Winterfazit Köln: Vom Sorgenkind zur Überraschungsmannschaft

Der Weihnachtswunsch von Fortuna-Trainer Uwe Koschinat wurde erfüllt. Auf Platz Elf stehend und mit exakt 30 Punkten verabschiedete sich seine Mannschaft in die Winterpause. Schaut man sich die Formkurve der Kölner an, kommt diese eher einer Zwangspause gleich. Der Aufsteiger ist nämlich seit sechs Spielen ungeschlagen. Im Folgenden schaut sich liga3-online.de die Hinrunde der Fortuna genauer an.

.

Das lief gut

Die Kölner sind mit aktuell 30 Punkten nach RB Leipzig und dem 1.FC Heidenheim der beste Aufsteiger der Drittliga-Historie. Es ist eine überraschende Entwicklung, mit der nicht unbedingt zu rechnen war. Die Grundlage dafür war die Reaktion der Mannschaft auf die schwere Krise im Spätsommer, als das Team fünf Spiele in Folge verlor. Der gesamte Verein behielt in dieser schwierigen Phase die Ruhe, das Team rückte noch enger zusammen. Gemeinsam vertrauten Verantwortliche und Spieler dem eigenen Konzept und glaubten stets an die eigene Stärke. Ein Sieg des Willens gegen die SpVgg Unterhaching am 9. Spieltag löste den positiven Lauf des Aufsteigers aus, der in den darauffolgenden Monaten zahlreiche Automatismen festigte und das Selbstvertrauen innerhalb der Mannschaft stetig wachsen ließ.

Zwei Faktoren unterstützten dabei die positiven Ergebnisse entscheidend. Zum einen ging der in der Vorbereitung ausgetüftelte Plan von Cheftrainer Uwe Koschinat vollends auf. Der 43-Jährige setzte im Sommer bei der Kader-Zusammenstellung auf eine gewisse Breite. So konnten lang- und kurzeitverletzte Leistungsträger (Flottmann, Yilmaz, Zinke, Andersen, Kialka) immer wieder kompensiert werden. Das funktionierte auch, weil sich zum anderen viele der größtenteils Regionalliga-erfahrenen Spieler weiterentwickelten. Symbolisch für diesen Entwicklungsschritt stehen Schlussmann Andre Poggenborg sowie Hamdi Dahmani, Michael Kessel und  Thomas Kraus, die ohne jegliche Profi-Erfahrung auch in der 3.Liga Leistungsträger des Teams sind.

Das lief nicht gut

Rückblickend betrachtet war der Saisonstart der Fortuna suboptimal. Der Aufsteiger hatte in den ersten Partien sichtliche Anpassungsschwierigkeiten an das höhere Spieltempo. Die Euphorie nach dem Aufstieg und der Überraschungssieg beim Halleschen FC am 4. Spieltag kaschierten zu Saisonbeginn noch die Probleme, welche allerdings nur wenige Wochen später in aller Deutlichkeit auftraten. Die 0:2-Niederlage bei den Stuttgarter Kickers am 8. Spieltag war durch Ideenlosigkeit, Unsicherheit und insbesondere durch mangelnde Präzision im Passspiel geprägt. Selbst Teile der eigenen Anhängerschaft zweifelten an diesem September-Nachmittag an der Qualität des Kaders und an den Klassenerhalt. Es war die fünfte Pleite in Folge und Uwe Koschinat musste einsehen, dass seine spieltaktische Idee mit zwei offensiv-denkenden Achtern nicht aufging. Erst durch die Einsicht des Trainers und die darauffolgende Veränderung, hin zu einem defensiven Sechser hinter einem spielstarken Achter, war der entscheidende Schritt raus aus der Krise.

Bewertung der Neuzugänge

Den Vereinsverantwortlichen der Fortuna darf man durchaus zu einem guten Händchen gratulieren. Die Neuzugänge haben die Mannschaft im letzten Halbjahr nicht nur sinnvoll ergänzt, sondern auch die Weiterentwicklung des Teams gefördert. Johannes Rahn ragt dabei mit seinen neun Saisontoren heraus. Koschinats Königstransfer ist der Fixpunkt im Offensiv-Spiel und hebt aufgrund seiner jüngeren Zweitliga-Vergangenheit die mannschaftliche Qualität signifikant auf ein höheres Level. Beeindruckender, weil unerwarteter, ist die jeweilige Entwicklung der U23-Akteure Boné Uaferro (22), Cauly Oliveira Souza (19) und Dennis Engelmann (19). Alle drei fanden sich regelmäßig in der Startelf wieder, Uaferro avancierte in der Innenverteidigung sogar zum Leistungsträger. Oliveira Souza (19) ist mit seiner frechen und unbekümmerten Spielweise die Entdeckung der Saison. Marco Ban (20) und Leon Heine (19) dagegen konnten sich noch nicht nachhaltig für Einsatzzeiten empfehlen.

