Winterfazit BVB II: Hui oder pfui bei der Elf von David Wagner

Am Anfang der Hinrunde sah es so aus, als würde die Spielzeit 2014/15 eine ruhige für BVB-Coach David Wagner und seine junge Truppe werden. Platz fünf hieß es am vierten Spieltag noch. Dann folgte allerdings ein beispielloser Sinkflug bis auf Rang 19 der Tabelle. Als es immer düsterer im Tabellenkeller wurde, schafften die „Amateure“ die erneute Trendwende. Seit dem 3:0 gegen Cottbus Anfang November ist der BVB II seit fünf Begegnungen ungeschlagen – und das ausnahmslos gegen Teams aus der oberen Tabellenhälfte. Zur Winterpause belegen die Schwarzgelben Rang 16, sind allerdings punktgleich mit Großaspach, die den ersten Abstiegsplatz (18.) einnehmen. Die Dortmunder gehen jedoch mit einem kleinen Vorteil in den Rest der Saison: Durch die Absage der Partie gegen Wehen kurz vor Weihnachten hat der BVB II erst 21 Partien absolviert. Somit haben die „Amateure“ die Chance, sich bei einem Sieg im Nachholspiel etwas abzusetzen. Im Folgenden schaut sich liga3-online.de die Hinrunde vom BVB II genauer an.

Das lief gut

Wenn man der U23 von Borussia Dortmund eine Sache nicht absprechen kann, dann ist es ihr absoluter Wille, bis zur letzten Minute um die Punkte zu fighten. Zwar holten die jungen Borussen nur drei Remis aus elf Partien, in denen sie in Rückstand gerieten, doch hatte dies überhaupt nichts damit zu tun, dass sich die Mannschaft frühzeitig aufgegeben hätte. Auch wenn die „Amateure“ wie in Duisburg mit mehr als einem Treffer im Hintertreffen waren, suchten sie weiter ihre Chance und hätten nach einem 0:2 Rückstand beinahe noch den Ausgleich erzielt. Letztlich blieb es mit etwas Pech nur beim Anschlusstreffer zum 1:2.

Mit 28 Gegentoren aus 21 Spielen steht auch die Abwehr im Vergleich zu den Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt sehr solide. Verantwortlich dafür zeichnen sich neben Torhüter Alomerovic vor allem die konstant guten Darbietungen der Innenverteidiger. Egal, wer aus dem Trio Hornschuh, Stankovic oder Zimmermann letztlich auf dem Platz stand: Alle erledigten ihren Job meist souverän.

Das lief nicht gut

Konzentrationsmängel sowie leichtsinnige Ballverluste im Aufbauspiel ziehen sich wie ein roter Faden durch die Saison. Viel zu oft bringt sich die U23 der Borussia so in Notsituationen, die mit fairen Mitteln nur noch schwer zu reparieren sind. Die Konsequenz: Bereits fünf Platzverweise sahen die BVB-Spieler. Kapitän Marc Hornschuh musste bereits zweimal frühzeitig unter die Dusche (je eine Rote sowie Gelb-Rote Karte).

Ausbaufähig ist auch die Torgefahr der Dortmunder. Schafft der Gegner es, den Top-Torschützen des BVB II, Tammo Harder (8 Tore), auszuschalten, regiert die Harmlosigkeit. Nach Harder folgen in der internen Torjäger-Liste Jordanov, Kefkir und Derstroff mit gerade einmal drei mickrigen Treffern. Nach liga3-online.de-Informationen hält der BVB II die Augen deshalb nach einem echten „Neuner“ offen.

