Winterfazit Jahn Regensburg: Mit Ruhe und Kontinuität zum Erfolg

Während sich die Drittligisten derzeit auf die Rest-Rückrunde vorbereiten, nimmt liga3-online.de die bisherige Saison der 20 Drittligisten unter die Lupe. Heute: Der SSV Jahn Regensburg. Aktuell stehen die Oberpfälzer mit 27 Punkten auf Rang zwölf in der Tabelle – ein durchaus akzeptables und erwartetes Ergebnis. „Wir sind im Soll“, erklärt Jahns Sportchef Dr. Christian Keller. Nach einem durchwachsenen Saisonstart wurden die Ergebnisse zuletzt stabiler, vor allem ein Punkt gegen den Tabellenführer aus Heidenheim und ein 4:0-Auswärtserfolg bei der SpVgg Unterhaching sorgten für ein frohes Weihnachten in Regensburg. Aber mit nur drei Punkten Vorsprung auf die Abstiegsplätze kann es nur heißen: Ausruhen verboten! Im Folgenden schaut sich liga3-online.de die bisherige Saison vom SSV Jahn einmal genauer ein.

Das lief gut

Nach durchwachsenem Saisonstart konnte vor allem zu Hause die zweifellos vorhandene Qualität unter Beweis gestellt werden. Nach haarstäubenden Spielen wie gegen Chemnitz (3:5) oder Halle (2:4) ist die Jahnelf daheim nun schon seit fast vier Monaten ungeschlagen, in den letzten drei Spielen kassierten sie kein einziges Gegentor. Sogar dem 1. FC Heidenheim, der sich auf seiner „Abschiedstour“ durch die 3. Liga selten die Punkte nehmen lässt, fehlten im Jahnstadion beim 0:0 die Mittel. Positiv anzumerken ist auch das torgefährliche Mittelfeld des Jahn. 20 der 29 Tore erzielte das Mittelfeld um Aosman, Amachaibou und Jimi Müller.

Das lief nicht gut

In den ersten Saisonspielen waren die Leistungen zu unkonstant, mehr noch: Vielen Spielern unterliefen individuelle Fehler, die meistens zu Gegentoren führten. Sebastian Nachreiner, Oliver Hein, Patrick Wiegers… Spieler, auf die in der Vergangenheit immer Verlass war, patzten häufig und das mit bitterem Ausgang. Das zeigte sich vor allem in der Anzahl der Gegentore: Bis zum zehnten Spieltag klingelte es hinten ganze 21-mal, damit hatte der Jahn die zweitschlechteste Defensive der Liga. Ein weiterer Negativpunkt: Die Auswärtsschwäche. Meisten zeigt der Jahn auswärts keine schlechtere Leistung als im heimischen Stadion, doch auf fremden Plätzen sind Punkte selten. Nur neun Zähler aus elf Partien bedeuten einen Abstiegsplatz in der Auswärtstabelle, nur Burghausen und die Stuttgarter Kickers sind schlechter. Einen Hoffnungsschimmer bot das letzte Auswärtsspiel in Unterhaching: Hier konnte man ein 4:0 mit nach Hause nehmen.

Bewertung der Neuzugänge

Der Großteil der Neuzugänge schlug ein, allen voran Aias Aosman und Fabian Trettenbach, die – mit Ausnahme von Sperren oder Verletzungen – alle Spiele bestritten und ausgezeichnete Leitungen zeigten. Auch die anderen Neuzugänge aus unteren Ligen spielten eine souveräne Saison. Lediglich Dimitrios Anastasopoulos, eigentlicher „Königstransfer“ beim Jahn, kam er doch als Kapitän der griechischen U21-Nationalmannschaft und 37-facher Super League-Spieler (erste griechische Liga) in die Oberpfalz, blieb hinter den Erwartungen zurück und fand sich zuletzt nur noch auf der Tribüne wieder.

