Winterfazit 1. FC Saarbrücken: Ziemer und Sökler reichen nicht

Der erste Teil der Drittliga-Saison ist Geschichte – bis auf einige Ausnahmen haben die Vereine 22 Spiele absolviert. Grund genug, die bisherige Saison einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Im Winterfazit widmet sich liga3-online.de heute dem 1. FC Saarbrücken. Nach bislang 21 absolvierten Spielen belegt der FCS mit 25 Punkten Tabellenplatz 12. Die Formkurve aus den letzten fünf Partien steht dabei exemplarisch für die durchwachsenen Ergebnisse der bisherigen Spielzeit. Hoffnungsvollen Auftritten wie gegen Münster oder Halle folgten deutliche Niederlagen, etwa gegen Chemnitz und Heidenheim. Insbesondere nach solchen schwachen Leistungen erzielten die Blau-Schwarzen dann klare Siege. Allerdings gelang es ihnen nicht, die dabei zugrunde liegende Motivation regelmäßig in Punkte umzusetzen. Die Stärken und Schwächen der Mannschaft lassen sich dabei beinahe gleich aufwiegen.

 Das lief bisher gut

1. Mannschaftlicher Zusammenhalt und Moral

Im Hinblick auf das öffentliche Erscheinungsbild und die Aussagen der Spieler herrscht innerhalb der Mannschaft offenbar eine ausgesprochen gute Atmosphäre. Gegenüber dem „Saarländischen Rundfunk“ erklärte Kapitän Marc Lerandy: „In der Mannschaft stimmt’s, wir sind alle Freunde untereinander.“ Das gute Verhältnis unter den Spielern bestätigt die Vorgehensweise des Vereins, bei der Verpflichtung von Neuzugängen darauf zu achten, ob diese auch charakterlich in die Mannschaft passen. Mit diesem Klima geht auch die Moral einher, welche die Mannschaft an den Tag legt. So kam sie z. B. in den Spielen gegen Offenbach oder Wiesbaden nach Rückständen eindrucksvoll zurück.

 2. Das Offensivspiel

Im Vergleich zu den übrigen Mannschaftsteilen hat das Offensivspiel des FCS die größte Qualität. Maßgeblich für die bisher gute Ausbeute von 28 erzielten Toren sind Marcel Ziemer und Sven Sökler. Beide waren jeweils an zwölf Treffern beteiligt. Sie sind damit nicht nur enorm wichtig für die Saarbrücker Offensive, sondern gehören auch zu den besten Spielern in der Dritten Liga.

 

 

3. Ruhe bei der Trainerposition

Im Vergleich zu früheren Jahren werden übereilte Wechsel des Trainers nicht mehr vorgenommen. Auch bei drei Niederlagen hintereinander wie zu Beginn der Saison haben die Verantwortlichen nach den Erfordernissen der Situation Besonnenheit bewahrt. Bei derart wichtigen Entscheidungen mag durchaus auch das begrenzte Budget des Vereins von Bedeutung sein, ist jedoch letztlich nicht der entscheidende Faktor, solange der Klassenerhalt nicht gefährdet ist. Mit der letzten Vertragsverlängerung von Trainer Jürgen Luginger hat der Verein sein Streben nach Kontinuität, die für den FCS über längere Zeit nicht üblich war, bekräftigt. Auch damit hat es die Vereinsführung erreicht, den Club nach der sportlichen Achterbahnfahrt sportlich zu stabilisieren.

Das lief bisher nicht gut

1. Fehlende Konstanz

Wie zu Beginn angesprochen, wechseln sich in der Formkurve des FCS Sieg, Unentschieden und Niederlage stets ab. Kapitän Lerandy erklärte dazu gegenüber dem „Saarländischen Rundfunk“: „Bei uns ist es so, dass immer ein Hänger drin ist.“ Der Mannschaft gelinge es im Vergleich zu den Spitzenteams demnach nicht, mehrere Spiele hintereinander zu gewinnen. Stattdessen fehle den Spielern in einigen Situationen die Konzentration. Trotz der Moral gelingt es den Blau-Schwarzen somit zu unregelmäßig, in wichtigen Situationen auf der Höhe zu sein.

 

2. Die Defensive

 Der FCS hat in dieser Saison bislang 35 Gegentore erhalten und liegt damit auf dem drittletzten Platz in der Liga. Lediglich Rot-Weiß Erfurt und Borussia Dortmund II haben eine schlechtere Bilanz. Besonders auffällig ist dabei die hohe Anzahl an Gegentoren nach Standardsituationen. Alleine nach Freistößen und Eckbällen erzielten die Gegner 14 Tore gegen den FCS. Eine weitere Baustelle in der Defensive war bisher die Torwartposition. Da der langjährige Stammtorwart Enver Marina nicht mehr vollends überzeugen konnte, nahm Trainer Luginger zunächst den Wechsel zu Michael Müller vor. Nach dessen vorübergehender Verletzung hat er sich nun entschieden, den bisherigen Ersatztorwart Benedikt Fernandez auch weiterhin im Tor zu lassen. Mit dem Wechsel zu Fernandez ist zu hoffen, dass dieser den nötigen Beitrag zu einer bisher durch die Torwartwechsel nicht erreichten Stabilisierung der Defensive leisten kann.