Die Neuzugänge

Häufig war es in der Vergangenheit so, dass die Mannschaft nach der Saison einen kompletten Umbruch vollziehen musste. Bei einer U23 liegt das in der Natur der Sache: Entweder die Spieler schaffen es in den Profikader (zuletzt: Schmelzer, Durm) oder sie versuchen ihr Glück bei einem anderen Erst- bzw. Zweitligisten (Hünemeier, Bakalorz, Halstenberg). Doch vor dieser Spielzeit blieb ein Großteil der Vorjahresmannschaft zusammen. Verstärkt wurde mit Köpfchen. Der 18- jährige Slowene Innenverteidiger Jon Gorenc Stankovic zählte direkt zum Stammpersonal von Trainer David Wagner. Joseph Claude Gyau überzeugte als offensiver Wirbelwind selbst US- Coach Jürgen Klinsmann von seinen Qualitäten. Auch mit den Leistungen von Abwehrspieler Christoph Zimmermann können Wagner und die BVB-Verantwortlichen zufrieden sein. Kam er zu Beginn der Saison wenig zum Zug, spielte er sich in den vergangenen Wochen mit konstant guten Auftritten in die Elf. Einzig bei den Außenverteidigern Khaled Narey und Maximilian Güll besteht Verbesserungsbedarf. Letztgenannter fiel zum Ende der Hinrunde zudem mit einem Muskelfaserriss aus.

Beste Spieler

84 Spiele hat Torwart Zlatan Alomerovic in der Dritten Liga bereits bestritten. Er ist also einer von wenigen Routiniers in der jungen Dortmunder Mannschaft. Wie wertvoll seine Erfahrung ist, zeigt sich in jedem Spiel. Mit starken Leistungen sichert der Rückhalt, der schon seit 2006 beim BVB ist, oft wichtige Punkte im Abstiegskampf. An dieser Stelle ist sicherlich auch Tammo Harder zu nennen. Der Offensivspieler, der sich eigentlich vielmehr in der 10er-Position sieht, musste in dieser Saison häufig als alleinige Spitze ran. Dort nahm er seine neue Rolle sofort an und zeigte mit 14 Scorerpunkten (8 Tore, 6 Vorlagen), dass er im Angriff unverzichtbar ist.

Größte Enttäuschung

Für Tim Väyrynen lief die aktuelle Saison keineswegs zufriedenstellend. In den letzten vier Spielen stand die einstige finnische Sturmhoffnung nicht mal mehr im 18er Kader. Wegschicken wird der BVB zwar niemanden, „wir streben nichts aktiv an“, betonte David Wagner, doch dürfte vor allem der Spieler eine Veränderung wollen. Angesprochen auf mögliche Verstärkungen sagt Wagner: „Das Transferfenster ist geöffnet, wir schauen uns um. Fakt ist, dass wir auf der 9er-Position Bedarf gesehen haben“. Dort hatte man mit einem starken Väyrynen geplant. Die Zeichen stehen auf Abschied.

Fazit

Die bisherige Saison von Dortmunds Zweitvertretung lässt sich in drei Phasen zusammenfassen: Die ersten fünf Spieltage bestritt die Wagner-Elf sehr erfolgreich und holten acht Punkte. Es folgte eine beispiellose Durststrecke mit einer Sieglos-Serie von 12 Spielen. Als die Schwarzgelben einer trostlosen Saison entgegenzusteuern drohten, berappelte sich das Team aber wieder und begann den nächsten Positiv-Lauf: Neun Zähler holte man aus den Begegnungen gegen Cottbus, Dresden, Münster, Erfurt und Kiel. In den letzten fünf Spielen vor der Winterpause hat der BVB II also eindrucksvoll gezeigt, dass er die Qualität besitzt, um in dieser Liga zu bestehen. Auch das Verlassen der Abstiegsplätze nach langer Zeit dürfte für die Truppe von David Wagner eine befreiende Wirkung erzielen. Leistungsschwankungen sind gerade für eine junge Truppe wie die der Dortmunder normal, doch einen Negativ-Lauf wie in der Hinrunde sollte der BVB II auf jeden Fall in der Länge vermeiden und am besten den Positiv- Run, den man zuletzt hatte, weiter ausbauen.

Ausblick

In den verbleibenden 17 Spielen kann die U23 den Klassenerhalt vom Potenzial her locker sichern, vorausgesetzt, sie ruft es auch ab. In den ersten drei Spielen nach der Pause trifft Dortmunds „Zweite“ auf Regensburg, Großaspach und Mainz II – allesamt direkte Konkurrenten im Abstiegskampf. Das bedeutet: Der BVB II hat die Chance sich frühzeitig Luft zu verschaffen, wenn es gelingt, diese Spiele erfolgreich zu bestreiten.

   
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