Winterfazit MSV: Fehlende Konstanz verhindert Aufstiegskampf

Während sich die Drittligisten derzeit auf die Rest-Rückrunde vorbereiten, nimmt liga3-online.de die bisherige Saison der 20 Drittligisten unter die Lupe. Heute: MSV Duisburg. Der Zwangsabsteiger aus der zweiten Bundesliga hat ein Jahr hinter sich, dass man am liebsten aus der Vereinschronik streichen möchte. Binnen kürzester Zeit musste eine Mannschaft zusammengestellt werden, die sich der Mission dritte Liga ohne richtige Vorbereitung annimmt. Nach 21 Spielen, wovon zwei bereits Teil der Rückrunde waren (Burghausen und Heidenheim), stehen die Zebras aktuell mit 28 Punkten auf Rang acht der Tabelle. Die Bilanz könnte nicht ausgeglichener sein: Sieben Siege, sieben Unentschieden und sieben Niederlagen. Der Formverlauf der Meidericher ähnelt dabei erstaunlich einer Sinuskurve. Punkte werden verdient eingefahren, man blickt tabellarisch nach oben, und wie so oft holt man sich danach den nächsten Dämpfer ab, anstatt seine zuvor gezeigten Leistungen weiter zu krönen. Im Folgenden schaut sich liga3-online.de die bisherige Saison des MSV Duisburg einmal genauer an.

Das lief gut

Trotz Rekordzuschauerzahlen in der heimischen Schauinsland-Reisen-Arena haben sich die Zebras jedoch auf auswärtigem Boden wohler gefühlt. Eines der besten Auswärtsspiele war dabei die vorweihnachtliche Partie beim Tabellenführer Heidenheim, aus welcher die Meidericher zwar nur einen Punkt mitnahmen, diese aber auch durchaus hätten für sich entscheiden können. Es wurde Fußball gespielt und gekämpft – ein Unentschieden der besseren Sorte samt klarer Botschaft: Der MSV brauch sich vor keiner Mannschaft zu verstecken. Trotz teilweise unverständlich schwachen Partien hat Duisburg Moral bewiesen und durchweg den Willen gezeigt, misslungene Auftritte wiedergutzumachen, wobei dies auf der heimischen Wiese weniger gelang. Mittelfeldakteur Kevin Wolze, der dem MSV trotz Lizenzentzug weiterhin treu blieb, hat diese Saison deutlich mehr Verantwortung übernommen und immer wieder versucht, seine Mannen zusammen mit Regisseur Pierre de Wit anzutreiben und zu dirigieren.

Das lief nicht gut

Obwohl der MSV auf Platz acht zu finden ist, kann man dem Club bereits einen Meistertitel zusprechen: Duisburg ist Meister der verschenkten Punkte. Die Truppe von Karsten Baumann hat zwar bewiesen, mit jeder Mannschaft mithalten zu können, jedoch tat sie es nicht jede Woche. Durch hausgemachte Probleme, die teilweise niemand so recht verstand, luden die Meidericher ihre Gegner immer wieder ein, Tore zu schießen und sich selbst dadurch aufzubauen. Unachtsamkeit hier, individuelle Fehler da – trotz einer gehörigen Portion Bundesligaerfahrung auf dem Platz. Eine grauenhafte Heimbilanz nagte immer wieder am Gemüt der Akteure sowie an dem der Zuschauer. In 21 Spielen zeigte der MSV verschiedene Gesichter und zieht folgerichtig eine durchwachsene Bilanz, die es extrem erschwert, Ziele auszusprechen und sich selbst zu positionieren.

