Waldhof-Trainer Trares offen für zweigleisige 3. Liga

Waldhof Mannheim schwimmt auch über die Diskussion über die Fortsetzung der Drittliga-Saison hinaus gegen den Strom. Nachdem sich der Aufsteiger mit seiner Forderung nach einem Abbruch der unterbrochenen Spielzeit im Lager der Minderheit positioniert hat, will Waldhof-Trainer Bernhard Trares nun entgegen der großen Mehrheit bei den Vereinen eine zweigleisige 3. Liga zumindest nicht prinzipiell ausschließen.

"Ein überlegenswerter Ansatz"

Den vor allem von mehreren Regionalligisten unternommenen Vorstoß für eine Abkehr des momentanen Liga-Formates bezeichnete Trares in der "Bild"-Zeitung jedenfalls als "einen überlegenswerten Ansatz“. Ein solches Modell hätte aus seiner Sicht durchaus Vorteile: "Fahrt- und Übernachtungskosten würden geringer, es gäbe mehr Derbys.“ Ausschlaggebend dürften allerdings nach Ansicht von Trares finanzielle Aspekte sein: "Man muss halt sehen, wie sich das rechnet, wenn die TV-Gelder auf mehr Klubs verteilt werden müssen.“

Die Teilung der 3. Liga kursiert seit mehreren Wochen als ein Modell zur Überbrückung der Schwierigkeiten bei der Ermittlung von Aufsteigern aus den viertklassigen Regionalligen. Nachdem im vergangenen Monat zunächst eine kleine Gruppe von Spitzenklubs aus unterschiedlichen Regionalligen unter Führung der SV Elversberg zunächst in Eigenregie per Brief an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) einen entsprechenden Vorschlag für zwei Staffeln mit jeweils 18 Teams gemacht hatte, bereitet der Saarländische Fußball-Verband nun einen Antrag für den außerordentlichen DFB-Bundestag am 25. Mai vor. Angeblich sollen insgesamt 25 Klubs das von Elversberg ausgearbeitete Konzept unterstützen.

Widerstand bei Ligakonkurrenten

Bei Mannheims Ligarivalen stößt der Gedanke an eine zweigeteilte Liga angesichts der durchaus positiven Entwicklung der 3. Liga in den vergangenen Jahren auf wenig Begeisterung. Für Präsident Manfred Schwabl von der SpVgg Unterhaching ist eine zweigleisige Liga auf keinen Fall eine Option: "Wenn das Geld schon für 20 Vereine nicht ausreicht, wird es für 40 auch nicht langen. Dazu brauche ich doch keinen Taschenrechner“, sagte der frühere Nationalspieler schon kurz nach Beginn der Debatte und fügte mit Nachdruck hinzu: "Mit einer Zweiteilung würden wir in die nächste Katastrophe schlittern." Auch der DFB erteilte einer zweigleisigen 3. Liga zuletzt mehrfach eine Absage. Daher dürften die Erfolgsaussichten des Antrages eher gering sein.

   
  • Ralph

    So – ich hab ihn nochmal rausgekramt.

    Mein Modellvorschlag:
    24 Klubs in zwei Staffeln, jährlich neu gelost ohne regionale Aspekte.
    Playoffs nach einer Vorrunde mit 22 Spieltagen – a) unter den jeweils 6 Besten um den Aufstieg (2 direkte Aufsteiger und bis zu 2 Relegationen) und b) unter den jeweils 6 anderen Staffelteilnehmern gegen den Abstieg (5 direkte Absteiger und bis zu 3 Relegationen). Gespielt wird unter Anrechnung von Vorrundenergebnissen gegen Mitplatzierte lediglich gegen die 6 Teams aus der anderen Staffel. Macht 34 Spieltage. Auf 36 Spieltage kommt man, wenn eine Zwischenrunde (Kreuzvergleich nach Tabellenlage – erster Staffel A gegen siebenter Staffel B, zweiter Staffel B gegen achter Staffel A usw.) eingeschoben wird. Auf die Zielgröße 38 Spieltage kommt man, wenn es eine Finalrunde gibt, die ebenfalls die Platzierung der Vorrunde aufgreift und nochmal viel Spannung in sich hat: erster Staffel A gegen letzter Staffel B, zweiter Staffel B gegen vorletzter Staffel A usw.).

    Das Model hat viele Vorteile:
    5 garantierte RL-Aufsteiger und damit Sicherung der bewährten RL-Struktur, in Summe mehr Spiele als jetzt und eine leicht höhere TV-Quote je Verein, kein Anstieg an Spielverpflichtungen je Verein und damit kein Terminchaos, mehr Durchlässigkeit zwischen 2.BL und 3.Liga sowie zwischen 3.Liga und den RL und abschließend keine zu starke Verwässerung des Leistungsniveaus wie es ggf. bei 36 Teilnehmern gegeben wäre.
    Die per Losverfahren zu entscheidenden Staffelzusammensetzungen könnten jährlich medial sehr gut vermarktet werden – ähnlich DFB-Pokal. Zweite Mannschaften werden übrigens möglichst gleichmäßig verteilt, d.h. bei mehreren U23-Teams entscheidet das nächste Los grundsätzlich für die andere Staffel. Auch die Absteiger könnten auf die Staffeln verteilt werden, müssen aber nicht …

    Nachteile:
    Kurzfristig erforderliche Planungen für die Partien der Zwischen- und Finalrunde – dies aber nur dann, wenn die Winterpause nicht nach dem 22. Spieltag erfolgt. Und das würde ja passen (jetzt nach dem 20./21. Spieltag).

