Unschöne Szenen beim Baden-Derby – Polizei musste eingreifen

Sportlich hätte das Viertelfinale des BFV-Pokals nicht besser für den Karlsruher SC laufen können. 12.500 Zuschauer verfolgten das Pokalspiel, darunter 3.500 Anhänger des Karlsruher SC. Ungefähr 200 Berliner und 70 Grazer begleiteten die befreundenden Fans vom KSC zum Auswärtsspiel. Die Fans von Waldhof Mannheim erhielten Unterstützung durch 400 Frankfurter Ultras und eine unbekannte Zahl an Baselern, die mit den Grazer Anhängern verfeindet sind. Diese Konstellation trug nicht gerade dazu bei, dass das Spiel weitgehend friedlich über die Bühne ging. Um Krawalle zu verhindern, setzte die Polizei mehr als 900 Bereitschaftspolizisten von der Landes- und Bundespolizei ein. Mit von der Partie waren auch Reiter- und Polizeihundestaffeln sowie ein Polizeihubschrauber. Ebenfalls waren szenekundige Beamten aus Berlin, Frankfurt, Karlsruher und Mannheim vor Ort.

Sonderzug der KSC Fans wird überfallen

Etwa 100 Maskierte bewarfen den ersten Entlastungszug der Karlsruher bei Schwetzingen mit Steinen und Flaschen. KSC-Anhänger nahmen den Angriff zum Anlass, die Notbremse zu betätigen. Sofort verließ eine kleine Gruppe den Zug, um sich gegen Angreifer zur Wehr zu setzen. Durch das sofortige Einschreiten der mitgereisten Einsatzkräfte konnte eine Schlägerei verhindert werden und die Angreifer suchten das Weite. Wie die Polizei mitteilte, konnten mehrere Täter identifiziert werden, gegen sie wird ein Strafverfahren u.a. wegen Sachbeschädigung und gefährlichem Eingriff in den Bahnverkehr eingeleitet.

2000 Anhänger des KSC marschieren durch Mannheim

Nachdem der zweite Sonderzug sicher den Mannheimer Hauptbahnhof erreicht hatte, wurden die Fans von der Polizei vor dem Bahnhof gesammelt. Die meisten von ihnen waren nach der Zugfahrt schon erschöpft, da es keine Toiletten in den Zügen gab und einer der beiden Züge auf 30° Grad hochgeheizt war. Um 13 Uhr setzte sich die KSC Fans, eingekesselt von Polizei-Hundertschaften in Richtung des 3,5 km entfernt gelegene Carl-Benz-Stadion in Bewegung. Die Route verlief über die für den Autoverkehr gesperrte L37 und die Theodor-Heuss-Anlage, daher kam es in der Mannheimer Innenstadt zu Verkehrschaos und langen Staus. Die Fans wurden nicht nur von der Polizei begleitet, sondern auch von den Mitarbeitern des Fanprojekts, dem KSC Fanbeauftragten und dem Sicherheitsbeauftragten. Die Idee dabei ist, dass die Fans den eigenen Gesprächspartnern vertrauen und daher eher auf deren Hinweise hin sich nicht provozieren lassen. Rund 20 Ordner vom KSC unterstützen die Polizei auf dem Hin-/Rückweg und den Sicherheitsdienst im Gästebereich des Carl-Benz-Stadions. Um die 400 Schaulustige verfolgten den Marsch der Karlsruher. Die Polizei teilte in einer Pressemittelung mit, dass mehrere 100 Anhängern des SV Waldhof durch Hundertschaften der Polizei daran gehindert werden konnten, gewalttätige Auseinandersetzungen mit den Karlsruhern zu führen. Auf dem Weg zum Stadion zündeten Karlsruher vereinzelt Pyrotechnik, dennoch war der Marsch zum Stadion recht ruhig, da sich keiner provozieren ließ.

Polizei setzte Pfefferspray ein

Nach Ankunft der 2000 Karlsruher am Stadion, kam es am Eingangsbereich zum Gästeblock zu heftigem Gedränge. Nach Angaben eines Fanbetreuers, waren nur zwei von fünf Einlasskontrollen für die Gästefans geöffnet. Die Polizei setzte Pfefferspray und Schlagstöcke ein und forderte die Fans auf: „Hört auf zu drücken, sonst haben wir eine Paniksituation“. Damit alle Besucher genügend Zeit hatten, ihre Plätze einzunehmen, wurde der Anpfiff um 15 Minuten auf 15:15 Uhr verschoben.

