Trotz Tabellenführung: Flensburg beantragt keine Drittliga-Lizenz

Mit 24 Punkten steht der SC Weiche Flensburg derzeit an der Tabellenspitze der Nord-Gruppe in der Regionalliga Nord. Doch schon jetzt ist klar: Auch in der kommenden Saison wird Flensburg in der Regionalliga spielen. Wie am Freitag bekannt wurde, wird der Klub keine Lizenz für die 3. Liga beantragen.

Knackpunkt Stadion

Nach Angaben des Vereins lasse die "angespannte wirtschaftliche Situation" im Zusammenhang mit der Corona-Krise, die "große Unsicherheit über die weitere Entwicklung bei der Bekämpfung der Pandemie" sowie die "enorm hohen Anforderungen für Drittliga-Fußball" im organisatorischen Bereich derzeit keine andere Entscheidung zu – sehr zum Bedauern der Geschäftsführung um Harald Uhr und Christian Jürgensen: "Es ist extrem schade, wir hätten es den Jungs und dem Trainer, aber auch unseren Fans und Unterstützern von Herzen gegönnt." Zugleich betonen sie, dass sich Weiche "sehr ernsthaft" mit dem Thema befasst und nach Möglichkeiten der Umsetzung gesucht habe – jedoch ohne Erfolg.

Ein Knackpunkt: Im organisatorischen Bereich wären eine Erweiterung der Stadionkapazität auf ein Fassungsvermögen von mehr als 10.000 Plätzen sowie weitere Infrastrukturmaßnahmen notwendig gewesen. Doch angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Situation seien solche Vorhaben für den SC Weiche derzeit "jedoch nicht umsetzbar", wie der Klub wissen ließ. "Leider gibt es keinerlei Lockerungen oder Fristverlängerungen“, erklärt Jürgensen. "Wir hätten gern zunächst nur eine Absichtserklärung abgegeben, um die weitere Entwicklung noch etwas abwarten zu können. Doch das war nicht möglich." Der DFB habe zwar mitgeteilt, dass man über Lockerungen für das Antragsprozedere diskutierte, allerdings würden diese noch nicht für die kommende Saison gelten.

"Seriöser Etat" nicht möglich

Auch abgesehen von der Stadion-Problematik sieht sich der SC Weiche für die 3. Liga derzeit nicht gerüstet: "Einen seriösen Etat aufzustellen, ohne zu wissen, wann wir spielen, ob Zuschauer zugelassen sind und ob bzw. wie lange es bei Corona-Einschränkungen bleibt, ist nicht möglich", so Jürgensen. "Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und wollen nicht aufs Spiel setzen, was wir in den vergangenen Jahren in Flensburg-Weiche aufgebaut haben."

Am grundsätzlichen Ziel, in den nächsten Jahren den Sprung in die 3. Liga zu schaffen, hält der Klub aber fest: "Wir haben alle das gemeinsame Ziel Drittliga-Fußball in Flensburg, aber dieses Projekt benötigt Substanz und Nachhaltigkeit", macht der Geschäftsführer klar. "Wir wollen der nördlichste Profi-Fußballklub Deutschlands werden. Hierzu benötigen wir die Unterstützung nicht nur unserer starken Sponsoren. Auch die Landespolitik und die Stadt Flensburg sind gefragt." Zuletzt stand Flensburg in der Saison 2017/18 vor dem Sprung in die 3. Liga, scheiterte in der Relegation aber an Energie Cottbus.

Wer qualifiziert sich für Aufstiegsspiele?

Nachdem sich Flensburg nun aus dem Aufstiegsrennen verabschiedet hat, bleibt offen, wer sich aus der Regionalliga Nord an der Relegation gegen den Bayern-Meister teilnehmen wird. Der Teilnehmer soll in einer Aufstiegsrunde mit bis zu zehn Klubs ausgespielt werden – je fünf aus beiden Gruppen Nord und Süd. Derzeit wären Teutonia Ottensen, Eintracht Norderstedt, St. Pauli II, HSV II, Havelse, Bremen II, Rehden, Oldenburg und Hannover II für die Aufstiegsrunde qualifiziert.

   
  • ironimus

    Nach dem SV Rödinghausen bekennt sich nun ein weiterer Verein zur Realität und verzichtet auf Abenteuer. Hut ab, kann man da nur sagen. Insgesamt wird es allerdings nicht viel helfen. Wenn man sieht, wer da alles hoch will … Der DFB kann schon mal seine "Ausnahme- und Übergangsregelungen" erweitern.

