Waldhof: Zwischen Königstransfer und offenen Baustellen
Der SV Waldhof Mannheim blickt auf eine wechselhafte Saison zurück und will unter dem neuen Trainer Rui Mota nun den nächsten Schritt gehen. Doch wie schlagkräftig ist der Kader schon jetzt, wo liegen die Stärken und wo die Schwächen? Ein Überblick über die Positionen.
Achte Drittliga-Saison am Stück
Schwung mitnehmen – oder Schwung erzeugen? Der SV Waldhof steht vor seiner bereits 8. Drittliga-Saison am Stück und bringt damit gemeinsam mit Viktoria Köln die längste durchgängige Zugehörigkeit zu dieser Spielklasse zusammen. Klar: Irgendwann wollen auch beim ehemaligen Bundesligisten Visionen von höheren Ligen verfolgt werden, die 3. Liga darf nicht das langfristige Ziel sein. Doch in der Realität war schon der 9. Platz 2025/26 ein Achtungserfolg, nachdem die zwei Jahre zuvor von Abstiegssorgen geprägt waren. Die Rückrunde gab allerdings bereits neuen Anlass zur Sorge, zu wacklig und inkonstant präsentierten die Buwe sich – die mit 72 Gegentoren schwächste Defensive abseits der (sportlichen) Absteiger spiegelte das erbarmungslos wider.
Nicht nur, aber auch dort hat der SV Waldhof im Rahmen seiner diesjährigen Transferaktivitäten bereits kräftig aufgerüstet. Unter dem neuen und international enorm erfahrenen Trainer Rui Mota als Nachfolger vom Luxemburger Luc Holtz dürfte der SVW zunächst mal wieder eine mittelgroße Wundertüte werden.
Torhüter: Alles beim Alten
Hier deuten sich derzeit noch keine großen Veränderungen an. Was bedeuten würde, dass die Rolle als etatmäßiger Stammtorhüter wieder dem 27-jährigen Niederländer Thijmen Nijhuis zufallen würde. Dieser kam vergangenen Sommer aus Finnland, hat eine Saison mit Höhen und Tiefen hinter sich: Nur drei Zu-Null-Spiele in 34 Ligaspielen (65 Gegentore) sind definitiv verbesserungswürdig. Dahinter stehen mit Jan Niemann und Lucien Hawryluk zwei etablierte Herausforderer bereit, das Trio ist demzufolge ohne Neuzugänge für den Moment komplett.
Verteidigung: Ein Königstransfer
Wie der Mota-Fußball aussehen wird, darüber kann aktuell nur gerätselt werden. Der 47-Jährige ist an seiner 16. Trainer-Station angekommen, wird dabei im zwölften Land heimisch. Zuletzt coachte er Klubs in Bulgarien, Armenien und Georgien – und setzte dabei bei wechselnder offensiver Zusammenstellung immer wieder auf eine Viererkette.
In deren Herz dürfte Königstransfer Claudio Kammerknecht (26/Dynamo Dresden) gesetzt sein, gleiches gilt für Kapitän Lukas Klünter. Großer Vorteil: Beide können auf die rechte Defensivseite ausweichen. Um die weiteren Plätze im Zentrum duellieren sich künftig der spannende Neuzugang Moritz Polte, zuletzt mit seinen 18 Jahren bereits Stammspieler beim BFC Dynamo in der Nordost-Regionalliga, und Tim Sechelmann. Nicht mehr dabei sind Niklas Hoffmann (1. FC Köln II) und Oluwaseun Ogbemudia (zurück zu Union Berlin), die in der Rückrunde überwiegend zwei Posten in der Dreierkette unter Holtz bekleidet hatten.
Auf Stallgeruch wird auf der linken Seite gesetzt: Yannis Hör (21), bis zu seinem 15. Lebensjahr bereits in der Waldhof-Akademie, kehrt von der TSG Hoffenheim zurück an den Alsenweg. Da mit Sascha Voelcke und Samuel Abifade zwei Linksverteidiger verabschiedet wurden, ist hier noch nomineller Bedarf. Rechts ersetzt zudem Jid Okeke (21) den abgewanderten Seyhan Yigit, der sich in zwei Jahren nicht durchsetzen konnte. Okeke ist in Deutschland geboren, aber seit acht Jahren in englischen Klubs unterwegs, zuletzt beim viertklassigen FC Walsall. Ähnlich wie bei Polte und Hör setzt Sport-Geschäftsführer Gerhard Zuber hier klar auf die langfristige Perspektive.