 

3. Die Neuzugänge

Nachdem vor der Saison bei der Verstärkung der Mannschaft darauf geachtet wurde, zur Verbesserung der Kopfballstärke besonders für die Defensive größere Spieler zu verpflichten und sich so auch bei Standardsituationen zu verbessern, wurde dies zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht erreicht. Trotz der Transfers von Straith, Pellowski, Knipping und Maek ist hier noch keine Steigerung festzustellen. Stattdessen hat sich z. B. bei den Gegentoren nach Standards die Bilanz verschlechtert. Während in der vergangenen Spielzeit nach 21 Partien erst vier Standardtore gefallen waren und in der gesamten Saison elf, sind es in dieser, wie angesprochen, bereits 14. Mit den insgesamt 35 Gegentoren sind die Blau-Schwarzen zudem von den 51 der Vorsaison nicht mehr weit entfernt.

 

Beste Spieler: Sökler und Ziemer

Wie oben schon angeklungen ist, sind Sven Sökler und Marcel Ziemer für den FCS von entscheidender Bedeutung. Mit ihnen beiden steht und fällt das Saarbrücker Offensivspiel. Besonders in den Verletzungsphasen Ziemers hat sich sein Fehlen deutlich bemerkbar gemacht. Während Sökler in 21 Spielen an zwölf Treffern beteiligt war, erreichte Ziemer diese Quote sogar in nur 13 Einsätzen und schoß dabei acht Tore. Zusammen bilden beide nach Angaben von „transfermarkt.de“ zudem das beste „Scorer-Duo“ der Dritten Liga.

 

Schwächster Spieler: Die Neuzugänge enttäuschten

Angesichts der fehlenden Konstanz der gesamten Mannschaft wäre die Nennung eines einzelnen Spielers nicht zielführend. Stattdessen ist festzuhalten, dass bis auf die verletzten Göcer und Pellowski besonders die Neuzugänge bisher weitestgehend nicht wie gewünscht überzeugen konnten. So gelang weder eine Verstärkung der Abwehr, noch eine qualitative Verbreiterung des Kaders in der Offensive, um eine gleichwertige Alternative bei einem Ausfall Ziemers zu haben. Ausser Tim Stegerer hat es aktuell keiner der Neuzugänge in die Stammelf geschafft. Aufgrund der jüngsten Einsätze lassen Tim Knipping und Benedikt Fernandez gute Ansätze erkennen. Der Trainer wird ihnen voraussichtlich auch die Gelegenheit geben, diese zu bestätigen.

 

 Transfermarkt

Angesichts des nach Vereinsangaben knapp bemessenen Budgets der Saarbrücker sind in der Winterpause offenbar keine Neuverpflichtungen geplant. Vorraussetzung hierfür wären wohl weitere zuschüsse der Sponsoren oder die Abgabe eines anderen Spielers, was derzeit nicht abzusehen ist. Auch der finnische Angreifer Pekka Sihvola, der dem FCS zwischenzeitlich angeboten worden war, wurde trotz beachtlicher Trefferquote in seiner Heimat nicht zum Probetraining eingeladen. Dass der Finne trotz seiner mit Top-Stürmer Ziemer vergleichbaren Qualität nicht begutachtet wurde, lässt darauf schließen, dass der Verein hier entweder aufgrund der eigenen Bewertung keinen Handlungsbedarf sieht oder der notwendige finanzielle Spielraum fehlt.

 

Fazit

Insgesamt lässt sich sagen, dass der FCS im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten für sportlichen Erfolg größtenteils darauf angewiesen ist, dass sich die getätigten Neuverpflichtungen als Treffer erweisen. So ist z. B. die Verpflichtung von Kevin Maek oder Adam Straith auf dem Hintergrund ihrer früher gezeigten Leistungen nachvollziehbar. Davon, ob die Neuzugänge und die übrige Mannschaft ihr Potenzial auch beim FCS voll ausschöpfen, hängt es ab, ob der FCS oben mitspielt oder nicht.

 

Ausblick: Einstelliger Tabellenplatz

In der derzeitigen Situation reicht das Zusammenspiel der Mannschaft aus, um sich im Mittelfeld der Liga zu halten. Voraussetzung für eine bessere Platzierung ist es, dass die Mannschaft es schafft, die fehlende Konstanz zu beheben. Ausserdem müssen die starken Offensivkräfte Ziemer und Sökler verletzungsfrei bleiben. Auf der Torwartposition vermittelt Fernandez mit seiner Erfahrung aus Bundesliga und europäischem Wettbewerb die erforderliche Ausstrahlung und Ruhe. Aufgrund der starken Konkurrenz im Rennen um die vorderen Plätze und die finanziell und qualitativ breitere Aufstellung der dort spielenden Mannschaften, ist nicht davon auszugehen, dass der FCS noch oben angreifen kann. Das Beispiel Unterhaching zeigt zwar, dass Ausnhamen möglich sind. Die Blau-Schwarzen erwecken bisher jedoch nicht den Anschein, ihre bisherige Leistungsgrenze zu übertreffen. Da allerdings davon auszugehen ist, dass in der Winterpause an den Schwächen gearbeitet wird, ist das Erreichen des Saisonziels, eines einstelligen Tabellenplatzes, wahrscheinlich.

FOTO: Sven Rech

 

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