Bewertung der Neuzugänge

Keine Vorbereitung und eine auf die Schnelle zusammengetrommelte Truppe, die sich finden muss: Es war einer der schwersten Neustarts. Die Fans der Zebras rechneten sogar mit Abstiegskampf, waren dabei aber einfach heilfroh, dass weiterhin Fußball gespielt wird. Es hagelte (zwangsläufig) Neuzugänge, deren Namen vielen kein Begriff gewesen ist. Mittlerweile sind die Namen nicht nur bekannt, sondern haben sich auch teilweise in die Herzen der Fans gespielt. Insgesamt sind die Neuzugänge als Volltreffer zu bewerten: Kingsley Onuegbu, Torwart Michael Ratajczak, Pierre de Wit, Phil Ofosu-Ayeh, Michael Gardawski, Matthias Kühne – schwache Spiele hin oder her, Potential für mindestens Liga drei sieht genauso aus. Umso unverständlicher und haarsträubender, dass zwischenzeitlich Spiele hingelegt wurden, die das Eintrittsgeld nicht ansatzweise wert waren. Kingsley Onuegbu als besten Neuzugang  zu küren, liegt aufgrund der Torausbeute zwar nahe, jedoch erfordern Tore meistens eine gewisse Vorarbeit.

Bester Spieler der bisherigen Saison

Besonders zu erwähnen ist Neuzugang Ofosu-Ayeh, der wie sein Pendant Sascha Dum auf der anderen Abwehrseite nicht nur hinten meistens dicht gemacht hat, sondern auch ansehnliche Akzente nach vorne setzen konnte. Laufbereitschaft, Einsatz und ständige Präsenz – nicht umsonst taucht Ofosu-Ayeh auf den Zetteln anderer Vereine auf. Neu-Zebra Michael Ratajczak ist die unangefochtene Nummer eins zwischen den Pfosten und hat mit so manchen Paraden Schlimmeres verhindert. Dirigent de Wit streichelt Freistöße ins Tor, füttert die Stürmer und zählt fußballerisch zu den besten auf dem Platz. Der beste Neuzugang scheint nicht eindeutig ermittelbar zu sein.

Schwächster Spieler der bisherigen Saison

Beim bis dato schwächsten Neuzugang hingegen ist Einigung eher möglich. Filip Orsula konnte bisher weniger überzeugen, wenn er eingewechselt wurde. Von Patrick Zoundi versprach man sich anfangs deutlich mehr, allerdings schaffte es dieser im Hinrunden-Endspurt, sich in die Startformation zu spielen und plötzlich diverse Knoten platzen zu lassen.

 Fazit

Der MSV Duisburg hat massig Potential, dass viel zu selten abgerufen wird. Spiele wie jenes in Heidenheim lassen hoffen und zeigen, was die Zebras können, wenn sie wollen. Die Bilanz erlaubt nicht, von Aufstieg zu sprechen, jedoch waren die meisten Probleme hausgemacht und weniger durch den Gegner heraufbeschworen. Aufgrund der Tatsache, dass man mit jeder Mannschaft mithalten kann, ist die Möglichkeit für den MSV weiterhin greifbar, oben anzugreifen, sofern Konstanz Einzug erhält und die Heimbilanz aufpoliert wird. Der immer noch ausstehende Schuldenschnitt ist nicht nur lebensnotwendig für den Verein, sondern würde obendrein auch einen wichtigen Moralschub für alle Beteiligten darstellen.

Ausblick

Der Aufstieg sollte so oder so das Ziel werden, denn es ist die Frage, ob ein Angriff auf die Tabellenspitze in der nächsten Saison „einfacher“ wird. Aktuell haben die Zebras die sehnlichst erwartete Vorbereitung und können sich auf das Jahr 2014 einstellen. Schaffen sie es endlich, nicht dauernd mit dem Fahrstuhl von oben nach unten durch das Fußballhaus zu fahren und den Aufbaugegner zu mimen, können sie in dieser Liga noch viel erreichen und mindestens um den Relegationsplatz mitspielen. Aber dazu müssen beim MSV noch ein paar finanzielle und sportliche Knoten platzen.

FOTO: Flohre Fotografie

 

   
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