    • Sterneneisen

      4 Regionalligen, fertig ist der Lack. Da braucht es keine Playoffs, die eine Meisterschaft ad absurdum führen.

      • Ralph

        4 RL gibt´s aber nicht, der Versuch scheiterte bekanntermaßen – und das zu recht. Lack dran oder ab. Playoffs sind ein probates Mittel und in anderen Sportarten längst akzeptiert und bewährt.
        Ist ja auch meine Idee und muss nicht Deine werden …

      • Sterneneisen

        Genau das ist doch mein Punkt. Die RLs hatten die Möglichkeit, Aufstiege fair zu gestalten. Das haben sie abgelehnt, weil Funktionäre eben gerne ihre Positionen und ihren Einfluss behalten wollten. Warum sollen dafür jetzt DFB, DFL und die Vereine der 3. Liga geradestehen?

        Playoffs sind vor allem in Sportarten verbreitet, die noch exzessiver auf Kommerz ausgelegt sind (bspw. NBA). Negativbeispiele gibt es dafür z. B. aus der Belgischen 1. Liga. Da verzweifeln einige an den Regularien.

    • ironimus

      Viel zu kompliziert. Wo soll dafür ein Mehrheitsbeschluss herkommen? Der DFB schafft es ja nicht mal, die einfachen Probleme für sein "Pemiumprodukt" Liga 3 zu lösen. Die umstrittene Teilnahme von DFL-Zweitmannschaften und die dubiose Aufstiegsregelung aus den RL bestehen weiterhin. Selbst wenn es gelänge: das Modell könnte ja nur für künftige Spielzeiten Anwendung finden. Primär ist zu entscheiden, wie die laufende Saison zu Ende gebracht werden kann. Und das scheint die Quadratur des Kreises zu sein, wenn man das permanente Hauen und Stechen unter den Vereinen sieht. Jeder ist sich selbst der nächste und schaut nur auf seine eigenen Interessen. Sportliche Solidarität und gemeinsames Handeln scheinen Fremdworte zu sein.

  • EBStefan

    Versteh ich nicht – dann hätte man gefühlt wieder besseres Regionalliga-Flair. Wenn man künftig die Meister aller Regionalligen mit Aufstieg belohnen will, warum stockt man nicht einfach die Dritte Liga auf. In England spielen sie mW die Ligen auch mit mehr Clubs (24 in der League One und Two)…

  • Stefan K

    Ich verstehe diesen Vorschlag nicht. Selbst mit gleichem TV-Budget hätten die Vereine weniger, aber bei einer zweigleisigen Liga sinkt doch die Attraktivität und das Niveau. D.h. es gibt wahrscheinlich noch weniger Geld. Ich sehe die Vorteile einfach nicht.

    • gwisdek

      Die Vorteile sehen ausschließlich aktuelle Viertligisten und solche, die anscheinend in den letzten Jahren eine Menge 4. Liga Luft geschnuppert haben wie Trares.
      Das Problem ist natürlich, dass du als Meister in der 4 Liga nicht automatisch aufsteigst, aber das ist nunmal auch ein Problem der 4. Liga. Es gab dort oft genug Ansätze dort viergleisig oder sogar dreigleisig zu fahren. Meistens verhindert durch den NOFV. 5 Ligen in 1 zu münden ist halt schwer. Dafür bestraft werden sollten aber nicht die Drittligisten.

      die FCK Fans zum beispiel wären sicherlich wenig amused, wenn nächste Saison zum "Derby" der TSV Steinbach oder der FCA Walldorf auf dem Betze empfangen werden.

      • Friedrich Herschel

        Fun Fact: von 1994-2000 hatten wir schonmal 4 Regionalligen in Deutschland.

      • Sterneneisen

        Der NOFV wehrt sich allerdings auch vehement, weil er die meisten Federn lassen soll. Begründet wird dies mit der vermeintlich ausschlaggebenden Anzahl der Vereine/Mitglieder jedes Verbandes. Dass aufgrund der DDR dies historisch gewachsen ist, ist den anderen Vereinen egal. Da sieht (wie zur Zeit auch in der 3. Liga) jeder nur sich selbst. Logik ist im Fußball eben immer weniger gefragt.

  • Michael Vogel

    Ob das mit seinem Chef Kompp abgesprochen ist? Der sieht das nämlich ganz anders.

    • Mecklenburger

      Ob man als Nordost-Team gegen Flensburg oder gegen Altglienicke spielt macht es doch auch nicht attraktiver. Da sind einem 1860, FCK, auch ein Waldhof usw. 100mal lieber. Und es kommen auch mehr Gästefans ins Stadion. Hansa hat auch sehr viele Fans im Westen und Süden (die aus unterschiedlichen Gründen umgezogen sind) und die freuen sich, wenn der Verein mal bei Ihnen in der Gegend vorbei kommt. Habe auch einen Kumpel der bei Stuttgart wohnt und immer bei den spielen dabei ist.

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