Wacker schlägt Leipzig: Die Gründe für den Überraschungssieg

Wacker Burghausen hat am Samstag zum Auftakt des Drittligajahres 2014 direkt für die erste große Überraschung gesorgt. Der Abstiegskandidat, der mit acht Punkten Rückstand auf das rettende Ufer auf dem letzten Tabellenplatz überwinterte, gewann beim großen Favoriten RB Leipzig mit 1:0. Das Kellerkind zog den Sachsen über weite Strecken der Partie den Zahn und hatte beim goldenen Tor durch Angelo Hauk auch das nötige Quäntchen Glück auf seiner Seite. Es war zudem das erste Mal in der Drittliga-Geschichte, dass ein Tabellenschlusslicht gegen den Zweitplatzierten gewinnen konnte.

Kompakter Defensivverbund der Gäste

Bei – 10 Grad entwickelte sich vor knapp 7.400 Zuschauern in der Red Bull Arena eine phasenweise sehr zerfahrene Partie mit verhältnismäßig vielen Unterbrechungen. Die Wacker-Elf von Trainer Uwe Wolf musste schon früh den ersten Nackenschlag hinnehmen, als Stürmer Ahmet Kulabas nach einem Tackling von RB-Sechser Henrik Ernst nicht mal eine Minute nach dem Anstoß verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste. Doch die Gäste ließen sich davon nicht beirren und erwiesen sich in der Folge als äußerst unangenehmer und cleverer Gegner. Burghausen attackierte die Leipziger immer wieder frühzeitig in deren Hälfte, um Ballverluste zu provozieren und einen kontrollierten Spielaufbau der Roten Bullen zu unterbinden. Gelang dies nicht, zog sich die Mannschaft schnell und geschlossen zurück und baute in der eigenen Hälfte einen kompakten Defensivriegel auf, nur um bei Ballgewinn schnörkellos den Weg nach vorne zu suchen und sich immer wieder bietende Lücken im Defensivverbund der Leipziger zu nutzen. Gleich mehrfach verhinderte lediglich die mangelnde Chancenverwertung einen früheren Führungstreffer. Für das entscheidende Tor des Spiels sollte schließlich ein grober Schnitzer der RB-Defensive sorgen: Keeper Erik Domaschke spielte ohne Not den mehr oder weniger zugestellten österreichischen Neuzugang Georg Teigl an, der den Ball statt zu klären genau in den Fuß von Wacker-Stürmer Angelo Hauk passte. Dieser ließ sich die Chance nicht entgehen und netzte frei vor Domaschke in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit ein.

Wolf: "Unser Plan ist aufgegangen"

Auch nach der Pause beschränkte sich die Wolf-Elf nicht nur darauf, sich am eigenen Strafraum einzugraben, sondern beschäftige die Roten Bullen immer wieder in deren Hälfte. Häufig schnappte dabei zwar die Leipziger Abseitsfalle zu, trotzdem sorgte Wacker so immer wieder für die dringend benötigte Entlastung. In der Schlussviertelstunde schraubten die Gäste schließlich immer wieder äußerst clever durch geschicktes Zeitspiel während der zahlreichen Unterbrechungen an der Uhr und brachten die Führung über die Zeit. "Unser Plan ist aufgegangen", stellte nach Uwe Wolf nach der Partie zufrieden fest, nur um direkt im Anschluss zu ergänzen: "Das war aber nur ein kleiner Schritt. Wir haben noch einen langen Weg vor uns." Wacker reichte dank dieses Sieges die rote Laterne zwar an Saarbrücken weiter, der Rückstand auf Chemnitz und das rettende Ufer beträgt aber immer noch sechs Punkte.

Zorniger: "Ein Totalcrash der ganzen Mannschaft"

Ernüchtert zeigte sich verständlicherweise RB-Trainer Alexander Zorniger, der nach dem äußerst schwachen Auftritt kein gutes Haar an seinem Team ließ: "Es war über viel zu lange Zeit ein Totalcrash von der ganzen Mannschaft. Da muss sich dann auch der Trainer fragen, ob er die richtigen Leute aufgestellt hat. Das war sicher auf der ein oder anderen Position nicht der Fall." In der Tat erwischten die Roten Bullen im ersten Pflichtspiel nach der Winterpause einen rabenschwarzen Tag. Alle Mannschaftsteile wirkten sowohl in der Vorwärts- als auch der Rückwärtsbewegung ungewohnt fahrig und phasenweise genervt vom gut eingestellten Gegner. Wenn selbst Chefstratege Dominik Kaiser im Mittelfeld unkonzentriert wirkt und immer wieder leichte Ballverluste verursacht, lässt dies meist deutliche Rückschlüsse darüber zu, wie es um das RB-Spiel bestellt ist. "Das war ein echter Schlag", stellte Zorniger nach dem Spiel fest, "hoffentlich zum richtigen Zeitpunkt. Wir werden unsere Lehren daraus ziehen und in den nächsten Wochen anders auftreten." Das wird auch dringend nötig sein, schließlich haben es die kommenden beiden Aufgaben in Duisburg und Erfurt in sich.

Da die direkten Verfolger aus Darmstadt und Rostock an diesem Spieltag allerdings ebenfalls Federn lassen mussten, hat der ernüchternde Auftritt für die Leipziger zumindest in der Tabelle noch keine unmittelbaren Konsequenzen. RB steht mit vier Punkten vor den Darmstädtern weiterhin auf dem zweiten Platz.

FOTO: GEPA Pictures

 

   
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