Viktorias Rettig schlägt Alarm: "3. Liga produziert Sozialfälle"

Andreas Rettig geht auf Konfrontationskurs zur DFB-Task-Force "Wirtschaftliche Stabilität 3. Liga": Im Gegensatz zur Arbeitsgruppe des Verbandes hält der neue Vorsitzende der Geschäftsführung von Viktoria Köln und ehemalige Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL) die Drittliga-Strukturen für unzureichend und für den Auslöser von teilweise massiven Finanzproblemen der Vereine.

"Viele Vereine ständig mit einem Bein in der Insolvenz"

"In ihrer derzeitigen Form produzieren wir in der 3. Liga quasi sehenden Auges Sozialfälle. Das beginnt bei den Spielern und geht weiter zu den Vereinen, von denen viele ja ständig mit einem Bein in der Insolvenz stehen", schlägt Rettig in einem Interview mit dem "WDR" durch die Erläuterung seiner Position Alarm. Ein Hauptkritikpunkt des früheren Managers mehrerer Bundesliga-Klubs sind die strukturellen Unterschiede in der finanziellen Grundausstattung zwischen der 2. und 3. Liga. Außerdem stellte Rettig die aus seiner Sicht unverhältnismäßig hohen und damit kostenintensiven Anforderungen des DFB an die Drittligisten im Vergleich zu Zweitligisten infrage.

Die im vergangenen Herbst eingesetzte DFB-Task-Force hatte zu Wochenbeginn ihren Zwischenbericht vorgelegt. Dabei soll laut Verband in dem 21-köpfigen Gremium Konsens gewesen sein, dass die grundsätzliche Struktur der 3. Liga unter den aktuellen Gegebenheiten als eingleisige Profispielklasse passend sei, da sie "nach gemeinsamer Auffassung im derzeitigen Ligensystem die beste Grundlage für die Zukunftsfähigkeit und wirtschaftliche Stabilität der 3. Liga bildet".

Forderung nach "Änderung der TV-Verträge"

Rettig widerspricht dieser Einschätzung nicht zuletzt mit Blick auf die Zweitliga-Absteiger nachdrücklich. Die betroffenen Klubs fielen in ein großes Loch, meint der 58-Jährige: "Statt acht Millionen TV-Geld bekommen sie plötzlich nur noch eine Million. Ihre Kosten bleiben aber annähernd gleich. Das kann ein Verein vielleicht ein Jahr kompensieren, zwei oder drei Jahre lang aber nicht." Deswegen plädiert Rettig für eine "Änderung, die den Übergang von der 2. Bundesliga in die 3. Liga etwas abfedert" und regt "eine Anpassung der TV-Verträge" oder "andere Unterstützungsmaßnahmen" an.

Entlastung durch Reformen würden jedoch auch Drittligisten ohne Vergangenheit zumindest im Unterhaus benötigen, meint Rettig weiter. Es sei "nicht verständlich, was da von den Drittligisten alles an kostenintensiven Standards eingefordert wird“, erklärte der gebürtige Leverkusener und nannte exemplarisch ein Beispiel: "Macht es wirklich Sinn, ständig eine Rasenheizung auf Standby zu halten, die permanent Tausende Liter Öl verschlingt?" Die Task Force soll im Herbst dem DFB-Präsidium Empfehlungen zur Beschlussfassung für den Anfang 2022 geplanten Bundestag vorlegen. Dazu will sich die Arbeitsgruppe auch mit dem Drittliga-Ausschuss und allen Vereinen abstimmen.

   
  • Lodenhool Lodenkai

    Ach Herr Rettig, wenn Herr Bierhoff erstmal mit dem großen Vermarktungsclou der Umbenennung in "Die Liga" kommt, beginnen goldene Zeiten. Solche Nörgler wie Sie in der Taskforce, pfui Teufel…

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