Vollath im Thesen-Interview: "Lasse manche Bälle einfach durch"

Im Thesen-Interview mit liga3-online.de spricht Unterhachings Torwart René Vollath über den aktuellen Erfolg der SpVgg, frühere Stationen beim KFC Uerdingen und bei Türkgücü München, seine Torwart-Karriere und seinen “Nebenjob" als Schiedsrichter.

"Das werde ich mir immer anhören müssen"

Hinweis: Bei diesem Interview handelt es sich um ein Thesen-Interview. In diesem Format konfrontieren wir Spieler, Trainer und Funktionäre aus der 3. Liga mit steilen Thesen. Sowohl die Thesen unserer Autoren als auch die Antworten der Interviewpartner sind humorvoll und NICHT ernst gemeint. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Mit 31 Gegentreffern stellt die SpVgg Unterhaching eine der besten Abwehrreihen der Liga, Sie haben schon zwölfmal den Kasten sauber gehalten. Das ist aber auch kein Wunder: Nach mehr als 230 Einsätzen in der 3. Liga kennen Sie die Liga so gut, dass Sie in den meisten Momenten genau wissen, was als Nächstes passiert. Antizipation 2.0, Herr Vollath!

René Vollath: So ist es. Damit aber nicht zu sehr auffällt, dass ich immer schon alles vorher weiß, lasse ich manche Bälle einfach durch. Ich hoffe, das bleibt unter uns!

Wir kennen auch noch einen anderen Grund für Ihre starke Torhüterbilanz: Ihre beeindruckende Ruhe und Gelassenheit – die Sie speziell bei Ihren entspannten Stationen beim KFC Uerdingen und bei Türkgücü München entwickelt haben!

Absolut. Sowohl bei Türkgücu als auch in Uerdingen ging es wirklich immer nur ums Sportliche und es gab keine Nebenschauplätze. Es war einfach schön, dass nach jedem Spiel der Fokus auf das Wesentliche gerichtet wurde und sich niemand in den VIP-Räumen wild aufgeführt hat. Das hat mich geerdet. Seitdem kann ich mich einzig und allein auf Fußball fokussieren.

Torwart sind Sie übrigens nur geworden, weil Ihr Vater Stürmer war. So konnten Sie ihn beim gemeinsamen Kicken in die Schranken weisen – mehr wollten Sie nie!

(lacht) Leider werde ich meinem Vater nie Paroli bieten können. Er hat ein Bundesliga-Spiel bestritten – und ich keins. Das werde ich mir immer anhören müssen!

 

"Respekt ist extrem wichtig"

Uns fällt noch ein Grund für Ihre Torwart-Karriere ein: So kann Ihr Vater Sie weniger kritisieren. Wären Sie Stürmer geworden, hätte es doch immer Sprüche wie “Also ich hätte den damals gemacht” gegeben!

Naja – ich war früher ja auch mal Stürmer. Die Sprüche gab es also schon. (lacht) Und da mein Vater viel vom Torwartspiel versteht, gibt es auch heute noch genügend Diskussionen. Aber die Gespräche mit ihm helfen mir auch sehr, um mich immer wieder zu verbessern.

Sie haben in der Vergangenheit auch nebenbei als Schiedsrichter im Amateurbereich auf dem Platz gestanden. Wir glauben: Das haben Sie nur gemacht, damit endlich mal jemand nach Ihrer Pfeife tanzt – zuhause haben Sie dazu keine Chance.

Absolut richtig. Gerade jetzt mit meiner Tochter habe ich zuhause noch weniger zu sagen. Tatsächlich war damals aber der Hauptgrund, dass ich mich in einer Partie mit einem Schiedsrichter ein wenig angelegt hatte. Er sagte mir dann: Mach es doch besser! Das habe ich getan und ich bin selbst Schiedsrichter geworden.

Abschließend eine ernstgemeinte Frage: Haben Sie in Ihren Spielen als Schiedsrichter die Leistung der Unparteiischen mehr zu schätzen gelernt?

Ich habe auf jeden Fall mehr begriffen, worauf es ankommt. Und dass der nötige Respekt extrem wichtig ist. Das gilt für beide Seiten: Weder Spieler noch Schiedsrichter sollten respektlos und von oben herab mit der anderen Partei umgehen. Sicher haben es Schiedsrichter nicht leicht – und viele Spieler benehmen sich daneben. Aus meiner Sicht als Spieler gibt es aber auch Dinge, die mich am Verhalten von Schiedsrichtern stören. Manchmal habe ich das Gefühl, dass einige Referees ihre Macht auf dem Spielfeld genießen. Beispielsweise die wilde Androhung einer gelben Karte, wenn ich mich mal zu einer diskutablen Entscheidung äußere, muss nicht sein. Das erhitzt die Gemüter doch noch viel mehr. Stattdessen sollte ein Schiedsrichter Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen – das beruhigt auch Spieler und die Gesamtsituation. Aber vielleicht ist auch hier der Grund für dieses Verhalten die Lage zuhause. Nach dem Motto: Wenn ich zuhause nichts zu sagen habe, dann halt auf dem Platz! (lacht)

   
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