Wie die Würzburger Kickers das Hygienekonzept umsetzen

Im Interview mit liga3-online.de spricht Dr. Josef Zimmermann, einer von drei Teamärzten und der Hygienebeauftragte bei den Würzburger Kickers, über die Umsetzbarkeit der geforderten Hygienemaßnahmen für einen Re-Start der 3. Liga.

"Früh auf diese Situation vorbereitet"

liga3-online.de: Während einige andere Drittliga-Vereine Kritik üben, nehmen die Würzburger Kickers die Herausforderung bei der kurzfristigen Umsetzung eines Hygienekonzepts ohne Murren an. Wieso, Herr Dr. Zimmermann?

Dr. Josef Zimmermann: Wir haben uns bereits früh auf diese Situation vorbereitet und schon vor Beginn des Kleingruppentrainings ein Hygienekonzept zur Vermeidung von Corona-Infektionen auf dem Vereins- und Trainingsgelände implementiert. Viele Maßnahmen, die das mit der Politik abgestimmte Hygienekonzept der Task Force Sportmedizin der DFL und des DFB für den Wiederbeginn der Ligen fordert, sind dadurch bei uns bereits umgesetzt und müssen den Spielern und Mitarbeitern nicht nochmals erklärt werden.

Von welchen Maßnahmen sprechen Sie genau?

Dazu gehören die Abstandsregeln auf dem gesamten Vereinsgelände, das Tragen von Mund- und Nasenschutz, strenge Einlasskontrollen mit Fiebermessungen, kontaktfreies Training und das Verbot der Kabinennutzung. Geduscht wird zuhause, der Kontakt von Türklinken und fremden Gegenständen mit Händen ist verboten. Diese frühe Umsetzung von sinnvollen Hygieneregeln hat uns jetzt den Übergang vom Kleingruppentraining zum hoffentlich ab nächster Woche erlaubten Mannschaftstraining erleichtert und wir fühlen uns für eine Fortsetzung des Spielbetriebs gewappnet.

Das hört sich alles so einfach an. Wie viel Aufwand ist mit der Umsetzung des Hygienekonzeptes verbunden?

Verstehen Sie mich nicht falsch: Es ist ohne Wenn und Aber für jeden Verein eine Mammutaufgabe, das möchte ich überhaupt nicht verneinen. Mal eben so geht das nicht. Das Schwierigste ist vielleicht sogar, bei den größtenteils sehr jungen Spielern ein Bewusstsein für die unabdingliche Basishygiene zu schaffen. Jeder einzelne Spieler und Mitarbeiter muss zwingend verstehen, wie wichtig es ist, die Hygieneregeln zu befolgen. Ich glaube, dass das insgesamt die größte Herausforderung ist.

Wenn wir Sie richtig verstehen, scheint das in Würzburg gut zu funktionieren.

Absolut! Ich muss gestehen, dass ich sogar positiv überrascht war, wie schnell unsere Jungs verstanden haben, wie ernst die Situation ist. Wir haben ein tolles Team – dazu zähle ich jeden Beteiligten in unserem Verein -, das an einem Strang zieht. Es gibt niemanden, der Maßnahmen nicht akzeptiert. Nur so kann es auch funktionieren. Alle sind hochmotiviert und wollen, dass die Saison weitergeht. Das erleichtert mir die Überzeugungsarbeit, wenn ich dem Trainerteam neue Hygieneregeln erkläre.

 

"Restrisiko bleibt"

Aus infrastruktureller Sicht gehören die Würzburger Kickers sicher nicht zu den Top-Adressen der 3. Liga. Dennoch sind Sie optimistisch, dass auch im Stadion alle Hygieneregeln bei Fortsetzung des Spielbetriebs eingehalten werden können. Warum?

Die Stadien anderer Vereine sind zwar größer und moderner. Wir haben aber eine Gebäudesituation, die es beispielsweise theoretisch ermöglicht, dass sich die beiden Teams nicht über den Weg laufen. Wir können gewährleisten, dass sich Heim- und Auswärtsmannschaft nirgendwo begegnen – außer natürlich auf dem Platz.

Sie sind Internist und arbeiten in einer Dialyse-Gemeinschaftspraxis in Würzburg. Dort hatten Sie bereits mit einigen Corona-Fällen zu tun. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Während meiner Routinearbeit in unserer Dialysepraxis war ich bereits Mitte März mit an Corona erkrankten Patienten aus einem benachbarten Seniorenheim konfrontiert. Die Geschwindigkeit, mit der sich das Virus in diesem Heim trotz rascher Umsetzung von Hygienemaßnahmen ausgebreitet hat, hat uns in Würzburg früh gezeigt, wie gefährlich und hochkontagiös das Virus ist. Dadurch weiß ich auch, wie entscheidend es für den Erfolg einer Saisonfortsetzung ist, dass sämtliche Spieler und Mitarbeiter aller 20 Vereine die von der Task-Force Sportmedizin der DFL und des DFB erstellten strengen Hygieneregeln strikt befolgen.

Hand aufs Herz: Finden Sie die Fortsetzung des Spielbetriebs richtig?

Das ist eine schwierige Frage, bei der die Meinungen weit auseinander gehen. Alleine in unserer Praxis mit vier Ärzten gibt es viele verschiedene Ansichten und große Diskussionen. Fakt ist: Selbst bei hundertprozentiger Befolgung aller Hygieneregeln und der regelmäßigen Durchführung von Corona-Tests besteht ein Restrisiko für eine Coronainfektion – wenn auch ein geringes. Dieses Restrisiko besteht im Übrigen für alle Berufsgruppen. Das Coronavirus hat sehr viel Angst verbreitet. Dennoch müssen wir lernen mit – oder neben – diesem Virus zu leben. Bekanntlich ist Angst der schwierigste Gegner, den es zu besiegen gilt. Man überwindet sie, indem man Sicherheiten schafft und im Rahmen dieser Sicherheiten wieder etwas Normalität und Alltagsgeschehen herstellt. Ich bin mir sicher, dass die Freude über das wiederbegonnene Alltagserleben des Fußballsports vielen Menschen helfen wird, ihre Ängste zu überwinden und gleichzeitig die Akzeptanz für unbequeme Hygieneregeln fördert.

   
  • PeterPlys

    Respekt.
    Ehrliche Meinung mit Sachverstand.

  • Hans Weber

    "Das ist eine schwierige Frage, bei der die Meinungen weit auseinander
    gehen. Alleine in unserer Praxis mit vier Ärzten gibt es viele
    verschiedene Ansichten und große Diskussionen."

    Das bisher in der öffentlichen Diskussion beste Statement, was ich gehört habe. Keine Vorwürfe, nur das Anerkennen, das es Probleme gibt.

    • Chemiker 1966

      Aber wenn Vereine diese Äußerung tätigen, sind sie die Deppen der Liga/Nation.

      Und nochmals, hier geht es nicht um die langfristige Umsetzung, sondern um die ad hoc Umsetzung und die daraus folgenden Konsequenzen.

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