Mittelfeld: Sietans Abgang schmerzt
Zu den wenigen wirklich schmerzhaften Abgängen zählt fraglos der von Janne Sietan (Essen), der 24-Jährige hatte den Sprung zu einem Top-Sechser auf Drittliga-Niveau in der vergangenen Saison vollzogen. Mit Rico Benatelli (Elversberg II) und Arianit Ferati (vereinslos) sind zwei weitere zentrale Plätze im Kader frei geworden, besonders der Abschied von Kreativkopf Ferati fiel etwa anderthalb Jahre nach seiner Rückkehr niemandem leicht.
Die Nachfolger für die Genannten sind derweil noch völlig unklar, und darin liegt die derzeit wohl größte Mannheimer Baustelle. Julian Rieckmann, Diego Michel und Maximilian Thalhammer haben eine verhaltene Saison hinter sich, Adama Diakhaby war trotz schillernder Vergangenheit noch kein Unterschiedsspieler und fehlt mit einer Achillessehnenverletzung noch für einige Zeit. Ob Sechser, Achter oder Zehner: Der SVW benötigt dringende Upgrades, um die von Trainer Mota eingeforderte Offensivkraft auch durch alle Mannschaftsteile transportieren zu können.
Offensive: Klasse im Sturmzentrum
Ob im 4-3-3 oder 4-2-3-1: Einen Zentrums- und zwei Flügelstürmer wird Mota aller Voraussicht nach aufbieten. Und genau hier haben Zuber und Co. bereits ihre Hausaufgaben größtenteils erledigt: Zunächst entschied sich Terrence Boyd, entgegen ursprünglicher Planungen doch noch ein Jahr an seine Karriere anzuhängen – alleine als "Herbergsvater" im Team ist der US-Amerikaner bereits ein Gewinn. Dazu kommen mit Julian Ulbricht (27/SV Meppen) der Torschützenkönig der Regionalliga Nord sowie mit dem 31-jährigen Goncalo Gregorio ein Landsmann Motas aus der Premier League, wenn auch der armenischen (FC Noah).
Gleichwohl gilt es ein schweres Erbe anzutreten: Felix Lohkempers Transfer-Hängepartie ist beendet, der 31-Jährige wechselt zum SV Sandhausen in die vierte Liga. Über die Hintergründe des sportlichen Rückschritts lässt sich nur mutmaßen, faktisch war Lohkemper mit Tempo & Torriecher (16 Treffer in 2025/26) der Garant für diverse wichtige Siege. Überraschen könnte der 19-jährige Kian Ramadani (U19 Kaiserslautern), der aber nicht als Soforthilfe verpflichtet wird.
Nicht unterschlagen werden sollen bei solch prominentem Stühlerücken im Zentrum die Außenpositionen. Hier war die Trennung von Transfer-Flop Emmanuel Iwe keinesfalls überraschend. Das Upgrade zum bundesliga-erfahrenen Noah Sarenren-Bazee (29/Arminia Bielefeld) ist erheblich – sofern der Ex-Hannoveraner, der in seiner Karriere schon einige schwere Knieverletzungen erlitten hat, fit bleibt.
Ansonsten gilt (noch) das Prinzip "Masse statt Klasse": Jascha Brandt, Djayson Mendes, Nolan Muteba, Lovis Bierschenk, Vincent Thill und Kushtrim Asallari stehen ebenso noch auf der Payroll wie der Portugiese Masca, der im August 2025 durchaus mit Vorschusslorbeeren kam und diese Erwartungen nicht zu erfüllen wusste. Er gilt schon wieder als Abgangskandidat. Und auch für die anderen Genannten gilt: Stammplatz-Nachweise bei einem ambitionierten Drittligisten wie dem SV Waldhof müssen sie erst noch erbringen.