Rauchbomben und Benaglos auf beiden Seiten

Im Fanblock des SV Waldhof Mannheim wurden im Zuge der Choreografie kurz vor Anpfiff mehrere Rauchbomben und ein bengalisches Feuer gezündet. Durch die starke Rauchentwicklung verzögerte sich der Anpfiff um weitere 5 Minuten. Zu Beginn der zweiten Halbzeit gab es auch einzelne Bengalos im Gästebereich und die Karlsruher enthüllten dazu das Spruchband: „Wir sind das Highlight eurer Saison“. Erstmals seit dem Relegationsspiel zur zweiten Liga und dem draus resultierenden Abstieg in die 3. Liga wurden im Fanbereich des Drittligisten wieder bengalische Feuer abgebrannt. Die restliche Zeit begrenzten beide Seiten ihre Aktionen auf Schmähgesänge.

Fan-Krawalle rund um das Stadion

Die Polizei sammelte die Gästefans nach dem Abpfiff der Begegnung und begleitete sie auf dem gleichen Weg zurück zum Bahnhof. Wie auf dem Hinweg, wurden die Fans von der Polizei eingekesselt. Nach dem der Zug der KSC-Anhänger rund die 200 Meter zurück gelegt hatte, kam die Menge ins Stocken. Aus Richtung Landesmuseum griffen rund 100 Hooligans den KSC-Fan–Zug an. Bevor die beiden verfeindeten Fangruppierungen aber aufeinandertreffen konnten, gelang es den uniformierten Einsatzkräften durch Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray die Trennung der Fangruppierungen aufrecht zu erhalten. Polizeihunde und Reiterstaffeln kamen im Zuge der Aktion auch zum Einsatz. Die Karlsruher waren so massiv von der Polizei eingekesselt, dass es keine Möglichkeit gab, aus dem Zug auszubrechen. Während des Marsches zum Hauptbahnhof versuchten die Anhänger von Waldhof insgesamt dreimal den KSC-Zug zu attackieren. Jedes Mal konnte die Polizei die Angreifer zurückdrängen. Die Abfahrt der Entlastungszüge verzögerte sich erheblich. Wegen der Ausschreitungen kam der Verkehr in der Mannheimer Innenstadt teilweise völlig zum Erliegen.

Gewalt ging von Waldhofer Seite aus

Die Polizei teilte in einer Pressemitteilung mit, dass es im Rahmen des Derbys zu 34 vorläufigen Festnahmen kann wegen des Verdachts auf Beleidigung, des Landfriedensbruchs, der Sachbeschädigung und Verstoß gegen das Waffengesetz. Der Pressesprecher der Mannheimer Polizei, Martin Boll, erklärte gegenüber dem "SWR": „Es wurde massiv versucht von Waldhofer Seite die Auseinandersetzung mit den Fans des KSC zu suchen. Und nur durch unsere starke Polizeipräsenz konnten wir ein Aufeinandertreffen verhindern und wir mussten dabei etliche Waldhof Fans massiv zurückdrängen.“ Nach dem Abpfiff der Partie war die Lage rund um das Stadion extrem kritisch: „Es wurden Steine von Waldhofer Seite geworfen und versucht, die Polizeilinien zu durchbrechen. Das wollten wir natürlich auf jeden Fall verhindern. Und das ist uns nur mit dem starken Polizeieinsatz gelungen.“ Über Verletzungen auf Seiten der Fans gibt es keine Angaben, dafür über verletzte Polizisten: „Also wir haben alle die Körperschutzausstattung getragen, dennoch sind drei Polizisten leicht verletzt worden. Das ist allerdings recht wenig, Gott sei Dank. Dies hängt aber auch damit zusammen, dass wir zahlenmäßig ein so großes Aufgebot waren und dass wir sofort konsequent eingeschritten sind.“

FOTOS: FU Sportfotografie

 

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