  • Daniel M.

    Das System stinkt doch. Da fahr ich doch lieber auf einen Dorfplatz zu einem authentischen Verein, als zu einer Zweit-Vertretung. Niemand braucht ein Dach, einen Sitzplatz oder ein luxus—Klo, solange das Bier schmeckt.

    • Falk Schmiedeknecht

      Schwierig.
      Für die Zweeten darf sicher gerne in der RL Schluss sein. Niemand würde sie weiter oben als WeTtBeWeRbEr vermissen.
      Für alle anderen gilt, IMHO, das Lizenzierungsverfahren als Gatekeeper zum Profi-Fussball ist unverzichtbar, muss aber dringend angepasst werden.
      15.000 Plätze als Einstieg sind z. B. viel zu fett. Hier würden 10K (event. mit grundsätzlichen, theoretischen Ausbauoptionen für weitere Aufstiege) völlig ausreichen. Ähnliches ließe sich zu Überdachungen sagen.
      Vereine aber, die Gastgeber für 3.000er Gäste-Mobs werden wollen, müssen entsprechende Struktuen vorweisen können. Sowohl sanitär, gastronomisch, als auch sicherheitstechnisch. Eine Rasenheizung und Medienplätze sollten ab Profi-Fussball ebenfalls Standard sein. Finanzierungsfragen müssen für die betreffende Saison fix sein und dürfen nicht von Mäzenen-Goodwill abhängen.

      • Friedrich Herschel

        Es sind für die Dritte Liga "nur" 10.000 Plätze nötig, nicht 15.000 – das ist die Zahl für ein Zweitligastadion.

      • Falk Schmiedeknecht

        Danke für den Hinweis.
        Ich bin, seit Jahren, immer von mir 15.000 ausgegangen, keine Ahnung, warum sich das so festgesetzt hat.
        Dass für Zweitvertretungen aber sogar nur 5.000 ausreichen, verweist jedoch auf darüber hinaus existierende Schieflagen.

      • Friedrich Herschel

        Die Zweitvertretungen können bei Bedarf aber auf das Stadion der ersten zurückgreifen.

  • Falk Schmiedeknecht

    "… Derzeit wären Teutonia Ottensen, Eintracht Norderstedt, St. Pauli II, HSV II, Havelse, Bremen II, Rehden, Oldenburg und Hannover II für die Aufstiegsrunde qualifiziert."

    … und sehen sich, im Gegensatz zu Flensburg, in der Lage, eine Drittliga-Lizenz auf die Beine zu stellen?

    Sicher?

    • DM von 1907

      Aber sicher! Teutonia Ottensen wartet nur darauf, die Bundesliga zu rocken! ;-))

      Nein – Spaß beiseite: Flensburg ist ein lobenswertes Beispiel für einen seriös wirtschaftenden Verein, der dennoch die 3. Liga als Ziel im Blick behält. Ich wünsche Flensburg den baldigen Aufstieg!

      • Lodenhool Lodenkai

        So sehe ich das auch. Andere bekommen Freifahrtsscheine für fragwürdige Stadienlösungen und können im Gegenzug ihren Kader aufrüsten! Hier beginnt schon die – ggf. gewollte – Wettbewerbsverzerrung seitens DFB….

    • Friedrich Herschel

      Für die Zweitvertretungen dürfte das leider hinkommen. Norderstedt könnte vermutlich ein Hamburger Stadion als Spielstätte angeben. Ottensen ist ein Hamburger Stadtteil, dort ist schon ein Stadion für 8000 Leute (Altona 93 spielt dort) – die restlichen 2000 über Zusatztribünen wäre wohl noch machbar. Das Stadion von Oldenburg hat bereits 15000 Plätze.

      • Falk Schmiedeknecht

        In Oldenburg gibt es (lt. Wiki) keine Flutlichtanlage und Probleme mit Versackungen, da das Stadion auf einer ehemaligen Mülldeponie steht.
        Bei Ottensen fällt es mir ohne weitere Recherche schwer zu glauben, dass Ligakonkurrent Altona zugunsten von Ottensen Einschränkungen im eigenen Spielbetrieb akzeptieren würde.
        Für fast alle blieben Fragezeichen bei Rasenheizung und Medien-Infrastruktur. Eine qualifizierte 10er-Runde scheint mir hier unnötig hochgesteckt.
        Die generelle Problematik der II. mal ganz außen vor.

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