VfL-Coach Maik Walpurgis: ,,Ich möchte etwas bewegen"

Zwei Pflichtspielsiege in der Liga und einen 3:0-Pokalerfolg über Erzgebirge Aue konnte der VfL Osnabrück in der noch jungen Spielzeit bereits verbuchen. Einen derart positiven Start hat den Lila-Weißen nach der bitteren Niederlage in der Relegation gegen Dynamo Dresden eigentlich niemand zugetraut. Verantwortlicher Cheftrainer ist seit dem Trainingsauftakt vor etwas mehr als sechs Wochen Maik Walpurgis, der von den Sportfreunden Lotte verpflichtet wurde. Im Interview mit liga3-online Redakteur Daniel Rynio spricht der 39-Jährige über seinen persönlichen Aufstieg in die dritte Liga, den Rückhalt der Osnabrücker Fans und die Zielsetzungen für die kommenden Jahre.

liga3-online.de: Hallo Herr Walpurgis! Bisher stehen zwei Siege in der Liga, der Pokalerfolg über Aue und die weiße Weste von Torhüter Heuer-Fernandes zu Buche. Die Mannschaft scheint intakt zu sein, vor allem physisch legt sie beachtlich große Strecken zurück und begeistert die Zuschauer mit ihrer Spielweise. Wie bewerten Sie den Saisonstart aus Ihrer Sicht?

Maik Walpurgis: Ich denke, wir konnten nicht unbedingt davon ausgehen, so gut zu starten. Die Mannschaft hat während der gesamten Vorbereitung sehr gut gearbeitet und wirkte sehr konzentriert und fokussiert. Mit den guten Ergebnissen aus den ersten Spielen hat sie sich für die gute Leistung selbst belohnt.

Fünf Jahre lang hielten Sie das Zepter auf dem Trainerstuhl des Regionalligisten aus Lotte in der Hand und formten ein Team, welches in den vergangenen Spielzeiten um den Aufstieg mitmischte, diesen aber letztendlich immer knapp verpasste. Aus welchen Gründen haben Sie sich jetzt für den Sprung in die 3. Liga und zum VfL entschieden?

Wir haben in der Sommerpause sehr gute Gespräche mit den Verantwortlichen des VfL Osnabrück über Perspektiven, aktuelle Herausforderungen und kurz-, mittel- und langfristigen Ziele geführt. Unsere Vorstellungen waren in vielen Punkten fast deckungsgleich, daher möchte ich mit dem VfL Osnabrück in dieser schwierigen und herausfordernden Situation etwas bewegen.

Im Gegensatz zu Claus-Dieter Wollitz wirken Sie sehr gelassen an der Seitenlinie. Man hat den Eindruck, dass Ihre Art bei Mannschaft und Fans gleichermaßen gut ankommt.

Jeder Trainer hat seinen eigenen Stil. Ich versuche, das Maximum aus jedem einzelnen Spieler herauszuholen. Top-Leistungen einzelner Spieler ergeben starke Mannschaftsleistungen, die sind unser Ziel.

Im Vorfeld der Saison wurde oft von einem ,,Übergangs- oder Konsolidierungsjahr“ gesprochen – nun übertrafen die erste Eindrücke Ihrer Mannschaft die Erwartungen vieler Fans. Steckt nicht doch das Potential für die obere Tabellenhälfte in der Truppe oder ist es für derartige Prognosen noch zu früh?

Ich denke, nach zwei absolvierten Ligaspielen kann man noch keine Prognose abgeben. Wir sind überraschend gut gestartet, darüber können wir uns alle freuen. Jetzt wollen wir diesen Weg natürlich auch in den kommenden Wochen konzentriert fortführen.

Was haben Sie eigentlich mit Daniel Nagy angestellt? Der junge Spielmacher blüht ja förmlich auf unter dem neuen Trainergespann, nachdem er in der Rückrunde oftmals unter seinen Möglichkeiten geblieben ist.

Daniel macht aktuell einen hervorragenden Eindruck bei uns. Die Vergangenheit kann und möchte ich auch nicht bewerten. Er ist sehr engagiert bei der Sache, fleißig und ein fantastischer Fußballer.

Einstudierte Standardsituationen waren in Osnabrück oft Mangelware, in dieser Saison sieht das anders aus. Man bekommt das Gefühl, die Mannschaft lernt schnell und kann die Trainingsinhalte extrem gut umsetzen. Sehen Sie das ähnlich?

Wir haben vor allen Dingen eine intelligente Mannschaft, die die Vorgaben sehr gut umsetzt und Standardsituationen gehören selbstverständlich auch dazu. Dazu zählt, dass wir variantenreich agieren, die Schwachstellen des Gegners ausnutzen und unsere eigenen Stärken immer wieder gut platzieren.

Sind Sie weiterhin auf der Suche nach einem Rechtsverteidiger oder geben Sie sich mit den Alternativen David Pisot oder auch Marcel Stadel zufrieden?

Souverän an der Seitenlinie: Maik Walpurgis

Wir suchen nach wie vor auf der Rechtsverteidigerposition jemanden, der fußballerisch und charakterlich gut in diese Mannschaft passt.

Der Dauerkartenverkauf ist bereits zum jetzigen Zeitpunkt auf dem Niveau des Vorjahres angelangt, obwohl den Anhängern des VfL ein Übergangsjahr angekündigt wurde. Wie erklären Sie sich dieses Phänomen?

Sensationell! Die Unterstützung der Zuschauer in den ersten Heimspielen war unglaublich. Auch die Unterstützung bei unserem Auswärtsspiel in Chemnitz war großartig. Für die Spieler ist es natürlich zusätzlicher Ansporn und Motivation, wenn sie von der Tribüne so unterstützt werden.

Wie sehen Ihre Zielsetzungen für die kommenden zwei Jahre aus? Gibt es konkrete Pläne für die Spielzeit nach dem Übergangsjahr?

Wir wollen diese Zeit, die für uns alle eine große Herausforderung ist und in der es darum geht, den VfL wieder auf eine wirtschaftlich stabile Basis zu stellen, nutzen, um die Voraussetzungen zu schaffen, die mittel- bis langfristig den Klub in Richtung 2. Liga führen. Dabei werden wir aber den Weg der kleinen Schritte beschreiten und nicht nach drei gewonnen Spielen in Größenwahn verfallen. Wir müssen bodenständig sein und konzentriert mit viel Spaß weiter machen!

In dem Konflikt um ihren Vertrag hat es zwischen den Sportfreunden Lotte und dem VfL Osnabrück endlich eine Einigung gegeben, die eine Ablösesumme sowie zwei Freundschaftsspiele für die Nachbarn Ihres Ex-Klubs enthält. 

Ich bin sehr froh, dass die Einigung erzielt werden konnte und die Angelegenheit damit jetzt vom Tisch ist.

Wen wünschen Sie sich persönlich für die zweite Runde im DFB-Pokal?

Ich freue mich einfach auf die Auslosung und bin gespannt, wen wir bekommen….

 

FOTOS: Flohre Fotografie

   
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