Kommentar: Remis gegen Münster: Halle blockiert sich selbst

Wenn man kein Glück hat, kommt meist auch noch Pech dazu. Während die Liga das Phrasenschwein bereits klingeln hört, dürfte man in Halle nach dem trockenen 0:0 gegen Preußen Münster wohl betroffen mit dem Kopf nicken. Der eine oder andere könnte dabei aber auch einige neue Sorgenfalten aus dem Stadion mitgebracht haben, denn abgesehen von zwei Schlüsselmomenten im Strafraum der Preußen lag es über weite Strecken am HFC selbst, dass dieses Spiel am Ende keinen Sieger fand. So blockierte die durchaus potente Mannschaft von Trainer Sven Köhler zum wiederholten Male in dieser Saison die Möglichkeit weiter oben mitzuspielen und damit sich selbst.

Keine Impulse aus dem Mittelfeld

Die Partie gegen Münster war erst das dritte Ligaspiel in dieser Saison, in dem Köhler auf ein Zwei-Stürmer-System umschaltete. Partie eins (gegen Elversberg) und zwei (in Duisburg) gingen beide siegreich aus, aber gegen Münster offenbarte das System eine Schwäche, die in sanfterer Form schon gegen Duisburg zu sehen war: Es fehlt an offensiven Impulsen. Im vorherigen 4-2-3-1 setzte Köhler meist auf einen Defensivakteur neben einem Allrounder (Wagefeld) oder einem Kreativkopf (Müller). Seit der Partie gegen Duisburg besetzt mit Pierre Becken ein Innenverteidiger als einziger Sechser die Position vor der Abwehr. Becken füllte auch gegen Münster seine Rolle sehr ordentlich aus, war aber mit den Defensivaufgaben vollends ausgefüllt, sodass zwischen Defensive und Offensive ein Bindeglied fehlte. Die Rolle des Impulsgebers, die vorher Spieler wie Müller oder Wagefeld übernommen hatten, fehlte im Spiel des HFC nun völlig. So kamen die Mehrheit der Chancen für die Hallenser durch Freistöße zustande und während die Defensive gegen die zweitbeste Offensive der Liga sicher stand und durch den x-ten Sahnetag von Keeper Kleinheider noch verfeinert wurde, hing die Offensivabteilung der Saalestädter etwas in der Luft.

Gedankenspiel mit Gogia

Was muss also verbessert werden? Halle braucht niemanden, der den Stürmern die Pässe serviert. In diesem Bereich ist man mit Akaki Gogia nach wie vor überdurchschnittlich gut besetzt. Was fehlt, ist der Dirigent, der in der Schnittstelle zwischen Defensive und Offensive die Fäden zieht. Da sich Köhler auf das 4-2-2-System mit einer Raute zumindest bis zur Winterpause festgelegt haben dürfte, fällt die bisherige Option der Doppelsechs vorerst weg. Erschwerend hinzu kommt, dass das zentrale Mittelfeld im Kader des HFC eher dünn besetzt und durch die Verletzung von Maik Wagefeld zusätzlich geschröpft ist und wenig Handlungsspielraum zulässt. Möglich wäre, nun über die Flügel das Spiel aufzubauen, allerdings sind Bertram und Schmidt eher klassische Flügelspieler und mit Toni Lindenhahn die spielmachende Alternative verletzt. Der Lösung des Problems wäre wohl der überragende Gogia. Als Offensivallrounder kann dieser auch über die Flügel agieren und genau von dort würde er in diesem Szenario das Spiel starten. In der Zentrale würde wiederum ein etwas tiefer stehender Mittelfeldmann das Impulsproblem erledigen, in der er sich aus der Tiefe die Bälle von Becken besorgt. Anton Müller wäre dafür prädestiniert, später könnte auch Toni Lindenhahn diesen Part übernehmen. Während Müller als Impulsgeber in der Tiefe agiert, würde Gogia vom Flügel wahlweise nach innen ziehen oder nach erfolgtem Pass durch Müller direkt über den Flügel gehen, ein zusätzliches Überraschungsmoment für die Elf von Sven Köhler. In verwandter Form praktizieren diese Variante auch Müllers Namensvetter Thomas und Weltklassefußballer Franck Ribery beim FC Bayern und das bekanntlich äußerst erfolgreich.

Schiedsrichter wirft mehrere Fragen auf

Unabhängig von taktischen Variationen gab es am Samstag allerdings noch ein weiteres Fragezeichen beim HFC. Wie kann es sein, dass ein bereits in der Vorsaison scharf kritisierter Schiedsrichter die gleiche Partie in der Folgesaison noch einmal pfeifen darf? Darauf aufbauend: Wie kann besagter Schiedsrichter zwei glasklare Elfmeter für den HFC abwinken und damit wie schon in der Vorsaison (durch einen fragwürdigen Elfmeter und eine rote Karte gegen Halle) am Punktgewinn der Preußen mehr oder weniger aktiv mitwirken? Diese Fragen stellten sich auch die Fans der Heimmannschaft, zumal auch die Spieler aus Münster, wie in der Vorsaison, überdurchschnittlich oft ohne sonderliche Gegnereinwirkung auf dem Feld lagen, selbst aber gehörig austeilten, wie man am Kopf von Pierre Merkel erkennen konnte. Kein Wunder also, dass sich Stürmer Timo Furuholm, der kurz vor Schluss klar im Strafraum gefoult worden war, nach der Partie im MDR im Interview ausließ: „This was a f*** joke!“  Recht hatte er allerdings nur in Bezug auf die Elfmeterentscheidungen. Dass der HFC am Ende mit leeren Händen da stand, war selbstverschuldet.

 

FOTO: Marcus Bölke

   
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