Wie Rico Schmitt den FC Carl Zeiss Jena retten will

Zehn Niederlagen aus elf Spielen und schon zwölf Punkte hinter dem rettenden Ufer: Der FC Carl Zeiss Jena blickt auf einen katastrophalen Saisonstart zurück – und benötigt erneut ein kleines Wunder, um den Klassenerhalt noch zu schaffen. Eine Mission, die Rico Schmitt nun übernimmt. Wie er den FCC retten will.

Schmitt erklärt das Scheitern in Aalen

Als am Montagabend die Meldung die Runde machte, wonach Rico Schmitt neuer Trainer beim FC Carl Zeiss Jena werden soll, reagierten nicht wenige FCC-Anhänger überrascht: Ausgerechnet ein Trainer, der in der vergangenen Saison den Abstieg des VfR Aalen nicht verhindern konnte, soll die Thüringer nun vor der Regionalliga bewahren? Der 51-Jährige ist sich dieser ungewöhnlichen Ausgangslage bewusst und erklärte auf der Pressekonferenz am Dienstag: "In Aalen hatte ich sehr wenig Zeit und zu wenige Spiele. Es wurde zu spät gehandelt, sodass ich etwa in der Winterpause nicht mehr nachsteuern konnte." Nur 16 Spiele blieben Schmitt, um den VfR vor dem Abstieg zu retten – mit nur drei Siegen und fünf Unentschieden misslang die "Mission Impossible", wie sie Schmitt zu Dienstantritt im Februar bezeichnet hatte.

Anders verhält sich die Lage nun beim FCC: Zwar beträgt der Rückstand auf die Nicht-Abstiegsplätze bereits zwölf Zähler, allerdings sind noch 27 Spielen zu absolvieren. "Auch wenn die Lage ausweglos erscheint: 81 Punkte sind noch zu vergeben", zieht Schmitt das Positive aus der Situation. Sollte Jena alle Partie gewinnen, würde das den Aufstieg bedeuten, so Schmitt. Was der 51-Jährige natürlich scherzhaft meinte, sollte klarstellen: Noch ist nichts verloren, wenngleich die Herausforderung "natürlich groß" sei. Der Vertrag läuft zunächst bis zum Saisonende, verlängert sich bei Klassenerhalt aber automatisch um ein Jahr. Unterstützung erhält er von René Klingbeil, der unter Schmitt bereits in Aue spielte und 2010 der Kapitän der Aufstiegsmannschaft war.

Kleine Schritte

Damit die Rettung gelingt, hat der gebürtige Karl-Marx-Städter bereits einen Plan. "Wir müssen mit kleinen Schritten anfangen, um wieder in die Spur zu kommen." Was im kommenden Mai sein wird, daran will der neue FCC-Coach jetzt noch nicht denken. "Zunächst geht es darum, den Rückstand bis zur Winterpause zu verkürzen, sodass wir die Dinge dann neu sortieren können." Zeitgleich will Schmitt die Uhren auf Null stellen: "Alle bisherigen Spiele dienen als Erfahrungsschatz." Die wohl wichtigste Erkenntnis daraus: So wie bisher kann es nicht weitergehen.

Vor allem an der Tatsache, dass Jena 15 seiner 23 Gegentore in den letzten 30 Minuten kassierte, will der Nachfolger von Lukas Kwasniok arbeiten. "Das nur auf fehlende Kondition zu schieben, wäre zu einfach", sagt er und kündigt an: "Wir müssen in die Köpfe der Spieler hineinbekommen, dass sie Verantwortung für sich selbst, die Mannschaft und das große Ganze tragen."

"Es darf auch gelacht werden"

Seine Marschroute dafür ist klar: "Auf den Trainingsplatz und los geht es." Ohnehin kündigte Schmitt ein "intensives" Training an, das aber trotz der aktuellen Situation nicht nur ernst sein soll: "Wir brauchen Freude und Spaß. Es darf auch gelacht werden." Auch die zuletzt degradierten Ole Käuper, Kilian Pagliuca und Marian Sarr, der unter Schmitt schon in Aalen spielte, erhalten eine neue Chance. "Aber ich erwarte von Spielern, dass sie selbstkritisch sind", sagte Schmitt. "Jeder hat Demut an den Tag zu legen und zu verstehen, dass wir derzeit nicht besser als der Tabellenstand sind.

Dennoch sieht der FCC-Coach in der Mannschaft "Potenzial" – wenngleich auch kein riesiges: "Das hätte sie sonst schon abgerufen." Wichtig sei aber, dass Fans und Mannschaft zusammenstehen. Damit es ein zweites "Wunder von Jena" geben kann. Der Startschuss fällt am übernächsten Sonntag beim Heimspiel gegen Würzburg, am Sonntag steht zunächst aber noch das wichtige Landespokal-Spiel in Siemerode an.

   
  • Jürgen Gallert

    Eigentlich hat Jena nur noch eine realistische Chance, wenn es alle weiteren Spiele ausschließlich gegen den 1. FC Magdeburg bestreitet.

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