentrum: Der SVW, ohnehin in dieser Saison eher wenig für berauschende Spektakel in seinen Heimspielen bekannt, illustrierte den Tabellenplatz nahezu über die gesamten mehr als 95 Minuten. Daran änderte auch die Abkehr von der unter Rüdiger Rehm bewährten 4-2-3-1-Formation hin zu einer Dreierkette nicht viel.

Das "Schöne" daran: Selbst die simplen Mittel funktionierten punktuell bereits richtig gut. Das Führungstor von Terrence Boyd, so zufällig und unter gütiger Mithilfe der Münsteraner es auch entstanden war, resultierte aus einem langen Schlag aus der eigenen Hälfte. Auch das Gros der weiteren Möglichkeiten erzwang der Abstiegskandidat. Woran es massiv hapert, ist und bleibt die flache Spieleröffnung. Diese forderte Antwerpen ganz offensichtlich bereits ein – und sah den massiven Nachholbedarf. Schnelles Passtempo führte viel zu oft zu gegnerischen Einwürfen oder, noch schlimmer, zu direkten Abspielfehlern der Innenverteidigung ins Münsteraner Mittelfeld. Eine Baustelle, die Antwerpen lieber heute als morgen beseitigen will.

Neuzugänge: Klünter und Boyd als Schlüssel

Im ersten Spiel nach dem Ende einer wilden Winter-Transferphase hätte der SV Waldhof theoretisch fünf Neuzugänge aufbieten können. Und bis auf den neuen zweiten Torhüter Omer Hanin stand auch tatsächlich ein Quartett am Sonntagabend auf dem Feld. Der Auffälligste: Na klar, Terrence Boyd. Neben dem genannten 1:0-Führungstor führten etliche weitere weite Bälle und Hereingaben zu dem US-Amerikaner, dessen Präsenz im gegnerischen Strafraum auf Drittliga-Niveau weiterhin eine außergewöhnliche ist. Das Manko, das Boyd seit Jahren immer mal wieder beschäftigt, ist seine Effizienz – definitiv hätte er aus seinen Chancen ein zweites Tor umsetzen können. Aber auch in aktueller Form ist er für den Waldhof ein Unterschiedsspieler. Ihm fehlt ja schon jetzt nur noch ein weiteres Tor, um den (kläglichen) Mannheimer Spieler-Saisonbestwert von vier Treffern zu egalisieren.

Und die weiteren? Insbesondere Lukas Klünter, mit seiner Bundesliga-Erfahrung ohnehin ein gewaltiges Pfund im Abstiegskampf, sammelte mit Tempo und angenehm wenigen Fehlern etliche Pluspunkte und dürfte bis auf Weiteres gesetzt sein. Martin Kobylanski avancierte sogleich zum Standardschützen, ob sein "Ziehvater" Antwerpen die ins Stocken geratene Karriere des Deutsch-Polen wieder auf Kurs bringen kann, müssen aber die nächsten Wochen zeigen. Kevin Goden schließlich muss erst noch den Beweis erbringen, dem Mannheimer Spiel mehr als bloße Geschwindigkeit zufügen zu können – seine Entscheidungsfindung war mehrheitlich noch eine unglückliche.

Die Stimmung: Das Tief ist überwunden

Rund um die Antwerpen-Premiere war die Schlagzahl, mit der die pikante Vergangenheit beim 1. FC Kaiserslautern medial als Thema serviert wurde, an die Grenze des Erträglichen geraten. Am Rückhalt der Otto-Siffling-Tribüne änderten aber weder ein Tattoo des neuen Starstürmers noch der damalige Derbysieg Antwerpens beim FCK-Debüt irgendetwas. Was im Verlauf der völlig frustrierenden Hinrunde ziemlich auseinanderdividiert schien, hat sich zuletzt wieder gefangen.

Mehr als 9.000 Fans wollten den Neustart der Klassenerhalts-Mission sehen und wurden mit einem Tor belohnt, das initialzündende Wirkung besitzen könnte: Marcel Seegert, ausgerechnet dieser Seegert, donnerte einen Ball des Willens beim Stand von 1:2 aus mehr als 30 Metern in den linken Torwinkel, schlug sich danach wild die Hand aufs Wappen. Spieler und Fans wachsen wieder zusammen, müssen allerdings weitere Bewährungsproben überstehen – zuallererst das kommende, schwere Auswärtsspiel beim SSV Ulm 1846.

   
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