Warum Reisinger beim HFC erst ab Freitag loslegen darf

Am Montag als Nachfolger von Sreto Ristic verpflichtet, wurde Stefan Reisinger am Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz offiziell als neuer Trainer des Halleschen FC vorgestellt. Loslegen darf der 42-Jährige allerdings erst am Freitag.

Probleme mit Vertrag bei 1860

Er präsentierte sich voller Tatendrang, Halles neues Coach. "Ich brenne für die 3. Liga, will vorne weg marschieren und Verantwortung übernehmen", sagte er bei seiner Vorstellung am Mittwoch. Problem: Das Training leiten darf der 42-Jährige erst ab Freitag. "Das hängt mit vertraglichen Regelungen des alten Arbeitgebers zusammen", erklärte Präsident Jürgen Fox. Obwohl Reisinger als Co-Trainer von 1860 München bereits im vergangenen Dezember freigestellt worden war, lief sein Vertrag bis zuletzt weiter. Offenbar war es nicht gelungen, das Arbeitspapier schnell genug auflösen. Näher ins Detail gehen wollte Fox aber nicht, sondern sprach allgemein davon, dass Arbeitsrecht "nahe an Astrophysik" sei.

Welche Rolle der 42-Jährige bis Freitag einnehmen wird und ob es ihm erlaubt ist, Anweisungen zu geben, blieb offen. "Stefan Reisinger wird am Freitag das Training aufnehmen. Damit ist zu diesem Thema alles gesagt", antwortete Pressesprecherin Lisa Schöppe auf eine entsprechende Frage. Vorerst wird Neu-Co-Trainer Paco Vaz die Einheiten leiten, Unterstützung erhält er vom bisherigen Trainerteam. Warum die Wahl trotz der Vertragsproblematik auf Reisinger gefallen war, begründete Fox vor allem mit dessen Drittliga-Erfahrung. "Wir sind überzeugt davon, dass er aus der Mannschaft das rausholen kann, was in ihr steckt. Wir haben in dieser Saison schon gesehen, was sie zu leisten imstande ist." Häufig sei es allerdings so gewesen, "dass nicht alle in dieselbe Richtung gezogen haben", so die Beobachtung des Präsidenten, laut dem es "mehrere Interessenten" für den Trainerposten gegeben habe.

Berührungspunkte mit dem HFC

Viel Zeit, seine Mannschaft ab Freitag auf die Partie gegen Ulm am Sonntagabend (19:30 Uhr) vorzubereiten, bleibt Reisinger nicht. Was ihm aber zugute kommt, ist die Tatsache, dass er alle Spieler nach eigenen Angaben bereits kennt. Und: Bei einer theoretischen Simulation im Rahmen des Lehrgangs zur UEFA-Pro-Lizenz, wie ein Verein nach einem Trainerwechsel zurück in die Spur gebracht werden kann, hatte Reisinger vor einem halben Jahr den HFC aus einem Lostopf gezogen und den Klub anschließend bereits in allen Bereichen analysiert. Kurios: Damals wie jetzt stand das Spiel gegen Ulm an. Unter Ristic kamen die Saalestädter seinerzeit trotz Rückstand zu einem 3:2-Erfolg.

Daran will der der frischgebackene Fußballlehrer am Sonntag anknüpfen, sieht allerdings "viel Arbeit" vor sich und sprach von einer "schwierigen Aufgabe". Seine eigene Philosophie werde er erstmal hinten anstellen, "um die Saisonziele zu erreichen". Heißt wohl: Statt einer präferierten offensiven Herangehensweise wird Reisinger erstmal auf defensive Stabilität setzen, was angesichts von bereits 60 Gegentoren (Liga-Höchstwert) auch in der Tat nötig erscheint. Wenngleich die offensiven Qualitäten "nicht vernachlässigt" werden sollen. Schließlich hat Halle mehr Tore erzielt (45) als Spitzenreiter Regensburg (44).

Tür für Aussortierte bleibt zu

Bei seiner Mission helfen werde ihm sein "großer Erfahrungsschatz", so Reisinger, der die 3. Liga sowohl als Spieler (Saarbrücken) als auch aus der Trainer-Perspektive (Uerdingen, 1860) kennt. Halle ist nun allerdings seine erste Station als alleinverantwortlicher Chefcoach – und dann gleich eine derart schwierige. Doch der 42-Jährige, der sich als "kommunikativer, leidenschaftlicher und emotionaler Typ" bezeichnete, zeigte sich zuversichtlich, was den Kampf um den Klassenerhalt angeht: "Wir haben noch sieben Spiele vor uns und können was bewegen. Wir müssen jetzt den vollen Fokus auf die letzten Wochen legen." Mit den Fans im Rücken sei "einiges möglich".

Zwar betonte Reisinger, dass sich nun jeder Spieler zeigen dürfe. Für die im Winter aussortierten Andor Bolyki, Jordi Wegmann und Henry Jon Crosthwaite wird es allerdings kein Zurück geben, wie Halles neuer Coach klarmachte: "Das war eine Entscheidung der sportlichen Führung. Daran will ich nichts verändern. Wir haben den Kreis der Mannschaft zusammen, ich vertraue den Spielern zu 100 Prozent." Persönlich kennenlernen kann Reisinger die Mannschaft in den nächsten Tagen bereits, offiziell anpacken darf er dann ab Freitag. Ob sein Vertag wie kolportiert nur für die 3. Liga gilt, blieb offen.

Weiter Vertrauen in Sobotzik

Dass Sportchef Thomas Sobotzik bei der Pressekonferenz am Mittwoch nicht zugegen war, begründete Fox indes mit der Tatsache, dass der 49-Jährige zeitgleich einen "lange geplanten" und für den Verein "wichtigen" Termin, der für die Perspektive des Klubs "ernsthafte Bedeutung" habe, wahrgenommen habe. "Das soll signalisieren, dass das Geschäft normal weitergeht und wir keinen Aktionismus betreiben." Auf Nachfrage, ob es um den Job des Sportchefs gehe, schüttelte Fox mit dem Kopf. Sollte der Klassenerhalt nicht gelingen, dürfte die Personalie aber auf den Tisch kommen. Den Sturz in die Regionalliga zu verhindern, wird nun Reisingers Aufgabe sein. Derzeit liegt Halle zwei Punkte hinter dem rettenden Ufer.

   
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