Bester Spieler der bisherigen Saison

Aias Aosman dürfte bisher der beste Spieler der Saison sein, ist der 21-jährige doch so etwas wie die Lebensversicherung beim Jahn. Vor allem zu Beginn der Saison lief ohne Aosman nicht viel zusammen in der Jahn-Offensive. Der technisch starke Dribbler sorgt eigentlich stets für Gefahr im gegnerischen Strafraum, häufig als einziger der Jahnelf. Zuletzt stach er nicht mehr so häufig heraus, was aber nicht an schlechteren Leistungen seinerseits lag, sondern an der konstanter werdenden Leistung seiner offensiven Mitspieler. Am letzten Spieltag fegte der Jahn Unterhaching mit 4:0 aus deren Stadion – ohne den verletzten Aosman. Dennoch hat der quirlige Deutsch-Syrer einen Bärenanteil, vor allem an Punkte aus dem ersten Saisonviertel.

Schwächste Spieler der bisherigen Saison

Dazu gehört sicherlich Dimitrios Anastasopoulos, der „Königstransfer“. In der Vorbereitung gefiel er allen in Regensburg, zeigte schon früh, was für Qualitäten er hat. Er sollte der neue Dirigent im Jahn-Mittelfeld werden. Doch vor dem ersten Spieltag verletzte er sich und seitdem ist der Grieche nicht mehr wiederzuerkennen. Seine Leistungen waren schwach, selbst in der zweiten Mannschaft in der fünftklassigen Bayernliga konnte er nicht überzeugen. Das Ergebnis: Die Tribüne. In der Wintervorbereitung erhält der 23-jährige nun erneut die Chance, sich zu beweisen. Hier muss auch Patrick Wiegers genannt werden. Der Publikumsliebling aus der eigenen Jugend wurde zu Beginn der Saison neue Nummer 1, und das verdient. In der Vergangenheit bewies er sich in seinen wenigen Einsätzen immer mit erstklassigen Leistungen und war ein stabiler Rückhalt seiner Mannschaft. Auch in dieser Saison zeigte er oft, was ihn ihm steckt. Doch der junge Torhüter zeigte auch – für ihn untypische – Schattenseiten. Er patzte sehr häufig, war für die eine oder andere Niederlage stark mitverantwortlich. Fehler passieren, doch in dieser hohen Anzahl blieb dem Cheftrainer nichts anderes übrig als den Torhüter auszuwechseln.

Fazit

Der Saisonstart verlief schwierig, die vorhandene Qualität wurde vor allem zu Beginn zu unregelmäßig abgerufen. Individuelle Fehler in der Verteidigung und mangelnde Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Tor sorgten für einige unnötige Niederlagen. Doch der Verein behielt die Ruhe und nach und nach zeigte die Arbeit des Trainers Früchte: Vor allem zu Hause stand die Defensive sicher, vorne wurden die Chancen besser genutzt. Auswärts gab es zwar weiterhin den einen oder anderen unnötigen Punktverlust, doch die Ergebnisse stabilisierten sich insgesamt. Auch der Torwartwechsel sollte sich als die richtige Entscheidung herausstellen. Der Vergleich: Patrick Wiegers musste in 13 Partien 24-mal hinter sich greifen, Bernhard Hendl kassierte in acht Spielen nur sechs Gegentore. Der Österreicher ist vielleicht nicht unbedingt besser als Wiegers, allerdings unterliefen ihm im Gegensatz zu seinem Mannschaftskollegen kaum Fehler. Nach 21 von 38 Spielen steht die Jahnelf nun auf Rang zwölf. Da ist nicht viel Luft nach unten (nur drei Punkte), insgesamt geht das aber in Ordnung.

Ausblick

Wenn sich die Jahnelf weiter stabilisiert wie zu Ende des vergangenen Kalenderjahres, dann ist der Abstieg kein Thema und das ausgegebene Saisonziel „Platz 10 – 14“ locker zu erreichen – ein einstelliger Tabellenplatz ist sogar im Rahmen des Möglichen. Ernste Abstiegsgefahr ist trotz der engen Lage (drei Punkte auf den ersten Abstiegsplatz) nicht zu befürchten. Von den 13 Teams, von Platz acht an, die maximal vier Punkte vor dem Strich bzw. schon darunter liegen, gibt es einige, die sicherlich mehr Punkte liegen lassen werden als der SSV Jahn. Dafür ist die Qualität einfach zu hoch – und wenn diese weiterhin regelmäßig abgerufen wird, vor allem auch auswärts, dann werden die Oberpfälzer die erste Saison nach dem Abstieg aus Liga 2 sorgenfrei zu Ende spielen können.

Foto: Regensburg1889.de

 

   
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