"Uns blieb nichts anderes übrig": Aue trennt sich von Härtel
Einen Tag nach der 1:3-Niederlage beim TSV Havelse hat der FC Erzgebirge Aue am Samstag die Reißleine gezogen und sich mit sofortiger Wirkung von Cheftrainer Jens Härtel getrennt. Mit der Freistellung des 56-Jährigen reagieren die Verantwortlichen auf die drei Niederlagen zum Start der Rückrunde. Vorerst übernehmen die bisherigen Co-Trainer Adam Susac und Lars Fuchs.
Bilanz und Tabellensituation "alarmierend"
Erst 22 Punkte, lediglich fünf Siege, in der Tabelle nur auf Platz 17 und die ersten drei Spiele der Rückrunde allesamt verloren: Der FC Erzgebirge Aue spielt bislang eine enttäuschende Saison. Am Freitagabend reichte selbst eine Pausenführung beim TSV Havelse nicht zum Sieg, sodass die Veilchen bei nur einem Sieg aus den letzten neun Partien stehen. Dass Jens Härtel noch einmal die Wende einleiten würde, davon waren die Verantwortlichen nicht mehr überzeugt – und stellten den 56-Jährigen am Samstag mit sofortiger Wirkung frei. Noch vor der Partie gegen Havelse hatte Sport-Geschäftsführer Michael Tarnat zwar betont, dass die Partie beim Abstiegskonkurrenten "auf keinen Fall" ein Endspiel für Härtel sei, doch nach der verspielten Führung sowie dem schwachen Auftritt in der zweiten Halbzeit setzte hinter den Kulissen ein Umdenken ein.
"Uns blieb angesichts der jüngsten Entwicklungen nichts anderes übrig, als den Negativtrend mit einem Wechsel in der Verantwortung möglichst umgehend zu stoppen", sagt Präsident Thomas Schlesinger in einer Mitteilung des Vereins. Schließlich seien die Bilanz und Tabellensituation "alarmierend", ebenso wie die Fehlerquote auf dem Rasen. "Bei allem Bemühen um Kontinuität und Geduld ist nicht wegzudiskutieren, dass wir seit einem Jahr unseren eigenen Ansprüchen und Erwartungen hinterherhinken", macht Schlesinger deutlich.
Die Entscheidung, Härtel freizustellen, sei in Abstimmung zwischen Vorstand, Aufsichtsrat und Geschäftsführung am Samstagvormittag gefallen. Härtel wurde anschließend in einem persönlichen Gespräch informiert, heißt es. Tarnat, der erst seit Anfang des Jahres im Amt ist, bedauert die Trennung: "Natürlich hatte ich mir meinen Amtsantritt anders vorgestellt, ebenso die erste einschneidende Maßnahme. Ich kann aus meiner Beobachtung Jens Härtel großes Engagement, akribisches Arbeiten, immensen Fleiß und fachlich sehr gute Arbeit bei der Einstellung auf den jeweiligen Gegner attestieren." Aber letztlich gehe es im Fußball ausschließlich um Ergebnisse. Und um den Verein, so Tarnat.
Nur 43 Punkte aus 41 Spielen
Härtel hatte das Amt im Erzgebirge im Januar 2025 von Pavel Dotchev auf Platz 7 übernommen und sollte die Veilchen eigentlich mittelfristig zurück in die 2. Bundesliga führen. Doch stattdessen musste Aue in der letzten Saison lange um den Klassenerhalt bangen und steckte auch in der laufenden Serie von Anfang an im Tabellenkeller fest. Die Bilanz unter dem früheren Aufstiegstrainer von Rostock und Magdeburg liest sich ernüchternd. So konnte Aue aus den 41 Liga-Partien unter Härtel gerade mal elf Siege und zehn Unentschieden holen (43 Punkte), was einen Punkteschnitt von lediglich 1,05 bedeutet.
Trotz der schwachen Bilanz hatte der 56-Jährige in der Vergangenheit immer wieder das Vertrauen bekommen – im Gegensatz etwa zu Sportchef Heidrich und Co-Trainer Emmerich, die bereits im Dezember gehen mussten. Nun ist auch für Härtel Schluss. Noch am Samstag verabschiedete er sich persönlich von der Mannschaft. "Ich bin sehr enttäuscht. In erster Linie von mir selbst", wird der 56-Jährige in einer Mitteilung des Vereins zitiert. Er sei lange genug im Geschäft, um zu wissen: "Es zählen nur Resultate und Punkte, insofern haben wir wenig Argumente. Ich wünsche der Mannschaft, dem gesamten Kumpelverein für die Zukunft größtmöglichen Erfolg und vor allem natürlich den Klassenerhalt."
Co-Trainer übernehmen vorerst
Wer Härtel ersetzen wird, ist noch offen. Vorerst übernehmen die bisherigen Co-Trainer Adam Susac und Lars Fuchs, den Härtel erst im Dezember an die Seite gestellt bekam. Nach Dominik Glawogger (Mannheim), Robert Lechleiter (Ulm), Patrick Glöckner (1860), Benedetto Muzzicato (Aachen), Nils Döring (Wiesbaden), Moritz Glasbrenner (Ulm) und Alois Schwartz (Saarbrücken) ist Härtel bereits der achte Trainer, der in der laufenden Saison gehen muss.