Trotz "extrem vieler" Fragen: Großaspach trainiert wieder

Seit Montag rollt bei der SG Sonnenhof Großaspach wieder der Ball. In Kleingruppen mit maximal fünf Personen bereitet sich das Team von Cheftrainer Hans-Jürgen Boysen auf den Re-Start vor – trotz offener Fragen.

Großaspach sieht sich bestärkt

Eine schriftliche Bestätigung, dass man symptomfrei ist, das Messen der Körpertemperatur, ein Mindestabstand von 1,50 Meter während des Trainings und gesperrte Duschen: Die Bedingungen, unter denen die SG Sonnenhof am Montag wieder ins Training eingestiegen ist, sind alles anderes als gewöhnlich – und dennoch unumgänglich, um wieder trainieren zu können. Am Dienstag sollen zudem alle Spieler, Trainer und Mitglieder des Funktionsteams auf das Coronavirus getestet werden. Dass der Ball beim Dorfklub wieder rollt, liegt vor allem am DFB-Plan, die Saison ab dem 26. Mai fortsetzen zu wollen.

Denn überzeugt von einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs ist die SG weiterhin nicht, vielmehr sieht sie sich in ihrer Forderung nach einem Saison-Abbruch sogar bestärkt. "Wir haben unsere spezielle Situation und Verantwortung vor Ort nochmals den Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Bundes offen und ausführlich dargelegt. Der Schutz und die Gesundheit unserer Mitarbeiter stehen über allem", teilt der Klub auf seiner Homepage mit. Zwar wären die Aspacher "die Letzten, die eine Wiederaufnahme kritisieren", doch dafür müsse vor allem ein "fairer Wettbewerb" garantiert sein. Und diesen sieht der Klub schon nicht mehr gegeben: "Andere Drittligisten sind bereits mehrere Wochen im kontaktlosen Training, was zum einen zeigt, dass es große regionale Unterschiede hinsichtlich des Pandemieaufkommens und der damit verbundenen behördlichen Entscheidungen gibt, was aber auch zeigt, dass ein fairer Wettbewerb schon jetzt nicht mehr möglich ist." Der DFB jedoch, meint SG-Vorstandsmitglied Philipp Mergenthaler, nehme die unterschiedlichen Situationen bei den Vereinen nicht zur Kenntnis.

Wenigstens von den Klubs aber würde sich Mergenthaler mehr Gemeinsinn erwarten, nicht zuletzt auch von Vereinen wie Hansa Rsotock im Lager der Befürworter einer Liga-Fortsetzung. "Rostock kennt solche Probleme, wie wir sie haben, gar nicht. Da gab es vergangene Woche fast keine Infizierten. Bei uns im Südwesten sieht das einfach anders aus. Selbstverständlich muss ich akzeptieren, wenn Hansa aufgrund der dortigen Situation spielen will. Dann muss Rostock aber auch begreifen, dass die Lage im Südwesten einfach eine andere ist", sagte Mergenthaler in der Backnanger Zeitung.

"Extrem viele Fragen"

Das Hygienekonzept von DFB und DFL sei zwar "wissenschaftlich sicherlich sehr gut ausgearbeitet", sei aber auf die Bundesliga ausgerichtet worden: "Allein durch die personelle Ausstattung, die Infrastruktur, aber auch die Philosophie unseres Klubs ergeben sich hier extrem viele Fragen, die zu klären sind – ganz abgesehen von der finanziellen Mehrbelastung und dem immensen organisatorischen Aufwand." Unter anderem muss die SG wie alle Klubs einen eigenen Mannschaftskoch stellen: "Der DFB geht davon aus, dass das, was die großen Bayern leisten können, auch der Dorfklub schafft", schimpft Mergenthaler.  Für diese Auflage und weitere Vorschriften für den konzeptgetreuen Umbau im Fautenhau zur Vergrößerung des Platzangebotes in den Kabinen kalkuliert Mergenthaler eine zusätzliche Kostenbelastung im deutlich sechsstelligen Bereich. Immerhin konnte Großaspach die ebenfalls verpflichtend geforderte Position des Hygienebeauftragten durch seine beiden Mannschaftsärzte Heiko Kachel und Rainer Michelfelder besetzen.

Den Württembergern stellt sich allerdings weiter vor allem eine Frage: "Was passiert beispielsweise mit Spielern, die Teil unseres Dualen Konzepts sind? Wie sollen diese die im Konzept vorgegebene Quasi-Quarantäne einhalten?" Diese Frage sei bislang noch "völlig ungeklärt". Der Hintergrund: In Großaspach gehen einige Spieler einer "normalen" Ausbildung nach. Darunter zum Beispiel Kapitän Julian Leist. Der 32-Jährige dürfte dann wohl bis Ende Juni nicht mehr arbeiten und zur Schule gehen. Ob der DFB in Kürze eine Antwort darauf geben kann? Großaspach ist der 17. Drittligist, der wieder trainiert. Magdeburg folgt am Dienstag, Münster am Mittwoch. Jena hat noch keinen Termin.

Allen Widrigkeiten zum Trotz würde sich der "Dorfklub" einer angeordneten Wiederaufnahme des Spielbetriebs aber nicht widersetzen, wie Mergentahler und Vereinschef Andreas Benignus mit Hinweis auf den entsprechenden Vertrag der Vereine mit dem Dachverband betonen: "Wenn der DFB sagt, dass wir spielen müssen, dann müssen wir spielen."

   
  • gwisdek

    Finde ich symphatisch vom Dorfclub, dass er seine durchaus berechtigten Zweifel vorbringt, aber dennoch direkt sagt, dass er spielen würde, wenn es denn soweit ist.

    Bei Großaspach ist es indes auch direkt viel nachvollziehbarer, dass alle Maßnahmen von der DFL nicht leicht umzusetzen sind. Wenn man hier nach Magdeburg guckt, en Verein, der vor 10 Monaten noch in der zweiten Liga gespielt hat, muss man hingegen eher den Kopf schütteln und sich fragen: Wollen oder Können sie nicht.
    Zum Vergleich: Saarbrücken, ein Verein der seit Jahren in der 4. Liga feststeckt(e), begrüßt das DFL Konzept und hält es für umsetzbar.

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