Für Sascha Marquet war es derweil ein abwechslungsreiches Halbjahr. Der 25-Jährige konnte das Vertrauen des Trainers zu Saisonbeginn nicht bestätigen, war einer der Gesichter der Krise und fand sich schnell auf der Bank wieder. Zuletzt aber kompensierte Marquet den Ausfall des verletzten Kristoffer Andersen in der Zentrale und deutete dabei seine Qualitäten an.

Lars Bender und Dino Bisanovic sind die einzigen beiden Neuzugänge, die ein enttäuschendes halbes Jahr erlebten. Bisanovic gilt mit seinem Talent als der spieltstärkste Sechser im Kader, schaffte es bislang aber nur zu einem Kurzeinsatz. Lars Bender war im Sommer einer der Top-Transfers. Der ehemalige Trierer ist aber noch gar nicht richtig in der Südstadt angekommen. Eine Handfraktur warf den Mittelfeldspieler immer wieder zurück. Der 26-Jährige muss im neuen Jahr, auf der im Fortuna-Kader dünn besetzten Außenbahn, einen neuen Angriff starten.

Bester Spieler

Auch wenn Johannes Rahn mit neun Treffern und zwei Vorlagen die teaminterne Scorer-Liste anführt, steht der beste Fortuna-Spieler der Hinrunde im Tor. Andre Poggenborg ist die Konstante innerhalb der Mannschaft. „Pogge“ stand im letzten Halbjahr jede Minute auf dem Platz und blieb in 22 Spielen insgesamt zehn Mal ohne Gegentor. Bei den Auftritten in Dortmund und Wiesbaden sowie zu Hause gegen Kiel verdiente er sich zudem das Prädikat „Extraklasse“. Neben der Weiterentwicklung seiner towartspezifischen Fähigkeiten, insbesondere die Strafraumbeherrschung, bewies er im letzten Halbjahr ein gutes Gespür für Spielsituationen. Der 31-Jährige weiß genau, in welchen Phasen er das Spiel beruhigen muss und wann seine Vorderleute einen motivierenden Impuls benötigen.

Größte Enttäuschung

Die größte Enttäuschung des letzten Halbjahres war die 0:2-Niederlage bei den Stuttgarter Kickers, welches die größte Krise der Koschinat-Ära bei der Fortuna besiegelte. Fünf Niederlagen in Serie hatte es zuvor unter der Regie des seit 2011 agierenden Cheftrainers noch nicht gegeben. Die Kölner zeigten sich gegen die Schwaben verunsichert und präsentierten sich wie ein Abstiegskandidat. Für Mannschaft und Trainer war es nach drei erfolgreichen Jahren eine ungewohnte Krisen-Situation, aus der sie aber stärker den je wieder herauskamen.

Fazit

Trotz der Ergebnis- und Leistungsdelle im September spielte die Fortuna ein herausragendes erstes Halbjahr. Anfangs von vielen belächelt, entwickelte sich der Aufsteiger vor allem in den letzten Wochen zu der Überraschungsmannschaft der bisherigen Saison. Vergleicht man die finanziellen Möglichkeiten und die infrastrukturellen Gegebenheiten mit denen anderer Vereine in der Liga, kann die Arbeit der Mannschaft und der Vereinsverantwortlichen nicht häufig genug gelobt werden. Die Fortuna hat sich im Laufe der letzten Monate innerhalb der Liga einen Status erarbeitet. Nicht wenige Teams würden gerne aktuell dem Duell mit dem „ekligen“ Aufsteiger aus dem Weg gehen. Auch wenn die leidenschaftliche und körperbetonte Spielweise der Südstädter nicht immer dem hochmodernen Fußball-Zeitgeist entspricht, so ist sie dennoch erfolgreich und konzepttreu.

Ausblick

Die Winterpause kam für die Fortuna zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die Mannschaft hatte zuletzte einem Lauf, verlor keines der vergangenen sechs Spiele und ist zu Hause seit Ende August ungeschlagen. Zum Rückrundenstart ist der psychologische Effekt der erfolgreichen Serie erst einmal dahin. Die Kölner erwartet ein knackiges Programm. Nach dem Gastspiel beim Chemnitzer FC folgen vier Duelle mit aufstiegshungrigen Mannschaften – Bielefeld, Osnabrück, Duisburg und den Stuttgarter Kickers. Zudem ist bereits jetzt klar, dass mit Andersen und Kessel zwei wichtige Spieler verletzungsbedingt ausfallen werden. Kapitän Daniel Flottmann wird derweil nach langer Leidenszeit in die Mannschaft zurückkehren. Derzeit haben die Kölner 30 Punkte, der Vorsprung auf die Abstiegszone beträgt bequeme neun Zähler. Bleibt die Mannschaft in der Rückrunde von einem zweiten Leistungseinbruch verschont, wird sie frühzeitig den Klassenerhalt feiern. Laut ihrem Cheftrainer sollten 45 Punkte dafür reichen.

 

   

Das könnte Sie auch interessieren

Auch interessant

Back to top button