"Und ihr wollt Wismut Aue sein?": Fan-Wut nach FCE-Debakel

Was für ein Debakel! Mit 1:5 ging Erzgebirge Aue am Sonntagnachmittag gegen den SV Wehen Wiesbaden unter und kassierte dabei die höchste Heimpleite seiner Drittliga-Geschichte. Die Fans waren stinksauer – und stellten die Spieler nach Abpfiff zur Rede. Während Kapitän Dimitrij Nazarov sich bei den Anhängern entschuldigte, übernahm Trainer Timo Rost die volle Verantwortung für die Klatsche.

Pfeifkonzert und höhnischer Applaus

Es war nicht zu überhören, das Pfeifkonzert der Auer Fans nach Schlusspfiff. Nach der heftigen Klatsche waren die Anhänger mächtig wütend – und stellten das Team am Zaun zur Rede. Als die Mannschaft dann in die Kabine ging, wurde es richtig laut: Längst blieb es nicht nur bei Pfiffen, auch deftige Unmutsäußerungen von den Tribünen waren zu vernehmen. Schon nach dem fünften Gegentor in der 61. Minute hatten die Anhänger ihre Banner zusammengepackt, Fehlpässe mit höhnischem Applaus bedacht und skandiert: "Und ihr wollt Wismut Aue sein?"

Es war noch eine der freundlichsten Äußerungen, die der Zweitliga-Absteiger an diesem Sonntagnachmittag von seinen Anhängern zu hören bekam. Kapitän Dimitrij Nazarov berichtete bei "MagentaSport" von "extremer Kritik" am Zaun, bezeichnete diese aber als "absolut berechtigt. Wir müssen uns bei jedem Fan für diese Leistung entschuldigen. Zuhause so zu verlieren, ist schon lange her", sagte der 32-Jährige – und lag damit völlig richtig: Zwar gab es auch in der letzten Zweitliga-Saison einige herbe Heimpleiten, doch in der 3. Liga war es die höchste Niederlage überhaupt.

"Da fehlen mir die Worte", war Nazarov bedient, sprach von einem "extrem schwachen" Auftritt mit "extrem vielen Fehlern" und einem "rabenschwarzen Tag für ganz Aue". Sich so abschießen zu lassen, "geht gar nicht", schimpfte der Angreifer, der mit der Mannschart hart ins Gericht ging: "Wir haben alle schlecht verteidigt. Es war keiner dabei, der halbwegs Normalform erreicht hat." Die Fans nach so einer Leistung zurückzuholen, werde "extrem schwer", prognostizierte Aues Spielführer. Es tue unheimlich weh, "Fans mit Tränen in den Augen zu sehen. Für sie ist es ein absolutes Highlight, alle zwei Wochen ins Stadion zu gehen. Und dann liefern wir so einen Auftritt ab. Das geht einfach nicht und darf in dieser Form nie wieder passieren."

Rost übernimmt Verantwortung

Mindestens genauso bedient wie der Kasache war Trainer Timo Rost, der von einem "dicken Brett" und einen "absolut gebrauchten" Tag sprach. Das Eigentor von Steffen Nkansah nach 56 Minuten zum 0:4 passte dabei ins Bild, auch zuvor hatten sich die Veilchen in der Abwehr alles andere als geschickt angestellt. "Die Abstände waren viel zu weit. Wir haben sehr fahrlässig agiert, was die Zweikampfführung angeht", analysierte Rost. Der 43-Jährige wird die Frage beantworten müssen, warum sein Team derart überfordert, bisweilen völlig wehrlos war und vor allem offensiv praktisch nicht stattfand.

Eine erste Erklärung lieferte er direkt nach Schlusspfiff. Demnach sei der eine oder andere dem Druck noch nicht gewachsen gewesen. Namen nannte Rost nicht, sondern stellte sich schützend vor seine Mannschaft – und zeigte sich dabei überaus selbstkritisch: "Es ist ganz klar meine Aufgabe, eine Mannschaft auf den Platz zu schicken, die solche Spiele gewinnen oder zumindest bestehen kann – Neuaufbau hin oder her. Daher muss ich mir den Schuh heute ganz klar anziehen, weil ich es nicht geschafft habe, Jungs aufzubieten, die auch nach einem Nackenschlag zurückkommen können."

"Lehrbeispiel bekommen"

Gegen den SVWW habe der FCE ein Lehrbeispiel bekommen, wie man in der 3. Liga spielen müsse: "Lange Bälle, zweite Bälle, Abschlüsse außerhalb der Box", zählte Rost als probate Mittel auf, die seinem Team völlig abgingen. Zu denken, alles spielerisch lösen zu können, sei "ein absoluter Trugschluss", machte der Veilchen-Coach klar. "Wir müssen jetzt ein anderes Gesicht zeigen und schnell in der Liga ankommen. Denn es geht nicht darum, schönen Fußball zu spielen."

Denn klar ist: Eine Leistung wie gegen Wiesbaden können sich die Veilchen, die weiterhin sieglos sind und mit nur zwei Punkten aus vier Spielen den ersten Abstiegsplatz belegen, nicht nochmal erlauben. Andernfalls dürfte die Luft für Rost schon bald dünn werden. Dass als nächster Gegner nun ausgerechnet der noch ungeschlagene und gegentorlose 1. FC Saarbrücken wartet, macht das Unterfangen gewiss nicht leichter. Im nächsten Heimspiel kommt es dann zum Sachsen-Derby mit Dynamo Dresden. Ist Aue danach immer noch sieglos, dürfte der Unmut der Fans noch viel größer werden.

   
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